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ÖGB - Österreichischer Gewerkschaftsbund

Ein guter Zeitpunkt, das Arbeitslosengeld zu erhöhen

Mit 55 Prozent vom vorherigen Einkommen sind die Menschen armutsgefährdet

Aufgrund der Corona-Krise hat Österreich seit Mitte März um mehr als 200.000 Arbeitslose mehr. Seine Arbeit zu verlieren und arbeitslos zu werden, ist immer schwierig – am Beginn einer ausgewachsenen Wirtschaftskrise ohne Aussicht auf raschen Wiedereinstieg aber besonders hart, weil es praktisch keine Chance darauf gibt, einen neuen Job zu finden.

Update: 9. April 2020

In Österreich ist das Arbeitslosengeld im Verhältnis zum letzten Nettoeinkommen mit 55 Prozent relativ niedrig. Auch international geshehen, liegt Österreich hier unterster Stelle. 

Arbeitslose Menschen sind jetzt und waren auch vor der Corona-Krise stark armutsgefährdet. Das durchschnittliche Arbeitslosengeld lag 2018 monatlich bei ca. 960 Euro (Tagsatz von 32,13 EUR) (Quelle: Statista), das ist deutlich unter der Armutsgrenze von 1.259 Euro.  

"Jetzt wäre ein guter Zeitpunkt, das Arbeitslosengeld anzuheben, weil die Leute jetzt keine Chance haben, einen neuen Job zu finden." ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian

Nicht nur ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian ist der Meinung, dass jetzt ein guter Zeitpunkt wäre, das Arbeitslosengeld zu erhöhen. Auch eine Umfrage des ÖGB in den Sozialen Medien zeigt, dass die Mehrheit dieser Meinung ist. 

Bei einer Befragung der ÖGB-Facebook-Community sagen auf die Frage „Soll das Arbeitslosengeld erhöht werden?“ 78 Prozent und damit vier von fünf Personen „Ja“. 22 Prozent verneinen die Frage. Auf Twitter (89 Prozent) und Instagram (88 Prozent) ist die Zustimmung zur Forderung nach einem höheren Arbeitslosengeld im Vergleich zu Facebook etwas höher. 

Nettoersatzrate von 55 Prozent ist zu wenig 

Angesichts der stark gestiegenen Arbeitslosenzahlen fordert der ÖGB-Präsident eine Anhebung des Arbeitslosengeldes auf 70 Prozent des Nettoeinkommens. Die Nettoersatzrate (siehe Kasten) von 55 Prozent des letzten Einkommens sei zu niedrig, betont Katzian: "Jetzt wäre ein guter Zeitpunkt, das Arbeitslosengeld anzuheben, weil die Leute jetzt keine Chance haben, einen neuen Job zu finden."

„Arbeitslose sind die Ärmsten der Armen mit großen Existenzängsten, da muss man was machen."
Wolfgang Katzian in der ORF-Pressestunde.

Was es brauche, sei eine bessere finanzielle Absicherung von Arbeitslosen und ihren Familien. Langfristig bringt das auch der Wirtschaft etwas, sobald es wieder bergauf geht. 

Finanziert werden könnte die Erhöhung des Arbeitslosengeldes aus den bisherigen Budgets. "Wenn es geht, nimmt man, was da ist. Wenn nicht, muss man noch etwas drauflegen". Sollte das 38-Milliarden-Hilfspaket für die Corona-Krise nicht ausreichen, müsse man es eben erhöhen. 

Das bedeuten Nettoersatzrate und Arbeitslosengeld: 

  • Der Grundbetrag des Arbeitslosengeldes beträgt in Österreich 55 Prozent des letzten (oder vorletzten) Jahres-Nettoeinkommens – auch Nettoersatzrate genannt. 
  • Hierzu wird das Bruttoeinkommen maximal bis zur Höchstbemessungsgrundlage herangezogen, Sozialabgaben und Einkommensteuer abgezogen und so in ein Nettoeinkommen umgerechnet.
  • Der Grundbetrag (=Nettoersatzrate) beträgt letztlich 55 Prozent des Netto-Einkommens und wird auf Tage (in einen Tagsatz) umgerechnet. Daher ist das Arbeitslosengeld je nach Monat ungleich hoch. 


www.ams.at


Was bedeutet aktuell eine Netto-Ersatzrate von 55 Prozent: 

  • Bsp 1: 1.000 Euro brutto sind rund 590 Euro Arbeitslosengeld 
  • Bsp 2: 2.150 Euro brutto sind rund 1.050 Euro Arbeitslosengeld 
  • Bsp 3: 4.000 Euro brutto sind rund 1.721 Euro Arbeitslosengeld 

+ evtl. Familienzuschlag oder Ergänzungsbeitrag 

Zum Grundbetrag können Ergänzungsbeitrag und Familienzuschläge hinzukommen. 

Wenn der Grundbetrag des Arbeitslosengeldes niedriger ist als der Ausgleichszulagen-Richtsatz von 966,65 Euro zahlt das AMS einen Ergänzungsbetrag – sodass Arbeitslose in den meisten Fällen zumindest die 966,65 Euro bekommen. (Stand März 2020).  

Höchstgrenzen:

  • Wenn Sie keinen Anspruch auf Familienzuschläge haben, darf Ihr Arbeitslosengeld inkl. Ergänzungsbetrag nicht höher sein als 60 Prozent Ihres täglichen Netto-Einkommens.

  • Wenn Sie Anspruch auf Familienzuschläge haben, darf Ihr Arbeitslosengeld inkl. Ergänzungsbetrag und Familienzuschläge nicht höher sein als 80 Prozent Ihres täglichen Netto-Einkommens.

Je nachdem, wann Sie Arbeitslosengeld beantragen, werden unterschiedliche Jahresbeitragsgrundlagen herangezogen: 

  • Antrag zwischen 1. Jänner und 30. Juni: Jahresbeitragsgrundlage des vorletzten Jahres 
  • Antrag zwischen 1. Juli und 31. Dezember: Jahresbeitragsgrundlage des letzten Jahres

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