|
Gleiches Einkommen für gleichwertige Arbeit! Um diesem ambitionierten Ziel näher zu kommen, bedarf es einiger essentieller Rahmenbedingungen.
Als Gewerkschafterinnen fordern wir daher:
- EQUAL PAY = 26,2 % mehr Einkommen für Frauen.
- Die Einführung eines Mindestlohnes/-gehalts von EUR 1.300,- Brutto monatlich, um der hohen Armutsgefährdung von Frauen entgegenzuwirken.
- Einkommenstransparenz im Betrieb - erst wenn Frau weiß, was Mann verdient, kann sie ihr Einkommen auf Gleichwertigkeit überprüfen.
- Neue Formen der Arbeitsbewertung - gleichwertige Arbeit muss auch gleich entlohnt werden.
- Einen Lohn- und Gehaltsrechner - damit Frauen wissen, was die branchenübliche Entlohnung für die verschiedenen Berufe und Tätigkeiten ist.
Entgeltdiskriminierung schadet nicht nur Frauen
Frauen haben das ökonomische Wachstum des Europäischen Wirschaftsraumes und die Wohlstandsentwicklung in Europa durch ihre Arbeitsleistung mitgeprägt und entscheidend forciert. Ihr Potential ist unverzichtbar für die sozioökonomische Entwicklung unserer Gesellschaften. Ein Umstand, der sich für die Frauen selbst weder in der Entlohnung noch in den Karrierechancen widerspiegelt. Es gilt, sich endlich von dem Gedanken zu verabschieden, dass die diskriminierende Unterbewertung der weiblichen Arbeitsleistung nur eine branchenabhängige Ausnahmeerscheinung in Niedriglohnsektoren ist und dass daraus nur individuelle Konsequenzen für die betroffenen Frauen resultieren.
Die Folgen sind viel weitreichender und erstrecken sich nicht "nur" auf einen niedrigeren Lebensstandard, die überproportionale Armutsgefährdung und eine schlechte Altersversorgung. Die geringen Einkommen der Frauen beeinflussen genauso das verfügbare Haushaltseinkommen von Familien, den Konsum und folglich auch Wachstum und Beschäftigung. Folglich könnte die Beseitigung der Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern die gesamtwirtschaftliche Rentabilität nachhaltig steigern. Die bestmögliche Nutzung menschlicher Ressourcen sowie eine daraus resultierende Steigerung der Produktivität und Optimierung der Wettbewerbsfähigkeit sind kapitalistische Grundprinzipien - umso überraschender, dass diese betriebswirtschaftlichen Leitmotive ihre Gültigkeit verlieren, wenn es sich um weibliche Arbeitsleistung handelt.
Ein zusätzlich verdienter Euro erhöht die marginale Konsumneigung um einen beträchtlichen Anteil. Wenn von jedem Euro zusätzlichem Einkommen erwartungsgemäß rund 60 Cent in den Konsum fließen, ist ein beträchtlicher Nachfrageanstieg zu erwarten, der, beeinflusst durch den Multiplikatoreffekt, wiederum positive gesamtwirtschaftliche Impulse setzt. Genauso erhöht ein größeres Einkommen auch die Lohnsteuerpflicht, was zu höheren Steuereinnahmen führt, und ermöglicht eine anteilsmäßig höhere Sparneigung - ob für private Investitionen, Rücklagenbildung oder Altersvorsorge.
Diese unzureichende Nutzung des weiblichen Arbeitskräftepotentials stellt eine verlorene Ressource dar, sowohl für den Wirtschaftsstandort Österreich als auch für die Gesellschaft. Um die Gegebenheiten nachhaltig zu ändern, reicht es nicht, die Thematik einmal jährlich im Zuge des Weltfrauentags zu streifen. Die Ursachen, Folgen und Lösungsansätze für Entgeltdiskriminierung, fehlende gesellschaftliche Gleichstellung und traditionelle Rollenbilder müssen einer öffentlichen Diskussion unterworfen werden, um eine kontinuierliche Auseinandersetzung in der Bevölkerung zu bewirken und den Sensibilisierungsprozess erfolgreich zu forcieren.
Equal Pay Day- Auftakt zur Veranstaltungsreihe "Heißer Herbst" der ÖGB-Frauen
Der Equal Pay Day bildet den Auftakt zur Veranstaltungsreihe "HEISSER HERBST", ein über mehrere Wochen laufendes vielfältiges Programm mit bundesweiten Pressekonferenzen, Verteilaktionen in Betrieben und Veranstaltungen. Mit medialer Unterstützung wollen die Gewerkschafterinnen im Rahmen des Heißen Herbstes auf aktuelle Entwicklungen aufmerksam machen sowie informieren und sensibilisieren. Im Mittelpunkt stehen brisante frauenpolitische Themen, wobei der Equal Pay Day, Einkommensunterschiede und Arbeitsbewertung zentrale Schwerpunkte bilden.
Mehr zum "Heißen Herbst": Veranstaltungstipps
Datum:
08.09.2009
|