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ÖGB - Österreichischer Gewerkschaftsbund

Steigende Hitze am Arbeitsplatz

Arbeitsmediziner warnt vor Unfall- und Verletzungsgefahr aufgrund der Klimakrise

Die Hitze hat dank der globalen Klimakrise auch in Österreich vergangenen Sommer ihren Höhepunkt erreicht. Die Anzahl an Tagen mit Temperaturen über 30 oder sogar über 35 Grad Celsius ist auf Rekordwert gestiegen. Der Juli 2019 war weltweit der heißeste Juli seit Beginn der Aufzeichnungen. Körper und Psyche litten unter der Extrembelastung. Oegb.at hat Dr. Erich Pospischil, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Arbeitsmedizin, gefragt, was die ansteigende Hitze für die ArbeitnehmerInnen bedeutet.

Oegb.at: Wie wirkt sich die extreme Hitze auf die Gesundheit der ArbeitnehmerInnen aus?

Pospischil: „Die große Hitze am Arbeitsplatz, oft noch kombiniert mit körperlicher Arbeit oder Schutzkleidung führt zu Dehydrierung, erhöhter Körpertemperatur und verstärkter Herz-Kreislauf-Belastung. Die Konzentrationsfähigkeit nimmt ab und die Leistungsfähigkeit ist stark eingeschränkt. Neben Schwindel, Kopfschmerzen, Verwirrtheit und Übelkeit, können auch Schwächeanfälle oder im schlimmsten Fall ein Kreislaufkollaps oder sogar ein Herzinfarkt eintreten.

Das betrifft sowohl Arbeitsplätze in Innenräumen, als auch das Arbeiten im Freien. Bei Arbeiten im Freien kann es aufgrund der direkten Sonneneinstrahlung zu einer lokalen Überhitzung des Gehirns und in weiterer Folge zu einem Sonnenstich kommen. Dazu kommt die UV-Strahlung, die Sonnenbrand oder im schlimmsten Fall langfristig auch Hautkrebs verursachen kann.

Bei großer Hitze ist selbst der nächtliche Schlaf wenig erholsam und man fühlt sich ständig müde und ausgelaugt. Vor allem gesundheitlich vorbelastetet oder ältere Personen machen sich Sorgen, wie sie die nächste Hitzewelle unbeschadet überstehen sollen. Das sorgt für Stress und löst auch Ängste bei den Betroffenen aus.

Oegb.at: Steigt dadurch auch die Unfall- und Verletzungsgefahr am Arbeitsplatz?

Pospischil: Durch die körperliche Überhitzung und den Flüssigkeitsmangel, der durch starkes Schwitzen entsteht, sinkt die kognitive Hirnleistung. Die Konzentration und auch die Reaktionsgeschwindigkeit reduzieren sich, die Fehlerhäufigkeit nimmt zu. Dadurch steigt das Risiko der Verletzungs- und Unfallgefahr.

Aktuelle Daten der AUVA unterstreichen das: Die meisten Arbeitsunfälle passieren bei größter Hitze in den Sommermonaten Juli und August. Am Bau zeigt sich das besonders deutlich, da kam es diesen Sommer sogar schon zu einem hitzebedingten Todesfall. Vor allem ab acht Arbeitsstunden nimmt die Häufigkeit und Schwere der Unfälle bei Temperaturen über 30 Grad Celsius zu.

Oegb.at Wie kann man die Gesundheit der ArbeitnehmerInnen schützen?

Pospischil: Die Arbeitgeber müssen jedenfalls bauliche, technische und organisatorische Maßnahmen setzten, um die Hitze soweit wie möglich zu reduzieren. Wichtig ist, Fenster untertags geschlossen zu halten und für ausreichend Schatten und Luftzirkulation zu sorgen. Auch genügend Flüssigkeit muss bereitgestellt werden. Bei Arbeiten im Freien gilt, wenn möglich, Arbeiten von der Mittagszeit auf den Morgen oder Abend zu verschieben.

ArbeitnehmerInnen sollten locker sitzende Kleidung tragen und auf ausreichendes Trinken achten – beim Aufenthalt im Freien zusätzlich Sonnencreme mit hohem Schutzfaktor verwenden und eine Kopfbedeckung tragen.

Grundsätzlich gilt:

Bei starker Hitze mehr Ruhepausen einlegen, um sich selbst zu schützen und Verletzungen und Unfällen vorzubeugen - auch wenn gesetzlich keine zusätzlichen Pausen angedacht sind. Hier gibt es eindeutig Verbesserungsbedarf!

Weitere Informationen
Klimafrage ist eine soziale Frage (Sommerdialog)
Hitze am Arbeitsplatz
KV-Abschluss in Baubranche

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