Tirol
© Tom Bause

Wohlgemuth kritisiert „schwarz-blaues Nikologeschenk für ArbeitnehmerInnen“

Kurz löst jetzt seine Wahlversprechen an Industrie ein

Schockiert zeigt sich Tirols ÖGB-Vorsitzender Philip Wohlgemuth über die kolportierten Pläne der künftigen Bundesregierung über die Einführung der sogenannten Arbeitszeitflexibilisierung und somit eines 12-Stunden-Arbeitstages. „12 Stunden Höchstarbeitszeit täglich, 60 Stunden wöchentlich, Reduzierung der Ruhezeit auf 8 Stunden im Tourismus, Zerschlagung der Sozialversicherungen, Abschaffung der Pflichtmitgliedschaften in den Kammern, Angriffe auf die Sozialpartnerschaft - das sind die ÖVP/FPÖ Nikologeschenke für ArbeitnehmerInnen! Unter dem Vorwand der Flexibilisierung sollen ArbeitnehmerInnen jederzeit und kurzfristig verfügbar sein. Nach ihren Wünschen fragt dann aber mit Sicherheit keiner!“, so Wohlgemuth. Man solle sich außerdem überlegen, was die Anhebung der wöchentlichen Höchstarbeitszeit auf 60 Stunden für ArbeitnehmerInnen bedeute.

Ist das der „neue Stil“?
Wohlgemuth ortet den Hintergrund in der großen finanziellen Zuwendung einiger Industrievertreter an Sebastian Kurz vor der Wahl: „Der wahrscheinlich nächste Bundeskanzler löst jetzt wiederum seine Versprechen ein und schwächt die Rechte der ArbeitnehmerInnen. Wenn das der ‚neue Stil‘ ist, stehen der arbeitenden Bevölkerung dunkle Zeiten bevor!“. Mit dem Schlagwort der „Entbürokratisierung“ könne man nicht alles rechtfertigen. „Österreich steht wirtschaftlich gesehen ausgezeichnet da, einen großen Anteil daran haben die ArbeitnehmerInnen. Ihre Interessen werden jedoch offenbar völlig außer Acht gelassen!“. Vor allem für Familien befürchtet Wohlgemuth erhebliche Verschlechterungen, denn „ein 12-Stunden-Arbeitstag und Kinderbetreuung lassen sich für eine Familie nicht vereinbaren!“. Und weiter: „Ich höre von Herrn Kurz und seinem Team immer nur das Wort ‚Effizienzsteigerung‘, vielleicht sollte er sich einmal über Menschen und deren Lebensqualität Gedanken machen!“.

Kritik an Verlagerung auf Betriebsebene
„Die geforderte ‚Verlagerung auf Betriebsebene‘ bedeutet nichts anderes als die Schwächung der Verhandlungsposition der ArbeitnehmerInnen. Sobald von möglichen ‚Einzelvereinbarungen‘ die Rede ist darf man davon ausgehen, dass der/die Arbeitnehmer/in schlussendlich dem Chef alleine gegenübersitzt. Die Angst vor Verlust des Arbeitsplatzes ist dann mit Sicherheit ein willkommenes Druckmittel der Arbeitgeberseite, ihre Wünsche durchzusetzen, da dem Arbeitnehmer ja der Schutz des Kollektivs fehlt“, so Wohlgemuth.

Ruhezeit-Verkürzung „ein Wahnsinn“
Harsch kritisier Wohlgemuth auch die geplante Verkürzung der Ruhezeit für Tourismusbeschäftigte: „Die Verkürzung der Ruhezeit auf acht statt elf Stunden wäre ein Wahnsinn für die Beschäftigten! Der Tourismus zählt zu den stressigsten und anstrengendsten Branchen überhaupt – jetzt gönnt man den ArbeitnehmerInnen offenbar nicht mehr ihre dringend notwendigen Erholungsphasen. Wer den sozialen Frieden in Österreich aufs Spiel setzt, hat mit massivem Widerstand der Gewerkschaft zu rechnen!", so Wohlgemuth abschließend.

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