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Arbeitszeitverkürzung wirkt auch in der Krise

Ein Blick auf die Geschichte beweist: ArbeitnehmerInnen und Wirtschaft profitieren zusammen von der Maßnahme

Arbeiter nach Dienstschluss im Magnesitwerk Trieben in den 1970er-Jahren
Arbeiter nach Dienstschluss im Magnesitwerk Trieben Arbeiter nach Dienstschluss im Magnesitwerk Trieben in den 1970er-Jahren

Die Pandemie hat Österreich weiter fest im Griff, vor allem der Arbeitsmarkt steckt mitten in einer historischen Krise – und eine Verbesserung ist zu Herbstbeginn nicht in Sicht. Ganz im Gegenteil. Ein Mittel dagegen: die Arbeitszeitverkürzung, die der ÖGB schon seit vielen Jahren fordert.

Immer die gleichen Gegenargumente

Bei den Gegenargumenten gibt es seit mehr als hundert Jahren keine neuen Ideen. Richtiger sind sie mit der Zeit auch nicht geworden. Die Wirtschaft würde einbrechen, dem Arbeitsmarkt bringe das nichts, vor allem in Krisenzeiten undenkbar – kurz: Es drohe eine riesige Katastrophe. „Schon bei der Forderung nach dem 8-Stunden-Tag im 19. Jahrhundert hat es geheißen, dass ist unmöglich, das bringt die Wirtschaft um”, erinnert ÖGB-Arbeitsrechtsexperte Martin Müller und analysiert: „Im Kern geht es aus meiner Sicht weniger darum, die Arbeitskraft nicht zu haben, sondern viel mehr darum, die Macht und die Kontrolle über die Arbeitszeit der Beschäftigten zu behalten.“

Arbeitszeitverkürzung in der Krise hat funktioniert

Ein nüchterner Blick auf die Zahlen zeigt aber schnell: Arbeitszeitverkürzung lässt Arbeitsplätze entstehen, die Wirtschaft wächst weiter. Und zwar auch in Krisenzeiten. „Die Arbeitszeitverkürzung ist ein ideales Instrument, um das vorhandene Arbeitsvolumen auf mehrere Menschen aufzuteilen”, hält ÖGB-Volkswirt Ernst Tüchler fest. „Vor allem angesichts der hohen Arbeitslosigkeit und des scharfen Strukturwandels, den der technische Fortschritt mit sich bringt, ist das eine alternativlose Maßnahme”, so Tüchler weiter.  

Die Arbeitszeitverkürzung der 1970er-Jahre und ihre Auswirkungen auf Arbeitsmarkt und Wirtschaft

Entwicklung in den 1970er-Jahren

Die letzte große Arbeitszeitverkürzung gab es in Österreich in den 1970er-Jahren. Von 1970 bis 1975 wurde schrittweise auf 40 Wochenstunden reduziert – obwohl ab 1973 die Ölkrise die Weltwirtschaft erschütterte; in Österreich wurden sogar die „Energieferien” eingeführt, um zu sparen. Aber: Man zog die Arbeitszeitverkürzung durch und hatte damit Erfolg: Die Zahl der Beschäftigten stieg in Österreich trotz wirtschaftlicher Herausforderungen konstant an und auch die Wirtschaft wuchs weiter. Auch die Arbeitslosenzahlen sind nach jeder Verkürzung gesunken; nur während der intensivsten Phase der Krise gab es einen kurzen und überschaubaren Anstieg, als dann aber erneut und zwar auf 40 Stunden verkürzt wurde, sank die Zahl der arbeitslosen Menschen trotz schwieriger Umstände sofort wieder.  

Übrigens: Österreich ist in der EU auf Platz zwei eines traurigen Rankings: Im Schnitt werden hierzulande 42,4 Stunden pro Woche gearbeitet. Nur Griechenland erreicht mit 43,9 Stunden einen höheren Wert, der EU-Schnitt liegt bei 40,9 Stunden.

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