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Burgenland

Grenzpendeln in der Region

Projekt Fairwork befragt PendlerInnen

Der Arbeitsmarkt der Grenzregion Burgenland – Westungarn erlebt seit der Arbeitsmarktöffnung 2011 eine dynamische Entwicklung, die auf beiden Seiten der Grenze neben positiven auch einige negativen Auswirkungen hat und welche die arbeitsmarktrelevanten Behörden vor Herausforderungen stellen. Täglich pendeln bis zu 20.000 ungarische ArbeitnehmerInnen über die Grenze, viele von Ihnen haben saisonal wechselnde Arbeitsplätze in Ungarn und in Österreich. Das bedeutet auch wechselnde Zuständigkeit für die Sozialversicherung, Besteuerung und sonstigen Regelungen betreffend GrenzgängerInnen.

„Das stellt sowohl ArbeitnehmerInnen als auch die zuständigen Behörden vor große Herausforderungen. Das Projekt „Fairwork“ soll daher helfen, die Behörden besser miteinander zu vernetzen und die Kommunikation zwischen ihnen zu fördern“, so ÖGB-Landessekretär Andreas Rotpuller.

Um zu erfahren, welche Motivation diese GrenzpendlerInnen haben, was sie antreibt, wie sie sich ihre Zukunft vorstellen und unter welchen Bedingungen sie in Österreich arbeiten, hat „Fairwork“ eine Befragung durchgeführt. Die Ergebnisse geben nicht nur Aufschluss über das Verhalten der GrenzpendlerInnen in der Region Burgenland-Westungarn. Sie liefern auch Ergebnisse aus Sicht der arbeitsmarktrelevanten Behörden und Institutionen, deren Arbeit durch die verstärkte PenderInnenbewegung vor große Herausforderungen gestellt wird.

Die Erhebung wurde 2017 durchgeführt. Im Zuge der Studie wurden wirtschaftliche und soziale Daten der Region erhoben. Die Befragung wurde mittels Fragebogen durchgeführt. 32 Fragen mussten beantwortet werden. An der Befragung nahmen 318 PendlerInnen teil. 2016 von ihnen sind Männer, 112 Frauen.
Außerdem wurden im Zuge der Studie Vertreterinnen von arbeitsmarktrelevanten Behörden in Ungarn und dem Burgenland interviewt.


61 Prozent der Befragten pendeln täglich zu ihrem Arbeitsplatz in Österreich. 15 Prozent pendeln an vier Tagen. Sie verbringen durchschnittlich 90 Minuten mit der Fahrt zu ihrem Arbeitsplatz.

Die Befragten geben an, zum Großteil ihrer Qualifikation entsprechend in Österreich beschäftigt zu werden. 37 Prozent der PendlerInnen haben eine Lehre abgeschlossen, 35 Prozent die Fachmittelschule. 21 Prozent sind HochschulabsolventInnen. Ihr Löhne und Gehälter sind etwa zwei- bis viermal höher als in einer vergleichbaren Position in Ungarn. Sie finden in Österreich auch ein besseres Arbeitsklima als in ungarischen Betrieben vor.

Laut Umfrage arbeiten ungarische ArbeitnehmerInnen in den Branchen Sonstige Dienstleistungen (31 Prozent) und Gastgewerbe (29 Prozent) gefolgt von Bau (19 Prozent) und Produktion (14 Prozent).

Die meisten der Befragen arbeiten bis zu fünf Jahre (45 Prozent) in Österreich. 34 Prozent geben an zwischen 6 und 10 Jahre in Österreich tätig zu sein. 71 Prozent geben an, nicht mehr in Ungarn arbeiten zu wollen. 41 Prozent planen langfristig zu pendeln.

„Die Befragten haben trotz ihrer Arbeit in Österreich ihren Lebensmittelpunkt in Ungarn. Sie schicken ihre Kinder in typisch ungarische Schulen. Sie vertrauen jedoch der wirtschaftlichen Situation nicht und sie glauben auch, dass sich die Lebensverhältnisse in Ungarn mittelfristig nicht an die in Österreich angleichen", betont Csaba Horvath vom ungarischen Gewerkschaftsbund MASZSZ.

Aufgrund der Studie kann man sagen, dass sich die PendlerInnenbewegung mittel- und langfristig fortsetzen wird. Der einzige Risikofaktor könnte der sein, wenn Österreich aufgrund der Migrationsbewegung regelmäßige Grenzkontrollen einführt. Das würde pendeln unmöglich machen.

Die Interviews arbeitsmarktrelevanter Behörden haben ergeben, dass die Zusammenarbeit der Behörden auf beiden Seiten als gut bewertet wird, gleichzeitig wurden jedoch auch Weiterentwicklungsvorschläge für die Zukunft formuliert.

Die ExpertInnen geben auch an, dass wenig Informationen über die jeweiligen Vorgehensweisen der Sachbearbeitung, über fachliche Expertisen und aktuelle gesetzliche Änderungen im Nachbarland vorliegen.

Grenzüberschreitende Kooperationen einzelner Behörden aus der Vergangenheit wurden leider nicht fortgesetzt. Dies wurde in den Interviews bedauert.


Die Ergebnisse dieser Studie zeigen die Situation im Grenzraum Burgenland-Westungarn. Sie zeigen, welche Faktoren die grenzüberschreitende Mobilität beeinflussen. Die Ergebnisse geben einerseits Aufschluss auf die persönlichen und familiären Lebenssituationen und Strategien der PendlerInnen und andererseits zeigen sie die Abläufe in den relevanten Behörden.

Die unterschiedliche wirtschaftliche Situation in beiden Regionen wird die PendlerInnenbewegung auch in Zukunft begünstigen. Die positive wirtschaftliche Entwicklung in Österreich, das Arbeitsplatzangebot und das hohe Lohnniveau tragen zur Bereitschaft der ungarischen ArbeitnehmerInnen nach Österreich zu pendeln, einen großen Teil bei.

Es ist daher wichtig, dass arbeitsmarktrelevante Behörden in beiden Ländern verstärkt zusammenarbeiten, mit dem Fokus auf die spezielle zweiseitige Lage und die Bedürfnisse der GrenzgängerInnen.

„Aus der Befragung ging klar hervor, dass wir das Rad nicht neu erfinden müssen. Wir müssen nur bereits – in früheren Projekten – aufgebaute Kontakte neu auffrischen und persönliche und fachliche Netzwerke neu starten", erklärt  Rotpuller abschließend.

 

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