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ÖGB - Österreichischer Gewerkschaftsbund

Kollektivverträge: Österreich ist Weltmeister

Österreich hat die höchste Quote an ArbeitnehmerInnen mit Kollektivvertrag. Warum ist das so?

Nirgends haben so viele Menschen einen Kollektivvertrag wie in Österreich.

Mit der Forderung nach mehr Tarifbindung hat die IG Metall ihren 24. ordentlichen Gewerkschaftstag in Nürnberg eröffnet. Die stellvertretende Vorsitzende Christiane Benner forderte die Industriebetriebe auf, sich wieder stärker in Tarifgefüge zu begeben, um Herausforderungen gemeinsam mit den Gewerkschaften zu lösen. Der deutsche Arbeitsminister Hubertus Heil betonte in seiner Rede, dass die größten Probleme in der Arbeitswelt dort existieren, wo es keine Tarifbindung gibt.

In Deutschland haben weniger als 60 Prozent der ArbeitnehmerInnen einen Tarifvertag (in Österreich: Kollektivvertrag). In Österreich hingegen gilt für so gut wie alle ArbeitnehmerInnen ein Kollektivvertag. Laut OECD sind es 98 Prozent – Weltspitze. Was das für die ArbeitnehmerInnen bedeutet, hat sich oegb.at angeschaut.

Was ist ein Kollektivvertrag (KV)?
Das ist eine Vereinbarung, die von den Gewerkschaften mit den VertreterInnen der Arbeitgeber verhandelt werden. Ein KV gilt für alle und sorgt für faire Arbeitsbedingungen und gerechte Löhne und Gehälter.

Was haben die ArbeitnehmerInnen vom KV?
In den KV-Verhandlungen, auch Lohnrunden genannt, werden die jährlichen Lohn-/Gehaltserhöhungen verhandelt. Aber auch viele Regeln, die besser sind als vom Gesetz vorgegeben, zum Beispiel: längere Lohnfortzahlung im Krankenstand. Nicht zu vergessen: Auch Urlaubs- und Weihnachtsgeld sind im KV geregelt, deshalb bekommen es hierzulande fast alle. Um wieder Deutschland als Vergleich heranzuziehen: Dort bekommt jede/r zweite Beschäftigte gar kein Urlaubsgeld.

Wieso bekommen so viele Deutsche kein Urlaubsgeld?
Ob ein Beschäftigter in Deutschland Urlaubsgeld erhält oder nicht, ist von mehreren Faktoren abhängig. „Mit Abstand am wichtigsten ist die Frage, ob im Unternehmen ein Tarifvertrag gilt“, sagt der Leiter des WSI-Tarifarchivs der Hans-Böckler-Stiftung, Thorsten Schulten. Ein Tarifvertrag ist die deutsche Entsprechung zum österreichischen Kollektivvertrag. ArbeitnehmerInnen mit Tarifvertrag erhalten zu 69 Prozent Urlaubsgeld, jene ohne Tarifvertrag nur zu 36 Prozent. Hätten also mehr Deutsche einen Tarifvertrag, dann hätten sie wohl auch mehr Urlaubsgeld.

Warum haben in Österreich viel mehr ArbeitnehmerInnen einen KV?
Das liegt daran, dass es in Österreich eine gesetzliche Mitgliedschaft in den Kammern gibt. Deshalb können Arbeitgeber nicht einfach aus dem Kollektivvertrag austreten. Anders sieht es in Deutschland aus: Wenn ein Unternehmen den Tariflohn oder das Urlaubsgeld nicht mehr zahlen will, muss es nur aus dem Tarifvertrag austreten.

Ein weiterer Grund, warum in Österreich fast alle ArbeitnehmerInnen einen Kollektivvertrag haben, ist die „Außenseiterwirkung“: Der KV gilt für alle ArbeitnehmerInnen, nicht nur für diejenigen, die Mitglied in der Gewerkschaft sind, die ihn verhandelt hat. In Deutschland gilt er hingegen nur für Mitglieder.

Warum soll man dann trotzdem Gewerkschaftsmitglied sein?
Obwohl der KV in Österreich auch für Nicht-Mitglieder gilt, ist klar: je mehr Mitglieder, desto stärker die Verhandlungsbasis der Gewerkschaften. Mehr Mitglieder, bessere Arbeitsbedingungen, höhere Lohn-/Gehaltsabschlüsse. Jetzt Mitglied werden.
 

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