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ÖGB - Österreichischer Gewerkschaftsbund

Der Kollektivvertrag sichert deine Rechte

Fragen und Antworten rund um das Thema Kollektivvertrag

Was ist ein Kollektivvertrag?

Der Kollektivvertrag (KV) ist eine schriftliche Vereinbarung, der zwischen Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden abgeschlossen wird. Grundsätzlich darf der Kollektivvertrag nicht gegen bestehende Gesetze (Verfassungs-, Bundes-, Landesgesetze) sowie dazu erlassene Verordnungen verstoßen. Betriebsvereinbarungen und Dienstverträge müssen den Kollektivvertrag beachten und dürfen grundsätzlich keine schlechteren Regelungen treffen.

Was steht im Kollektivvertrag?

Grob gesagt sind im Kollektivvertrag alle wichtigen wechselseitigen Rechte und Pflichten aus einem Arbeitsverhältnis geregelt. Dabei spielen vor allem Arbeitszeitregelungen (-modelle) und Entgelt (Einstufung, Mindestgehälter, -löhne) eine bedeutende Rolle.

Der Kollektivvertrag regelt eine große Zahl von Ansprüchen, die nicht in Gesetzen stehen bzw. die über gesetzliche Bestimmungen hinausgehen. So ist die Festlegung von Mindestgehältern (-löhnen) oder von Urlaubs- und Weihnachtsgeld ausschließlich dem Kollektivvertrag vorbehalten und müssen jedes Mal aus Neue ausverhandelt werden.

Fünft wichtige Punkte, die der KV regelt:

1. Die wöchentliche und tägliche Normalarbeitszeit

2. Überstunden und deren Abgeltung sowie Zulagen für Wochenend- oder Feiertagsdienste

3. Einstufung im Gehaltsschema, Mindestentlohnung, Vorrückung

4. Urlaubs- und Weihnachtsgeld

5. Aufwandsentschädigungen, Zulagen, Prämien
 

Kann ich mir meinen Kollektivvertrag aussuchen?

Nein. Es gibt gesetzlich festgelegte Spielregeln, welcher Kollektivvertrag anzuwenden ist: In aller Regel werden Unternehmen einem Fachverband oder Gremium bei der Wirtschaftskammer zugeordnet. Diese Zuordnung entscheidet grundsätzlich darüber, welcher Kollektivvertrag auf das Dienstverhältnis angewendet wird.

Welcher Kollektivvertrag gilt für mich?

Welcher Kollektivvertrag gilt, steht im Geltungsbereich des Kollektivvertrages. Es gibt zumeist einen fachlichen, räumlichen und persönlichen Geltungsbereich. Der fachliche Geltungsbereich bestimmt die Branche, für die der KV abgeschlossen wurde. Der räumliche Geltungsbereich legt fest, in welchen Bundesländern der KV gilt und der persönliche Geltungsbereich beschreibt die Personengruppe, für die der KV anzuwenden ist.

Wie komme ich zu meinem Kollektivvertrag?

Gewerkschaftsmitglieder haben es da sehr leicht – sie kontaktieren einfach ihre zuständige Gewerkschaft. Für alle anderen gibt es zwei Optionen: Den Beitritt zur Gewerkschaft oder die Recherche im Betrieb. Das Arbeitsverfassungsgesetz schreibt vor, dass der aktuelle Kollektivvertrag in jedem Betrieb zur Einsichtnahme aufliegen muss. Wo der Kollektivvertrag im Betrieb zu finden ist, steht im gesetzlich vorgeschriebenen Dienstzettel. Dort ist auch festgehalten, welcher Kollektivvertrag auf das Dienstverhältnis angewendet wird.

Wie kommt ein Kollektivvertrag zustande?

Da der Kollektivvertrag eine Vereinbarung ist, müssen Verhandlungen geführt werden, um eine Einigung zu bestimmten Fragen mit den VerhandlungspartnerInnen zu erreichen. Ein neuer Kollektivvertrag ist erst abgeschlossen, wenn die Einigung vorliegt. Die Verhandlungen werden jedes Jahr aufs Neue geführt.

Wer verhandelt den Kollektivvertrag?

An den Kollektivvertragsverhandlungen nehmen VertreterInnen der ArbeitnehmerInnen und der Arbeitgeber teil. Auf Arbeitnehmerseite wird das Verhandlungsteam großteils aus BelegschaftsvertreterInnen jener Branche gebildet, für die verhandelt wird. Auf Arbeitgeberseite verhandeln zumeist UnternehmerInnen oder Manager aus den Betrieben der Branche.

Die Verhandlungsteams werden in der jeweiligen Organisation (zumeist Wirtschaftskammer und Gewerkschaften) gewählt und auf beiden Seiten durch hauptamtliche Beschäftigte der jeweiligen Organisation unterstützt. Durch diese Zusammensetzung ist gewährleistet, dass der Branchenkollektivvertrag von den Betroffenen selbst verhandelt wird, da sie die berufliche Erfahrung und Kenntnis des Wirtschaftszweiges haben.

Wie kommen neue Forderungen zustande?

Aufgrund wirtschaftlicher Entwicklungen in einer Branche und durch Neuerungen im Arbeitsrecht müssen Kollektivverträge immer wieder abgeändert und angepasst werden. Vor Beginn von Kollektivvertragsverhandlungen werden die BelegschaftsvertreterInnen in den Betrieben befragt, welche Änderungswünsche in Bezug auf den Kollektivvertrag bestehen. Die Vorschläge und Anregungen werden gesammelt und zusammengefasst.

Darüber hinaus wird in Form von Branchenanalysen die wirtschaftliche Lage der Branche und der gesamten Wirtschaft beurteilt. Diese Analysen bilden eine wichtige Grundlage für die Forderung nach Gehaltserhöhungen.

Wie lange dauern solche KV-Verhandlungen?

Das ist sehr unterschiedlich und hängt von den Rahmenbedingungen der Verhandlungen ab. Es gibt Verhandlungen, die rasch zu einem Ergebnis kommen, es gibt allerdings auch scheinbar endlose Verhandlungen. Das hängt auch vom Verhandlungsthema und den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Branche ab.

Führt jede Verhandlung zu einem Abschluss?

Nein, es wurden und werden Verhandlungen auch unterbrochen oder sogar abgebrochen, wenn die VerhandlungspartnerInnen auf keinen grünen Zweig kommen.

Wann ist der neue Kollektivvertrag abgeschlossen?

Der Kollektivvertragsabschluss ist dann erreicht, wenn beide Seiten in den wesentlichen Verhandlungspunkten zu einer Einigung gelangt sind, die sie ihrer Meinung nach gegenüber den jeweiligen Mitgliedern vertreten können. Diesen entscheidenden Punkt zu erkennen und abzuschätzen erfordert große Erfahrung und Risikobereitschaft der Verhandlungsteams.

In einem Abschlussprotokoll wird die Einigung schriftlich festgehalten und von beiden Seiten unterschrieben. Entsprechend dieses Protokolls wird der Kollektivvertragstext in den einzelnen Punkten abgeändert bzw. der neue Kollektivvertrag ausformuliert.

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