Burgenland

"Miese Ausbeute"

ÖGB kritisiert Lohn- und Sozialdumping im Seewinkel

„Mit ´mieser Ausbeute´ meinen wir nicht einen schlechten Ertrag bei der derzeitigen Gemüseernte im Seewinkel. Vielmehr wollen wir auf die Ausbeutung von Erntehelferinnen und Erntehelfern aufmerksam machen“, zeigt sich ÖGB-Regionalsekretär Oliver Krumpeck empört.
 
Teilzeit oder gar nicht angemeldet, bis zu 250 Stunden pro Monat bei einem Stundenlohn von 3,50 Euro oder Akkordbezahlung für eine Kiste Zwiebel in der Höhe von 1,20 Euro und für eine Kiste Radischen in der Höhe von 0,90 Euro netto, kein Urlaubsanspruch, keine Sonderzahlungen, kein Bezahlung von Überstunden und keine Entgeltfortzahlung bei Krankheit – so sieht der Arbeitsalltag vieler ErntehelferInnen im Seewinkel aus.
 
„Offenbar gelten für viele Gemüsebauern keine gesetzlichen Regelungen. Wir bemerken auch einen massiven Austausch der ungarischen ErntehelferInnen durch ArbeitnehmerInnen aus Rumänien und Bulgarien, weil die ihre Rechte noch nicht kennen und anscheinend leichter übers Ohr gehauen werden können“, so Krumpeck, der verstärkte Kontrollen der Finanzpolizei und der Land- und Forstinspektion Burgenland fordert, nach dem Vorbild der Kontrollen bei den Weinbauern.
 
Besonders zynisch findet man im ÖGB die Tatsache, dass es gerade in einem Betrieb in Andau, dessen Eigentümer als Obmann des Burgenländischen Gemüsebauverbandes tätig ist und im Bundesgemüsebauverband eine Funktion einnimmt, wiederholt zu Verstößen gekommen ist. „Laut Homepage des Bundesgemüsebauverbandes setzt man sich für die Verbesserung bei der Fremdarbeitsbeschäftigung in der Landwirtschaft ein. Die Frage ist nur, wie das gemeint ist“, fragt sich Krumpeck. Allein von diesem Betrieb wurden in der Rechtsberatung 14 Akte mit Verstößen aufgenommen.
 
Von einem Betrieb in St. Andrä hat der ÖGB 19 Akte mit Interventionen wegen arbeitsrechtlichen Verstößen anlegen müssen. In den vergangenen drei Jahren musste beide Arbeitgeber auf Intervention des ÖGB mehr als 28.000 Euro an die geprellten Erntehelfer nachzahlen. Krumpeck: „Mit dieser Vorgehensweise schaden diese ´Lohn- und Sozialdumper´ nicht nur den Erntehelfern, sondern auch jenen Betrieben, die fair und sozial arbeiten. Ihnen entsteht dadurch ein massiver Wettbewerbsnachteil und das ist sicher nicht im Sinn der Konsumenten, die gerne heimisches aber auch faires Gemüse auf dem Teller haben wollen“, gibt Krumpeck zu bedenken.

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