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Die psychische Krise

Die Corona-Krise verlangt Menschen seelisch viel ab. Deshalb sind jetzt mehr Psychotherapie-Plätze notwendig

Die Einschränkung sozialer Kontakte, beruflicher Druck und finanzielle Sorgen, sowie Spannungen innerhalb der Familie wirken sich stark auf die Psyche aus. Besonders betroffen sind Kinder- und Jugendliche. Die Beratungsstelle “Rat auf Draht” verzeichnete allein im April um ein Drittel mehr Telefonanfragen als noch im Vorjahr zur selben Zeit. Auch im zuletzt ausgebauten Chat-Bereich wurden um 82 Prozent mehr Kinder- und Jugendliche beraten.

Während klassische Teenager-Sorgen wie die erste Liebe, Streit mit Freunden oder Taschengeld zusehends in den Hintergrund rücken, machten sich viele Kinder auch Sorgen um sich selbst oder ihre Familie sich mit dem Coronavirus anzustecken. Auch Zukunftsängste hinsichtlich der Schule, der Jobaussichten oder der beruflichen Situation der Eltern stellen ein Problem dar.

Depressive Symptome vervierfacht

Das es vielen Erwachsenen auch so geht, bestätigt eine Studie der Donau Uni Krems. Durch die Krise hat sich die Häufigkeit depressiver Symptome in Österreich vervielfacht. Es ist wichtig, das Psychotherapie-Angebot auszubauen, fordert Andreas Huss, stellvertretender Obmann der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK), im ORF-Morgenjournal. Huss kündigte für Juni einen Antrag für 20.000 zusätzliche Plätze auf Kassenkosten an.

Die Lage ist derzeit unübersichtlich: Es gibt Stunden-Kontingente und Zuzahlungen für Stunden außerhalb des Kontingents, je nach Bundesland sind diese unterschiedlich hoch. Dies würde etwas Mehrkosten von 15 Millionen ausmachen, rechnet Huss vor. Diese haltet er für leistbar, "weil auf der anderen Seite ja auch wieder Einsparungen stehen". Dabei spricht er die Ausgaben für Medikamente oder Frühpensionen an. In allen Bundesländern soll es Clearing-Stellen geben, wie jetzt etwa in Nieder- und Oberösterreich. Nach Überweisung durch den Hausarzt erhalten Patienten dort einen Vorschlag für einen Therapieplatz.

Kinder besonders betroffen

Das Kinder betroffen sind, kann auch Peter Stippl, Präsident des Bundesverbandes für Psychotherapie (ÖBVP) bestätigen: "Auch von der UNO wurde eine ähnliche Studie, wie in Krems gemacht, speziell für Kinder. Bei Kindern ist das Gefühl der Einsamkeit, Nervosität, Ruhelosigkeit, Reizbarkeit um etwa 30 Prozent gestiegen, Konzentrationsschwierigkeiten sogar um mehr als 70 Prozent." Bislang habe sich die Politik um akute Probleme gekümmert, jetzt müsse man an die Zukunft denken: “Wir brauchen eine nachhaltige Finanzierung von ausreichend Psychotherapieplätzen“. 

Plätze nur für 0,8 Prozent der Bevölkerung

Laut Strippl gibt es zurzeit gerade mal für 0,8 Prozent der Bevölkerung krankenkassenfinanzierte Psychotherapie. Der Rest muss entweder lange warten oder tief in die eigene Tasche greifen. Etwa die Hälfte der Betroffenen würde die Psychotherapie selbst bezahlen und nur ein Drittel würden Behandlungskosten ersetzt werden. Durch diesen Mangel entwickelt sich die Corona-Krise auch zu einer psychischen Krise, unterstreicht Stippl.  

Wege aus der psychischen Krise

Doch welche Möglichkeiten könnten rasch umgesetzt werden? Beispielsweise wäre eine Ausweitung des Angebots von Therapieformen per Telefon oder Videochat, die vor allem von Jugendlichen gut angenommen werden ein Zwischenschritt. Dazu müssten diese Therapieformen aber auch zu abrechenbaren Kassenleistungen werden. Generell mangelt es an rund 70.000 kassenfinanzierten Therapieplätzen für Kinder- und Jugendliche in Österreich. Manches Bundesland muss gar ohne Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie mit Kassenvertrag auskommen.

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