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ÖGB - Österreichischer Gewerkschaftsbund

„Frauen bekommen für gleiche Arbeit weniger Geld"

WU-Forscherin über die Ursachen des Einkommensunterschieds zwischen den Geschlechtern

Männer leisten viel mehr bezahlte Arbeit, während Frauen den Großteil der unbezahlten Arbeit erledigen. Laut WU-Forscherin Alyssa Schneebaum ist das einer der Hauptgründe für den Einkommensunterschied.

Ab 21. Oktober bis Jahresende arbeiten Frauen in Österreich statistisch gesehen gratis. An diesem Tag, dem Equal Pay Day, haben Männer bereits jenes Einkommen erreicht, für welches Frauen noch bis Jahresende arbeiten müssen. Der Tag der Einkommensgerechtigkeit findet heuer einen Tag später statt als im Vorjahr – was bedeutet, dass der Einkommensunterschied zwischen Männern und Frauen minimal geringer geworden ist. Unter den österreichischen Bundesländern bildet Vorarlberg mit 27,2 Prozent weniger Einkommen für Frauen auch dieses Jahr das Schlusslicht. oegb.at hat bei Alyssa Schneebaum, Forscherin an der Wirtschaftsuniversität Wien, nachgefragt, warum Frauen noch immer viel weniger verdienen, warum das besonders in Vorarlberg der Fall ist und wie das geändert werden kann.

oegb.at: Warum bekommen Frauen weniger Geld als Männer?
Alyssa Schneebaum:
Ein Hauptgrund für die Einkommensunterschiede liegt darin, dass Männer viel mehr bezahlte Arbeit leisten als Frauen, während Frauen umgekehrt viel mehr unbezahlte Arbeit erledigen. Das betrifft vor allem Pflege und Obsorge. Hinzukommt, dass Männer Berufe ausüben, die besser bezahlt sind als jene von Frauen und Frauen häufiger teilzeitbeschäftigt sind, was oft mit niedrigeren Stundenlöhnen einhergeht.

oegb.at: Und wenn Frauen in der gleichen Branche und gleichen Position arbeiten, bekommen sie auch gleich viel bezahlt?
Schneebaum:
Es lässt sich beobachten, dass Frauen für die exakt gleiche Tätigkeit von ihrem Arbeitgeber im Schnitt weniger bezahlt bekommen als Männer. Dieser Unterschied wird dann oftmals als Diskriminierung interpretiert. Dabei sollte aber nicht vergessen werden, dass auch strukturelle Unterschiede, die herausgerechnet werden, bereits aufgrund von Diskriminierung entstehen können. Das wäre zum Beispiel der Fall, wenn Mädchen aufgrund möglicher diskriminierender schulischer Situationen sich weniger häufig für technische Berufe entscheiden, oder Frauen mit Kindern aufgrund gesellschaftlicher Normen in Kombination mit fehlender Kinderbetreuung längere Zeit aus dem Arbeitsmarkt wegbleiben als Männer mit Kindern.

oegb.at: Wieso ist der Einkommensunterschied gerade in Vorarlberg so groß?
Schneebaum:
All die genannten Unterschiede haben ihren Ursprung in der sozialen Konstruktion von Gender-Rollen – also Normen, die in der Gesellschaft festlegen, wie Männer und Frauen sich zu verhalten haben. Möglicherweise sind diese Normen in Vorarlberg fester verankert.

oegb.at: Was muss passieren, damit sich die Situation für Frauen verbessert?
Schneebaum:
Da ein Hauptteil des Lohnunterschieds direkt und indirekt durch die ungleiche Aufteilung der unbezahlten Arbeit entsteht, macht es Sinn, in diesem Bereich anzusetzen. Dazu zählen alle Politikmaßnahmen, die einerseits Frauen dazu ermutigen, bezahlter Arbeit und andererseits Männer ermutigen, mehr unbezahlter Arbeit nachzugehen. Ein Beispiel dafür wäre zum Beispiel ein Karenzmodell, in dem die Zeit jeweils der Person zusteht und nicht von einem Elternteil auf den anderen übertragen werden kann. Ein derartiges Modell verändert nicht nur das Verhalten der Männer und Frauen, die in Karenz gehen, sondern auch die Erwartungen der Arbeitgeber in Bezug auf mögliche Karenzzeiten und hat damit direkt Auswirkungen auf die Einkommen.

oegb.at: Das wäre eine Möglichkeit, unbezahlte Arbeit gerechter zwischen den Geschlechtern aufzuteilen. Welche weiteren Maßnahmen sind notwendig, um die Chancengleichheit am Arbeitsmarkt zu erhöhen?
Schneebaum:
Ein sinnvoller Schritt wäre unter anderem, Frauen in hochbezahlten Industrien, in sogenannten MINT-Bereichen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) zu unterstützen. Derzeit herrscht hier ein deutlicher Männerüberhang. Umgekehrt sollten aber auch Männer dabei unterstützt werden, in soziale Berufe einzudringen, wie etwa im Bereich der Pflege und Kinderbetreuung. Obwohl aus unterschiedlichsten Gründen ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis wünschenswert wäre, sind hier leider noch immer vornehmlich Frauen vorzufinden.

oegb.at: In Schweden zum Beispiel ist es selbstverständlich, eine Familie zu haben und gleichzeitig berufstätig zu sein. Was macht Schweden besser als Österreich?
Schneebaum:
In Ländern wie Schweden ist es selbstverständlich, dass Frauen gleich viel wie Männer verdienen sollen. Gleichheit ist dort ein explizites Ziel der Politik. Daher setzt man in Schweden gleichheitsfördernde Gesetze ein und verfolgt diese konsequent. Ein Beispiel dafür sind die schwedischen Karenzmodelle, die Anreize für Väter enthalten, damit diese länger zuhause bleiben und auf ihre Kinder aufpassen.

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