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"Wie in den 50er-Jahren"

Wie Österreichs Mütter das Corona-Homeschooling erlebt haben

Die Schulen haben seit 18. Mai in ganz Österreich wieder geöffnet, damit kehrt ein kleines Stück Alltag und Normalität in das Leben der meisten Familien zurück. Aber wie haben Mütter und Kinder die letzten Monate im Ausnahmezustand erlebt? oegb.at hat nachgefragt. 

Evelyn und ihr Mann leben in einem kleinen Ort in Osttirol und haben zwei schulpflichtige Kinder unter 14 Jahren. Nachdem Evelyn ihren Job in einem kleinen Betrieb nicht von zuhause aus erledigen konnte, war sie nun wochenlang in Kurzarbeit. Ihre Arbeitszeit hat sie zunächst auf null reduziert. Während der Mann weiterhin zur Arbeit außer Haus ging, übernahm Evelyn das Homeschooling mit ihren Kindern.

„Am Anfang waren die Kinder begeistert – Schule mit Mama als Lehrerin zu Hause, das kann doch nur lustig werden“, erzählt die Tirolerin. Aber nach ein paar Wochen wurde die Frustration immer größer. „Die Autorität des Lehrers fehlte vollkommen, mit Mama kann man ja verhandeln, oder es zumindest bei jeder Aufgabe aufs Neue  versuchen“, so Evelyn.

Dass sie nicht draußen mit ihren Freunden spielen konnten, kam erschwerend dazu. „Die Kinder sind immer mehr vereinsamt, ohne den sozialen Kontakt mit Gleichaltrigen, auch wenn wir als Familie versucht haben, das auszugleichen“, berichtet sie. Ihr Sohn hätte nach dem ersten Tag zurück in der Schule zur ihr gesagt, es gehe ihm das erste Mal seit langem wieder gut, wenn er seine KlassenkollegInnen wieder sehen kann. 

„Am Anfang waren die Kinder begeistert – aber nach ein paar Wochen wurde die Frustration immer größer.“ Evelyn

Für Astrid K. waren die letzten Wochen ebenfalls nicht leicht. Während sie zu Hause als Alleinerzieherin mit ihrer 8-jährigen Tochter lernte, war sie gleichzeitig als Betriebsrätin damit beschäftigt, ihren Arbeitgeber in der holzverarbeitenden Industrie von den Vorteilen der Kurzarbeit zu überzeugen. Ihr anderer Sohn, der gerade eine Lehre macht, wurde ebenfalls in Kurzarbeit geschickt.

„Ich kämpfte sehr oft mit Sorgen und Ängsten. Ich habe mir nicht nur Gedanken um meine Kinder und unsere Existenz gemacht, sondern auch um meine ArbeitskollegInnen. Diese Sorgen möchte ich eigentlich nicht vor meinen Kindern zeigen. Denn auch für sie war die Situation alles andere als leicht“, so Astrid.

„Ich habe mir nicht nur Gedanken um meine Kinder und unsere Existenz gemacht, sondern als Betriebsrätin auch um meine KollegInnen", so Astrid.

Um gemeinsam mit ihren Kindern einen halbwegs erträglichen Tagesrhythmus zu finden, haben sie die Zeit aktiv genutzt, um zusammen zu kochen, Rad zu fahren oder Filme zu schauen. „Ich habe versucht, etwas Normalität in unser Leben zu bringen“, erzählt sie.

Vera wohnt mit ihrer Familie in Tirol. Auch sie und ihr Mann  mussten sich über Wochen zu Hause um zwei Kinder unter 14 kümmern. „Beide Kinder haben in den letzten zwei Monaten ständige Betreuung von mindestens einem Elternteil gebraucht. Parallel im Homeoffice zu arbeiten, war in unserem Fall so gut wie unmöglich“, berichtet Vera. Die Kinder waren mit dem Homeschooling überfordert und haben viel Aufmerksamkeit und Unterstützung gebraucht: „Beide Kinder haben immer wieder geweint – teils aus Überforderung oder aus Frustration.“

Als Elternsprecherin hat Vera auch immer wieder Feedback anderer Eltern eingeholt. „Meine Familie hatte zum Glück die finanziellen Mittel, um sich die Arbeit aufzuteilen – viele haben diese Möglichkeit leider nicht. Man muss sich auch eingestehen können, dass man Hilfe braucht“, erzählt sie. 

„Man muss sich auch eingestehen können, dass man Hilfe braucht.“ Vera

Astrid S. und ihr Mann, Eltern von zwei Unterstufen-SchülerInnen, waren beide seit Anfang April in Kurzarbeit. „Die ersten Wochen kann man als Lernphase für uns alle bezeichnen – wir hatten viel Ups und Downs. Jetzt läuft es mal richtig gut, an anderen Tag richtig bescheiden“, so Astrid.

„Die Frau ist daheim, der Mann in der Arbeit. Manchmal denke ich, es ist wie in den 1950er Jahren“ , so Astrid.

Während sie versucht, neben dem Homeschooling im Homeoffice zu arbeiten, arbeitet ihr Mann meist außer Haus, da es sonst für alle eine zu große nervliche Belastung wäre. „Ich bin es, die das System am Laufen gehalten hat. Die Frau ist daheim, der Mann in der Arbeit. Manchmal denke ich, es ist wie in den 50er-Jahren. Irgendwas rebelliert dann ganz fest in mir“, beschreibt Astrid.

Um Mütter zu entlasten und Kinder zu unterstützen, fordert ÖGB-Vizepräsidentin und -Frauenvorsitzende Korinna Schumann eine flächendeckende und kostengünstige Ferienbetreuung für alle.

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