www.oegb.at

Aufweichung der Regelung zur Schulzeitenanrechnung bei Lehrverträgen

"Peinliches Schauspiel auf dem Rücken junger Menschen!"

„Die Freude über unseren Erfolg im Kampf gegen den Lohn- und Gehaltsraub an Jugendlichen währte nicht lange: Ein knappes halbes Jahr nach dem Erlass des Wirtschaftsministers, der endlich klarstellte, welche Lehrverträge nach einer bereits absolvierten und abgeschlossenen Schulausbildung in einer berufsbildenden mittleren oder höheren Schule nicht mehr abgeschlossen werden dürfen, versuchen einzelne Arbeitgeber jetzt, diese Regelung durch die Hintertür wieder zu umgehen und Jugendliche um ein ordentliches Gehalt zu bringen“, kritisiert Helmut Gotthartsleitner, Bundesjugendsekretär der GPA-djp (Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier).

Jahrelang lag es im Ermessen des Arbeitgebers, ob und wie viel schulische Ausbildung auf die Lehrzeit angerechnet wird, ein Zustand, der für viele junge ArbeitnehmerInnen gewaltige finanzielle Einbußen bedeutete, weil Lehrlingsentschädigungen niedriger als Einstiegsgehälter sind. Im Februar führte die österreichweite Kampagne des „Bündnis Berufsberechtigung“, dem sich neben anderen Gewerkschaften auch die AK angeschlossen hatte, zum Einlenken der WKÖ und des Wirtschaftsministeriums. „Jetzt wird in allen Bundesländern versucht, diesen Erlass aufzuweichen, die Regelung soll plötzlich für sogenannte verwandte Berufe nicht mehr gelten“, berichtet Gotthartsleitner vom konkreten Fall einer Schulabsolventin: „Das bedeutet im Klartext, dass die HAK-Absolventin, die eine Stelle als Bankkauffrau und nicht als Bürokauffrau angeboten bekommt, zwei Jahre lang die Entschädigung für das zweite und dritte Lehrjahr statt des Angestelltengehalts bekommen würde – damit würden ihr in diesen beiden Jahren mindestens 26.863 Euro brutto entgehen!“

Die WKÖ jongliere mit Unterstützung des Wirtschaftsministeriums mit Paragraphen im Berufsausbildungsgesetz, ärgert sich Gotthartsleitner über die Begründung in diesem konkreten Fall: „Jetzt wird seitens der Wirtschaft plötzlich damit argumentiert, dass eine längere Lehrzeit als vorgesehen notwendig ist, da sonst die Berufsschule nicht zu schaffen wäre“ ärgert sich Gotthartsleitner der abermals darauf hinweist, dass die berufsbildenden mittleren und höheren Schulen hauptsächlich nach den Wünschen der Wirtschaft geschaffen wurden. „Für uns ist das ein fadenscheiniges Argument, das vom weiteren Lohn- und Gehaltsraub an Jugendlichen ablenken soll. Ein peinliches Schauspiel auf dem Rücken junger Menschen, das wir nicht akzeptieren werden“.

Artikel weiterempfehlen

Newsletterauswahl

ÖGB Newsletter

Hier erhalten Sie wöchentlich die wichtigsten Informationen des ÖGB zu Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sowie Berichte, Veranstaltungstipps und vieles mehr.
Geschlecht
Geschlecht:
Name
© Österreichischer Gewerkschaftsbund | Impressum | Nutzungsbedingungen | Datenschutz | Inhalt