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All-In rechnet sich für Betroffene nicht

"Baustelle Arbeitszeit" bestätigt – Deckungsprüfung durchführen, Verträge beschränken

Am 1. Februar 2016 ist der All-In-Rechner der GPA-djp (Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier) online gegangen, Betroffene können unter www.allinrechner.at mit wenigen Klicks herausfinden, ob ihre Bezahlung passt. Mit einem Pauschalentgelt sind alle über die gesetzliche und kollektivvertragliche Normalarbeitszeit hinausgehenden Arbeitszeiten bzw. Arbeitsleistungen (Mehrarbeit, Überstunden, Reisezeiten, Sonn- und Feiertagsarbeit sowie Rufbereitschaften) abgegolten. Der Rechner wurde vor einem Jahr mit acht Branchen (Gewerbe, Elektro-/Elektronikindustrie, Handel, Hotel/Gastgewerbe, IT, Metallindustrie, Metallgewerbe und Versicherungen) gestartet, jetzt sind folgende Branchen dazugekommen: Banken, Chemische Industrie, Bauindustrie, EVU (Energieversorgungs-Unternehmen), BABE (private Bildungseinrichtungen), Werbung- und Marktkommunikation in Wien, Journalismus.

 „Für die Betroffenen ist oft nur schwer nachvollziehbar, wie viele Überstunden und Mehrleistungen damit tatsächlich abgegolten werden. Es besteht auch der weitverbreitete Irrglaube, dass ein All-In Vertrag den Kollektivvertrag oder das Arbeitszeitgesetz außer Kraft setzt“, zog GPA-djp-Vorsitzender Wolfgang Katzian heute eine erste Bilanz. Der Rechner wurde öfter als 50.000 mal benutzt, rund 300 Betroffene nahmen die Beratung von GPA-djp-ExpertInnen in Anspruch. Die Auswertung von rund 35.000 Vollzeitbeschäftigten ergab wie nach den Beratungen erwartet die „Baustelle Arbeitszeit“, so Katzian: „42,7 Prozent aller, die mit einem All-In-Vertrag arbeiten, tun das mehr als 45 Stunden pro Woche. 17,8 Prozent von ihnen arbeiten sogar mehr als 50 Wochenstunden.“ Das durchschnittliche Monats-Bruttoentgelt aller ausgewerteten Anfragen betrug 3.958,26 Euro.

„Viel arbeiten und wenig oder nicht ausreichend dafür bezahlt bekommen, der All-In-Vertrag ist in vielen Fällen Werkzeug, um genau das zu vertuschen“, empfiehlt Andrea Komar, Leiterin der GPA-djp-Rechtsabteilung, Betroffenen die sogenannte Deckungsprüfung. Diese ist vom Arbeitgeber bei einer Überstundenpauschale oder einer All-In-Vereinbarung jährlich durchzuführen (in der Regel 12-monatiger Beobachtungszeitraum ab Geltung der Überstundenpauschale oder des All-In-Vertrages). Aus ihr geht hervor, ob wirklich alle erbrachten Leistungen abgedeckt sind. Nicht abgedeckte Leistungen sind gesondert abzugelten. „Wir wissen, dass diese Prüfungen nicht immer gemacht werden und raten den Betroffenen deswegen, ihren Betriebsrat zu kontaktieren, der durchaus über geeignete Kontrollrechte verfügt.“ Auch das Arbeitsinspektorat könne hier wesentliche Unterstützung sein, so Komar. Sie wünsche sich für die All-In-Beschäftigung noch mehr und effektivere Kontrollen: „Es muss nicht immer sofort gestraft werden, manchmal reicht auch eine Vermittlung.“ Außerdem erinnerte Komar an das Lohn- und Sozialdumping-Bekämpfungsgesetz, das auch für den Bereich All-In ein wichtiger Hebel sein könne: „Arbeitgeber glauben oft, All-In-Verträge würden sie vor der Anwendung schützen. Das Gegenteil ist der Fall: wenn Leistungen, die durch All In–Gehalt abgedeckt sein sollten, abgerechnet, respektive überprüft werden, und eine Differenz zu Lasten des Arbeitnehmers entsteht, greift das Gesetz sehr wohl. Verstöße können zu empfindlichen Verwaltungsstrafen führen.“

„Es liegt auf der Hand: für viele Betroffene rechnet sich der All-In-Vertrag nicht“, formulierte Katzian die Forderungen der GPA-djp: „All-In-Verträge müssen auf Führungskräfte beschränkt werden, die ein gewisses Einkommen haben.“ Die im Zuge der politischen Diskussion erwähnte Untergrenze von 5000 Euro würde viele Beschäftigte von der Geißel All-In befreien. Außerdem müsse die Deckungsprüfung durchgeführt werden und ArbeitnehmerInnen müssen die freie Wahl zwischen All-in-Vertrag und Entlohnung auf Einzelstundenbasis haben, also aus einem bestehenden All-in-Vertrag jederzeit aussteigen können, so Katzian abschließend: „Zwölf Stunden täglich für alle, wie das im Traumkatalog mancher steht, kann es auch für All-In-Beschäftigte nicht geben!“

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