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Triage: Wer soll sterben?

Warum überhaupt über „Triagen” diskutiert werden muss und wie wir diese Diskussion beenden können

In den letzten Tagen ist er immer wieder aufgetaucht: der Begriff „Triage“. Er kommt aus dem Französischen und bedeutet „Auswahl“. In der Medizin beschreibt er die Einteilung von PatientInnen nach der Schwere ihrer Verletzungen. So müssen ÄrztInnen, wenn sich die medizinischen Kapazitäten dem Ende neigen, die schwere Entscheidung treffen, wem zuerst geholfen wird.

Das „Triagieren” ist aber ein Begriff aus der Militärmedizin. Genauer gesagt, wurde die Triage während der Napoleonischen Kriege entwickelt, um in Zeiten knapper Ressourcen zu entscheiden, welche der verletzten Soldaten zuerst behandelt werden sollen. Das war also zu einer Zeit, in der kriegerische Katastrophen vorherrschten.

Napoleonischer Krieg vs. modernes Gesundheitssystem

Dieser Ansatz der Triage steht heute jedoch in einem Konflikt mit den medizinischen Prinzipien. Denken wir an eine Notaufnahme: Dort werden zuerst Menschen behandelt, deren Gesundheitszustand äußerst schlecht ist. Im Krieg hingegen, also in einer Ausnahmesituation, ist eine Gesundheitsversorgung aller leider oftmals nicht möglich. Warum aber müssen wir in einem der reichsten Länder der Welt mit einem der besten Gesundheitssysteme der Welt darüber nachdenken, wem geholfen wird?

„Warum aber müssen wir in einem der reichsten Länder der Welt mit einem der besten Gesundheitssysteme der Welt darüber nachdenken, wem geholfen wird?"

Neoliberales Sparprogramm nagt am Gesundheitswesen

Nicht zuletzt seit der türkis-blauen Kassenfusion hat sich die Lage im Gesundheitssystem drastisch verschärft. Das medizinische Personal muss schon seit Jahren Einschnitte bei Arbeitsbedingungen ertragen und auch ihre Arbeitgeber, die Krankenanstalten, stehen unter ökonomischem Druck. Krankenhäuser werden wie Unternehmen geführt und müssen Gewinne erwirtschaften. Ausreichend Zeit für PatientInnen bleibt nicht mehr, wie Berichte aus den Spitälern zeigen.

Betroffene sind überlastet

Ein Arzt aus einem Wiener Krankenhaus möchte anonym bleiben: „Ich kann mir nicht ausreichend Zeit für meine PatientInnen nehmen, weil wir so viel zu tun haben. Das ärgert mich”. Eine Pflegerin aus einem anderen Spital spricht von großen Belastungen: „Die Arbeitsbedingungen sind wirklich nicht gut und nun mit der Corona-Situation bin ich drastisch belastet.”

Spitäler stehen vor finanziellem Ruin

Um ein gutes Gesundheitswesen für alle Versicherten sicherstellen zu können, braucht es ausreichend finanzielle Mittel. Diese würden laut aktueller Gebarungsvorschau gerade jetzt in den Spitälern fehlen. „Die SV-Einnahmenverluste durch die Pandemie werden nächstes Jahr auch zum Minus unserer Krankenanstalten, und das zu einer Zeit, in der die Pandemie weiterhin nicht beendet ist”, gibt Ingrid Reischl, Leitende Sekretärin im ÖGB zu bedenken.

„Dieses Mega-Minus wirkt sich auch ganz deutlich auf die Finanzierung der Spitäler aus und führt dazu, dass das jetzt schon an seine Grenzen stoßende medizinische Personal noch heftigeren Belastungen ausgesetzt sein wird.”Ingrid Reischl, Leitende Sekretärin im ÖGB

Bis 2022 soll es fast eine halbe Milliarde Euro sein, die den Spitälern fehlen wird. „Dieses Mega-Minus wirkt sich auch ganz deutlich auf die Finanzierung der Spitäler aus und führt dazu, dass das jetzt schon an seine Grenzen stoßende medizinische Personal noch heftigeren Belastungen ausgesetzt sein wird”, warnt Reischl.

Investition in Gesundheit wichtiger denn je

Für eine sichere Zukunft im Gesundheitswesen braucht es ausreichend Geld und keinen Sparplan, wie ihn die letzten neoliberalen Regierungen eingeführt haben. Mehr Geld im Gesundheitssystem zahlt sich auch ökonomisch aus, attestieren mittlerweile auch Unternehmen, die stark wirtschaftsorientiert ausgerichtet sind. Und nicht zuletzt wird mit einer ausreichenden Finanzierung auch die tragische Diskussion über Triagen, die nichts mehr mit dem modernen Gesundheitswesen zu tun haben, für beendet erklärt werden können.

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