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ÖGB - Österreichischer Gewerkschaftsbund

Welttag gegen Rassismus

GewerkschafterInnen Susanne Haslinger und Franz Koskarti im Gespräch

oegb.at hat anlässlich des Welttages gegen Rassismus am 21. März 2019 zwei ExpertInnen zum Gespräch gebeten: Susanne Haslinger, Rechtsexpertin der Gewerkschaft PRO-GE, und Franz Koskarti, Betriebsrat in der Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK), die sich beide bei den GewerkschafterInnen gegen Rassismus und Sozialabbau engagieren.

Danke, dass ihr euch heute die Zeit genommen habt, mit uns zu sprechen. Wie seht ihr die aktuelle Situation in Österreich anlässlich des Welttages gegen Rassismus?

Haslinger: Um ein ganz aktuelles Beispiel aufzugreifen, erst dieser Tage hat die Sozialministerin verkündet, dass sie anerkannte Flüchtlinge zur Arbeit in der Landwirtschaft verpflichten will. Dieser Vorstoß sagt schon ganz viel aus. Zwangsarbeit ist menschenverachtend und hat historisch eine eindeutige Ecke. Da gibt es eine Gruppe Menschen, die sich nicht wehren kann, mit denen kann man es ja machen. Da hat man die Hoffnung, der Rest der Menschen stimmt zu, weil es ja „nur“ die Flüchtlinge sind. Und das von einer Ministerin, die eigentlich zum Schutz der ArbeiterInnen in der Landwirtschaft da wäre.

Koskarti: Die Rechtspopulisten haben in Österreich dank einer gezielt eingesetzten Spaltungspolitik eindeutig Aufwind. Das ist allerdings kein allein österreichisches Phänomen, sondern ein weltweites. Ich sehe da eindeutige Interessenskonflikte zwischen Arbeit und Kapital, die eigentlich immer schon bestehen. Das aktuelle Ziel bzw. die zentrale Frage ist: Wie kann der Faktor Arbeit richtig ausquetscht werden. Sozialleistungen werden gekürzt und der Sozialstaat zurückgedrängt, Ängste werden geschürt und Unterschiede gestärkt. Dadurch werden Feindbilder geschaffen und schlussendlich entsteht Rassismus. Das war in der Vergangenheit bereits so und ist auch leider heute noch so.

Was sind eurer Meinung nach die konkreten Folgen von Rassismus und Ausländerfeindlichkeit für ArbeitnehmerInnen und Gewerkschaft?

Koskarti: Die Folge ist eine Entsolidarisierung und Entdemokratisierung der Gesellschaft. Eigentlich haben wir als ArbeitnehmerInnen mehr gemeinsam mit einem Bergarbeiter aus Bolivien oder Anatolien, als mit reichen UnternehmerInnen. Aber wir fühlen uns nicht solidarisch. Durch künstlich erzeugte Angst werden die unterschiedlichen Gruppen gegeneinander ausgespielt und einfache Lösungen angeboten. Das ist nur gut für den, der die Angst erzeugt.

Haslinger: Die Spaltungspolitik soll meiner Meinung nach verschleiern, dass den Menschen scheibchenweise die soziale Sicherheit genommen wird. Grundrechte und Demokratie werden abgebaut und es scheint niemand zu merken. Öffentliche Debatten gibt es in erster Linie über Migration und AusländerInnen und im Hintergrund läuft ungestört ein Demontageprojekt. Wahrscheinlich gar nicht aus Menschenhass oder Bösartigkeit heraus, sondern weil ein paar Einzelne daran richtig gut verdienen.

Was können Strategien gegen Rassismus sein? Was kann jede und jeder Einzelne von uns beitragen?

Haslinger: Ganz klar, aufstehen, wenn man Rassismus im Alltag mitbekommt. Wenn in der U-Bahn beispielsweise jemand angepöbelt wird, einschreiten und nicht wegschauen! Wenn jemand einen rassistischen Witz erzählt, aufmerksam machen, dass das nicht lustig ist. Die andere Dimension ist die politische. Man muss ganz viel aufklären und den Leuten klar machen, dass der Gegner nicht neben ihnen sitzt, sondern über ihnen. Wir müssen zusammen gegen Rassismus kämpfen, statt uns auseinanderdividieren zu lassen.

Koskarti: Jeder einzelne kann gegen Rassismus auftreten, wenn er die Möglichkeit hat. Es ist natürlich nicht immer einfach gegenzuhalten, wenn sich die öffentliche Meinung wandelt. Die organisierte ArbeiterInnenbewegung muss jedenfalls tiefere und schärfere Akzente setzen als bisher und die wirklichen Probleme ansprechen, die die Menschen beschäftigen. Die eigentlichen Probleme sind ja nicht die Syrer oder Afghanen, sondern, dass Vermögen ungerecht verteilt ist, die Lohnquote sinkt und der Sozialstaat zurückgedrängt wird.

oegb.at bedankt sich für das Gespräch!
 

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