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Arbeiten in England, leben in den Niederlanden, studieren in Frankreich oder ein Praktikum in Italien: Ein vereintes Europa macht das und noch vieles mehr möglich Dagmar O., Europäerin aus Leidenschaft

Ein Europa, das verbindet

Arbeiten in England, leben in den Niederlanden, studieren in Frankreich oder ein Praktikum in Italien: Ein vereintes Europa macht das und noch vieles mehr möglich

Noch nie in der Geschichte Europas war es so einfach, zu reisen, frei zu entscheiden, in welchem Land man seine Ausbildung machen möchte, wo man arbeiten oder leben will.

Osman A., 25, ist gelernter Kfz-Techniker, in Bregenz aufgewachsen und mit zehn Jahren nach Wien gezogen. Im Rahmen seiner Lehrausbildung erfuhr er, dass auch Lehrlinge am Erasmus-Programm teilnehmen können. Im Mai 2016 machte er dann einen Monat lang ein Praktikum in einer Mailänder Werkstatt. „Ich konnte zwar nicht gut Italienisch und die Arbeitskollegen nicht Deutsch oder Englisch, aber irgendwie konnten wir uns verständigen, das Arbeiten hat funktioniert. Wenn man will, dann geht das.“ Die Erfahrung könne man als Tourist nie machen, ist er überzeugt. „Wenn man dort arbeitet, bekommt man auch mit, was die Menschen dort beschäftigt. In Mailand sind das zum Beispiel die hohen Mieten. Das fördert die Empathie und erweitert den Horizont, weil man andere Realitäten kennt als nur die im eigenen Dorf oder Bezirk.“

Vor und nach dem EU-Beitritt

Auch Monika P., 61, hat es bereits in jungen Jahren ins Ausland gezogen. In Wien hat sie ihre Ausbildung für Informatik und Rechentechnik absolviert und mehrere Jahre in der Privatwirtschaft gearbeitet. Nachdem sie eine Zeit lang mit einer Informatik-Software-Firma selbstständig gewesen war, arbeitete sie in der Schweiz, in Slowenien, Deutschland und Südafrika, bevor es sie Anfang der 1990er-Jahre nach England verschlug. „Eine fixe Anstellung war damals eigentlich unmöglich. Ich habe also zuerst nur mit Projektaufträgen gearbeitet oder wurde von einer österreichischen Firma entsendet, und das war schon ziemlich schwierig“, erzählt die Wienerin.

Mit dem Beitritt Österreichs zur Europäischen Union 1995 wurde aber vieles einfacher. „Die Firma, für die ich arbeitete, hat Kassensysteme installiert. Vor dem Beitritt zur EU war dazu jede Menge Papierkram notwendig, danach reichte ein einfaches Formular. Mit dem Brexit werden sich solche Dinge wieder massiv ändern“, befürchtet sie. „Es bricht schon ein bisschen Panik aus, dass dann Fachkräfte fehlen werden, und der Handel fürchtet sich vor Zöllen.“

2002 wurde Monika bei einer englischen Firma angestellt. Seither lebt sie in der Nähe von Cambridge, 90 Kilometer nördlich von London. Nicht angestellt zu sein, war für sie schwierig, vor allem wegen ihrer zwei Kinder und weil die Konstanz fehlte. Die Vorteile einer Europäischen Union sieht sie neben der Freizügigkeit – das Recht, innerhalb der EU dort zu leben und zu arbeiten, wo man möchte – auch in der Bildung und im Wissenstransfer, der durch die Union viel weitgreifender geworden ist. „Woanders zu studieren oder zu arbeiten, war davor ein unmögliches Traumziel“, so die Wahlengländerin.

„Europa ist meine Heimat“

Hürden wie diese sind Weltenbummlerin Dagmar O. unbekannt: Die 31-Jährige ist in Deutschland aufgewachsen, ihre Eltern kommen aus Polen, studiert hat sie European Studies in den Niederlanden und Bulgarien sowie European Politics in Tschechien, danach hat sie ein Traineeship in der Europäischen Kommission in Brüssel absolviert. Nun lebt und arbeitet die waschechte Europäerin seit rund fünf Jahren in Wien. „Ich fühle mich in ganz Europa zu Hause, fühle mich nicht als Deutsche, Polin oder Österreicherin. Mit Europa kann ich mich am besten identifizieren. Europa ist mein Zuhause, meine Heimat“, erzählt sie. Das gilt auch für rund drei Viertel der ÖsterreicherInnen – so viele fühlen sich laut Eurobarometer 2018 als BürgerInnen der Europäischen Union.

Mehr Freiheit dank Schengen

Dank Schengener Abkommen können sich alle EU-BürgerInnen genauso wie TouristInnen aus Drittsaaten innerhalb der EU frei bewegen, ohne Grenzkontrollen unterzogen zu werden. Das machte es Dagmar auch einfach, in vielen verschiedenen Orten Europas zu leben, zu arbeiten und zu studieren. Der Schengen-Raum ist somit einer der größten Errungenschaften der EU. Dagmar ist überzeugt, ohne die EU würde ihr Leben nicht funktionieren und ganz anders aussehen. Ohne die Möglichkeit, in einem anderen EU-Land zu studieren, hätte sie womöglich auch nicht ihren zukünftigen Mann, einen Tschechen, der wie Dagmar auch in Sofia Erasmus gemacht hat, kennengelernt. Er lebt und arbeitet ebenfalls seit ein paar Jahren in Wien.

Insgesamt leben etwa 513 Millionen Menschen in Ländern der Europäischen Union, nach Angaben der EU-Kommission davon 17 Millionen Menschen in einem anderen Mitgliedstaat. Jedes Jahr zieht eine Million Menschen ins EU-Ausland, während 680.000 in die Heimat zurückkehren. In Österreich sind ca. 390.000 Menschen aus anderen EU-Mitgliedstaaten beschäftigt. Mehr als 14.000 ÖsterreicherInnen haben 2018 über das Austauschprogramm Erasmus+ in einem anderen EU-Land studiert oder ein Berufspraktikum absolviert.

Freundschaften fürs Leben

In einem anderen EU-Land zu studieren, ist kein großer Aufwand mehr. Ein paar Formulare zur Anmeldung und los geht’s. Radovan , 24, war innerhalb seines Journalismus-Studiums ein Semester in Nancy, Frankreich. Sein Ziel war vor allem, die Sprache zu lernen. Aber auch für die Karriere ist ein Erasmus-Aufenthalt förderlich. „Eine Studienkollegin ist nach Paris gegangen und schreibt dort jetzt für ein Modemagazin“, berichtet der Wiener, der sich bei seinem Erasmus-Aufenthalt auch ein internationales Netzwerk aufgebaut hat. „Wenn ich etwas über Frankreich schreiben muss, dann ruf ich einfach Freunde aus Nancy an und frage, ob sie mir erklären können, was ich wissen will.“

Der Abstand zum eigenen Land, ermöglicht einen anderen Blickwinkel, darüber sind sich alle vier einig. Aber auch darüber, dass in Europa noch vieles getan und noch vieles sozialer werden muss. Aber eines ist klar: Nur ein Europa, das verbindet, ist ein Europa der Zukunft.

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