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Ehrengrab von Anton Hueber enthüllt

Der „vergessene“ Pionier der Gewerkschaftsbewegung

Am Friedhof Hütteldorf gab es heute, 17. April, Grund zu feiern. Im Rahmen eines kleinen Festaktes wurde Anton Hueber (1861-1935), einem der Gründerväter der modernen Gewerkschaftsbewegung gedacht. Außerdem wurde sein Ehrengrab enthüllt, das im Rahmen eines Wettbewerbs von Steinmetzlehrlingen gestaltet wurde.

Außergewöhnliche Persönlichkeit
ÖGB-Präsident Erich Foglar würdigte Hueber als "außergewöhnliche Persönlichkeit, der es mit Durchhaltevermögen und Härte gelungen ist die Gewerkschaft zu einen. Darum freut es mich als Penzinger ganz besonders, dass wir diesem Pionier und Wegbereiter hier am Hütteldorfer Friedhof jetzt ein Denkmal setzen konnten". Auch die Besonderheit des Grabsteines, "als Mahnmal und Beispiel von Handwerkskunst, die die Steinmetzlehrlinge an den Tag legten", wurde von Foglar hervorgehoben.

Harte Lehrjahre
Der Vorsitzende der Bau-Holz Gewerkschaft, Beppo Muchitsch betonte, welch starken Einfluss Huebers Lehrjahre als Drechsler auf ihn hatten: "Damals waren die Lehrjahre wirklich hart. Auch Hueber erfuhr Schläge und Erniedrigung durch seinen Lehrherren. Diese Erfahrungen haben zu seinem Engagement für die Gewerkschaftsbewegung wesentlich beigetragen. Mit dem Grabstein schließt sich der Kreis vom Lehrling Hueber zu den Lehrlingen der Landesberufsschule Schrems, die seine letzte Ruhestätte entworfen und ausgeführt haben", so Muchitsch.

Gelebte Geschichte
"Antriebsfeder" der Wiedererrichtung der schon verfallenen Grabstätte Huebers, war Sabine Letz, Leiterin des ÖGB-Referats für Bildung, Freizeit, Kultur. "Durch dieses Projekt konnten die Lehrlinge einen ganz neuen Bildungszugang erfahren und sich über die Person Hueber mit einem denkwürdigen Kapitel österreichischer Geschichte auseinandersetzen. Sowohl die Zusammenarbeit mit der Berufsschule als auch die mit der Stadt Wien, verlief ausgesprochen konstruktiv", so Letz.

Antifaschistisches Mahnmal
Der Anton Hueber Biograph, Marcus Strohmeier, Leiter des Internationalen Referats im ÖGB, verwies auf den Waldviertler Granit, aus dem der Grabstein besteht, denn "auch Huber war hart wie Granit, wenn es notwendig war".

Strohmeier erinnerte an die historische Dimension von Huebers Grabstätte. Hueber starb 1935 unter Hausarrest. In der Zeit des Austrofaschismus waren die Gewerkschaften verboten - auch die Teilnahme an Huebers Beerdigung war untersagt. "Es gelang trotzdem hunderten ArbeiterInnen zum Hütteldorfer Friedhof zu kommen. Einige wurden direkt an Huebers Grab verhaftet. Hueber war ein Visionär und ein Modernist. Seine Beerdigung wurde zur antifaschistischen Demonstration. Die GewerkschafterInnen gelobten an seiner Bahre, sein Werk fortzuführen, und sein Werk ist tatsächlich auferstanden und wird bis heute weitergeführt".

Anton Hueber (1861-1935) - Biographie
Anton Hueber stammte aus ärmlichen Verhältnissen und musste bereits als Schulkind auf Baustellen arbeiten. In Wien lernte er das Drechslerhandwerk und schloss sich der sozial-demokratischen Bewegung an. Bald begann er seine Arbeitskollegen gewerkschaftlich zu organisieren und wurde zum führenden Vorkämpfer für die Zusammenführung der vielen kleinen Fachgewerkschaften. 1895 wurde Anton Hueber zum leitenden Sekretär der zwei Jahre zuvor gegründeten Gewerkschaftskommission gewählt. Die in der Gewerkschaftskommission zusammengefassten Organisationen hatten zum damaligen Zeitpunkt knapp 100.000 Mitglieder; 1907 waren es bereits fünfmal so viele!

Im Ersten Weltkrieg setzte sich Hueber für die Sicherung der gewerkschaftlichen Rechte ein und bemühte sich um die Aufrechterhaltung der Kontakte zu den französischen und italienischen Gewerkschaften, um auf eine baldige Beendigung des Krieges hinzuwirken.

Von 1919 bis 1920 war Anton Hueber Mitglied der Konstituierenden Nationalversammlung, von 1920 bis 1930 Abgeordneter zum Nationalrat und danach bis 1932 Mitglied des Bundesrates.

1928 war Hueber wiederum entscheidend daran beteiligt, dass aus
der noch losen Zusammenfassung von "freien" Einzelgewerkschaften
der Bund der Freien Gewerkschaften Österreichs gebildet wurde, der ihn zu seinem Vorsitzenden wählte. Als Gewerkschaftsführer setzte sich Hueber besonders für den Abschluss von Kollektivverträgen ein, wirkte mit Ferdinand Hanusch am Ausbau der ArbeiterInnenschutzgesetzgebung mit und hatte maßgeblichen Anteil an der sozialpolitischen Gesetzgebung und an den großen Arbeitskämpfen in der Ersten Republik.

Das Gewerkschaftsschulungsheim Anton-Hueber-Haus in Hadersdorf-Weidlingau und der in den Jahren 1930/31 nach Plänen von Heinrich Schopper und Alfred Chalusch errichtete Hueberhof, 10., Quellenstraße 24b, wurden nach dem Gewerkschaftspionier benannt.

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