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vida: Tourismus-Jammerei aus Tirol löst Déjà-vu aus

Tusch: „Dringende Imagepolitur gefragt“

„Die Tiroler Wirtschaftskammer eröffnet den Fasching offenbar vier Tage vor seinem offiziellen Start. Die heutigen Aussagen des Fachgruppenobmanns der Tiroler Hotellerie, Mario Gerber, kann ich nur als Witz bewerten. Als schlechten Witz“, so Berend Tusch, Vorsitzender des Fachbereichs Tourismus in der Gewerkschaft vida. „Es ist wie ein Déjà-vu. Kurz vor Beginn der Wintersaison im Tourismus kommt aus Tirol wieder die Jammerei, dass an allen Ecken und Enden Arbeitskräfte fehlen“, so Tusch. „Zumindest hat Gerber erkannt, wovor wir seit Jahren warnen. Die Branche muss ihr Image aufpeppen. Attraktive Arbeitgeber haben kein Problem, Personal zu finden!“, versichert Tusch.

ArbeitnehmerInnen nicht weiter auspressen

Kein Verständnis zeigt Tusch für den gebetsmühlenartigen Ruf nach noch mehr Flexibilisierung der Arbeitszeit. „Was die Beschäftigten am wenigsten brauchen sind Blockarbeitszeiten von zehn Tagen wie sie Gerber vorschweben. Erschöpfte und demotivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind kein Rezept, um wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Die Menschen brauchen Ruhezeiten und Erholung“, ist der vida-Gewerkschafter überzeugt. Viele Betriebe hätten das bereits erkannt, dass 6-Tage-Wochen ihre Beschäftigten zu stark belasten und hätten sich davon wieder verabschiedet, so Tusch.

Dienstplansicherheit gefragt

„Leider sind viele Betriebe immer noch nicht beziehungsfähig“, bedauert Tusch. Es braucht Planbarkeit in den Dienstplänen und nicht Dienst auf Abruf. „Viele Arbeitgeber fordern ein Maximum und geben ein Minimum", sagt Tusch. Gerade junge Menschen, die vielleicht eine Familie gründen oder einfach ihre sozialen Kontakte pflegen wollen, werden durch diese volatilen Dienste abgeschreckt. „Viele wissen heute oft nicht, ob und wie sie morgen Dienst haben. Dass die Branche vielen  Schwankungen unterworfen ist, ist mir bewusst. Dieses Risiko darf aber nicht nur dem Personal umgehängt werden, sondern es bedarf einer entsprechenden Dienstplangestaltung und Personaldecke“, fordert der vida-Gewerkschafter.

Ausbildung weiter optimieren, nicht verkürzen

Scharfe Kritik übt Tusch am Vorschlag Gerbers, die Ausbildung zum Restaurantfachmann verkürzen zu wollen. „Das ist eine glatte Abwertung des Berufs. Lehrlinge verdienen Zeit und Aufmerksamkeit ihrer Ausbildner. Mit ihren Leistungen sind sie die Gastgeber von morgen. Unsere Nachwuchskräfte punkten mit Verlässlichkeit, Genauigkeit und höchster Kompetenz. Das stellen sie auch Jahr für Jahr bei Wettbewerben unter Beweis“, betont Tusch. Der Gewerkschafter verweist zudem darauf, dass „es der falsche Weg ist, die Lehre verkürzen zu wollen, wo wir gerade eine Anpassung der Berufsschulzeit auf 1.260 Stunden erreicht haben.“

Wer Qualität bietet, kennt keine Personalprobleme

„Die Wirtschaftskammer wäre gut beraten, Antworten zu finden für die Vielzahl an Betrieben, die Unterstützung brauchen. Es ist höchste Zeit, die Branche nachhaltig zu verändern“, steht für Tusch außer Frage. Viele Unternehmer haben die Zeichen der Zeit erkannt und bereits die richtigen Weichen gestellt. Erst vergangene Woche hat ein Gmundner Hotelier sein Erfolgsrezept verraten: „Gute Arbeit, gerechten Lohn und gutes Betriebsklima“. Personalprobleme sind ihm fremd. „Das ist der richtige Weg für eine Branche, in der man eine nachhaltige berufliche Zukunft findet. Um diese zu erreichen, sind wir für konstruktive Gespräche und Verhandlungen stets bereit!“, so Tusch abschließend.

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