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Befragung bestätigt Handlungsbedarf bei Müller

GPA-djp: Missstände bei Taschenkontrollen, Arbeitszeit und Krankenständen

Rund um die wegen ihres Engagements für eine Betriebsratswahl gekündigte Mitarbeiterin waren auch die angeblich teilweise schlechten Arbeitsbedingungen bei der Drogeriekette Müller Thema. „Wir sind den Gerüchten auf den Grund gegangen und haben eine Befragung der rund 3.000 Beschäftigen in Österreich gemacht, das Ergebnis ist ernüchternd“, berichtet Barbara Teiber, Mitglied der Bundesgeschäftsführung in der GPA-djp (Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier): „Vor allem Missstände betreffend Taschenkontrollen, Abgeltung von Mehrarbeit und die Handhabung mit Krankenständen scheinen System zu haben. Weitere arbeitsrechtliche Baustellen wurden gemeldet – der Handlungsbedarf im Unternehmen ist groß.“

Der Rücklauf der Fragebögen von mehr als elf Prozent ist überraschend positiv, so Teiber: „Wir wissen aus zahlreichen Gesprächen, dass viele Führungskräfte es den Beschäftigten untersagt haben, an unserer Befragung teilzunehmen. Mehr als 300 Betroffene ließen es sich trotzdem nicht nehmen, mitzumachen.“ Es gebe zwar vereinzelt auch positive Rückmeldungen, wonach im Unternehmen alles in Ordnung sei, der überwiegende Teil der Antworten ergebe aber ein negatives Bild, berichtet Teiber. Viele Beschäftigte schreiben von Einschüchterungen durch Führungskräfte, das Klima der Angst scheine sich seit der Kündigung von Özlem Bakiray, die einen Betriebsrat gründen wollte, verstärkt zu haben.

Den größten Unmut äußern die Beschäftigten über Taschenkontrollen: „Mehr als 90 Prozent berichten uns von täglichen Kontrollen ihrer Taschen, oft auch vor KundInnen. Vereinzelt ist auch von Spindkontrollen die Rede, ohne dass die Betroffenen anwesend sind – das geht gar nicht!“, ärgert sich Teiber darüber, dass Müller seine Beschäftigten offenbar unter Generalverdacht stellt: „Das ist nicht nur eine entwürdigende Vorgangsweise, sondern auch rechtlich so pauschal nicht gedeckt.“

Außerdem geben 62 Prozent der Befragten an, regelmäßig mehr Stunden zu arbeiten als vereinbart, so Teiber weiter. „56 Prozent, also mehr als die Hälfte der Betroffenen, gibt an, den  Mehrarbeitszuschlag nicht zu bekommen, knapp 20 Prozent machen dazu keine Angabe – hart erarbeitetes Geld scheint systematisch vorenthalten zu werden, das ist ein Skandal.“

Eine weitere arbeitsrechtliche Baustelle zeichne sich ab, was den Umgang mit kranken MitarbeiterInnen betreffe. Mit 58 Prozent gibt weit mehr als die Hälfte der Befragten an, krank zur Arbeit zu gehen. „Dieses Verhalten aus Angst vor Jobverlust ist leider keine Seltenheit, wie wir aus Umfragen wissen“, so Teiber: „Bei Müller scheint es aber auch Usus zu sein, kranke Beschäftigte zu kontaktieren und Druck auszuüben, damit die Leute schnell wieder zur Arbeit kommen.“ Davon abgesehen gebe es auch Meldungen, wonach die Zeit des Krankenstands in den darauffolgenden Tagen und Monaten eingearbeitet werden müssen, „ein völliges No-Go“, so Teiber.

Teiber appellierte in einem Brief an die Geschäftsführung von Müller, die Bestimmungen des Arbeitsrechts einzuhalten: „Auch wenn die Rückmeldungen variieren und vom jeweiligen Arbeitsstandort abhängen dürften, ergeben sich aus den Antworten klare Handlungsnotwendigkeiten. Im Sinne der Verbesserung der Arbeitssituation der Beschäftigten sind wir gerne bereit, Herrn Müller und dem gesamten Management die Ergebnisse der MitarbeiterInnen-Befragung, natürlich völlig anonymisiert, zur Verfügung zu stellen, um gemeinsam konkrete Maßnahmen zu entwickeln.“ Die lapidare Antwort von Firmenchef Erwin Müller, übermittelt Dienstagabend via Fax, spreche allerdings für sich, bedauert Teiber: „Herr Müller teilt uns mit, dass er kein Interesse an einer sozialpartnerschaftlichen Zusammenarbeit hat.“ In der wenige Zeilen umfassenden Faxmitteilung heißt es: „Bezugnehmend auf Ihr Schreiben möchte ich Ihnen mitteilen, dass ich meine Mitarbeiter wie bisher selbst führen werde und bei uns im Aufenthaltsraum rote Kuverts ausliegen, wo jeder MA wenn er einen Wunsch oder ein Problem hat, an mich direkt schreiben kann…“

„Auch wenn sich Herr Müller das wünschen würde: mit dem Bild, das die Beschäftigten zeichnen, können wir jedenfalls auf keinen Fall zur Tagesordnung übergehen“, so Teiber abschließend.

 

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