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Wie die Corona-Krise den Arbeitsmarkt verändert

In nur 16 Tagen 200.000 Arbeitslose mehr. Besonders betroffen sind Tourismus, Handel und Dienstleistung

Innerhalb weniger Tage veränderte sich der österreichische Arbeitsmarkt im März 2020 komplett. Lag die Zahl der arbeitslos vorgemerkten Personen am 15. März noch bei 310.516 und damit auch unter dem Niveau des Vorjahres, stieg die Zahl der vorgemerkten Personen ab dem 16. März täglich an.

Ende März waren inklusive SchulungsteilnehmerInnen 562.522 Menschen arbeitslos. Im Vergleich zum März 2019 ist das ein Anstieg von 199.934 arbeitslosen Personen (+65,7%), inklusive SchulungsteilnehmerInnen lag der Anstieg bei 193.543 (+52,5%).

„Wichtig ist jetzt, die Menschen vor einem wirtschaftlichen Totalabsturz zu bewahren.“ ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian

„Seine Arbeit zu verlieren und arbeitslos zu werden, ist immer schwierig – am Beginn einer ausgewachsenen Wirtschaftskrise ohne Aussicht auf raschen Wiedereinstieg aber besonders hart, weil es praktisch keine Chance darauf gibt, einen neuen Job zu finden“, kommentiert ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian die veröffentlichten Rekordarbeitslosenzahlen.

"Arbeitslosengeld auf 70 Prozent Nettoersatzrate erhöhen."
ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian

Wichtig sei jetzt, die Menschen vor einem wirtschaftlichen Totalabsturz zu bewahren. „Arbeitslose Menschen sind jetzt und waren auch vor der Corona-Krise stark armutsgefährdet. Daher wäre jetzt ein guter Zeitpunkt, um das Arbeitslosengeld auf 70 Prozent Nettoersatzrate zu erhöhen", so der ÖGB-Präsident.

Arbeitslosengeld im internationalen Vergleich gering

Auch im internationalen Vergleich hinkt Österreich mit einem Arbeitslosengeld von 55 Prozent vom letzten Nettoeinkommen hinterher.

In Portugal bekommen die Menschen 75 Prozent, in Luxemburg 84 Prozent und in Belgien sogar 90 Prozent im zweiten Monat der Arbeitslosigkeit (Quelle: OECD 2019).

„Ein höheres Arbeitslosengeld würde auch für die Gesamtwirtschaft mehr Kaufkraft bedeuten und den wirtschaftlichen Einbruch abschwächen“, erklärt ÖGB-Volkswirtschaftsexperte Ernst Tüchler.

„Die Wirtschaft und die Menschen brauchen diesen automatischen Stabilisator jetzt mehr je. Denn das Arbeitslosengeld und noch mehr, wenn es erhöht wird, wirkt stabilisierend auf die Wirtschaftslage.

Ab Mitte März änderte sich der Arbeitsmarkt schlagartig

Der März 2020 entwickelte sich bis zur Mitte des Monats sehr positiv, die tägliche Zahl der vorgemerkten Arbeitslosen lag durchschnittlich um 3 Prozent unter dem Vorjahreswert. Am 16. März änderte sich die Situation schlagartig: 19.312 Personen meldeten sich allein an diesem Tag beim AMS. Am 22. März 2020 zeigte die Wochenbilanz bereits 115.648 zusätzlich arbeitslos vorgemerkte Personen.

Auch der darauffolgende Tag – Montag, der 23. März - zeigte einen sprunghaften Anstieg der Arbeitslosigkeit, weitere 22.411 Personen wurden beim AMS vorgemerkt. Bis zum 29. März erhöhte sich damit der Bestand auf 489.544. In der dritten Woche der Krise erreichte die Arbeitslosigkeit letztendlich am Stichtag, dem 31. März, den Wert von 504.345.

In dienstleistungsorientierten Wirtschaftszweigen verloren vor allem Frauen ihren Job, im Bau und in der Arbeitskräfteüberlassung viele Männer

Im Tourismus hat sich sowohl die Zahl der vorgemerkten Frauen (+182,1 % bzw. +35.118) als auch jene der Männer (+172,8 % bzw. +27.261) nahezu verdreifacht. Im Handel stieg die Arbeitslosigkeit von Frauen innerhalb weniger Tage um 10.654 Personen (+44,2 %) an, 8.211 Männer (+41,5 %) wurden in dieser Branche zusätzlich vorgemerkt.

In der Bauwirtschaft stieg die Arbeitslosigkeit vom 15. bis 31. März um 64,4 Prozent bei den Männern (+20.126) und um 61,0 Prozent bei den Frauen (+1.651). Die Arbeitskräfteüberlassung – ein Krisenindikator vor allem für den Produktionsbereich – verzeichnete einen Anstieg von 10.112 (+41,3 %) Männern in Vormerkung und 2.465 arbeitslos gemeldeten Frauen (+30,0 %).

Kurzarbeit statt Kündigung

ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian appelliert einmal mehr an die Arbeitgeber, das Corona-Kurzarbeitsmodell in Anspruch zu nehmen, anstatt die Beschäftigten zu kündigen. Die von den Sozialpartnern verhandelte Corona-Kurzarbeit bringt Vorteile für ArbeitnehmerInnen und Arbeitgeber. 

Während das Arbeitslosengeld nur ca. 55 Prozent vom letzten Nettoeinkommen bringt, erhalten ArbeitnehmerInnen in Corona-Kurzarbeit zwischen 80 und 90 Prozent ihres letzten Nettoeinkommens. Sie sind damit finanziell weitaus besser abgesichert als durch das Arbeitslosengeld.

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