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Burgenland

Digitaler Wandel 2019

AK, ÖGB und BFI präsentieren Umfrageergebnisse

Die Digitalisierung der Arbeitswelt ist derzeit in aller Munde. Immer mehr Betriebe und ArbeitnehmerInnen müssen sich darauf einstellen, dass Veränderung stattfindet, die Auswirkungen auf die Arbeitsorganisation, Arbeitsprozesse und die Beschäftigten hat.

Für das Burgenland gab es dazu bisher keine speziellen Studien, wie sich die Veränderungen konkret gestalten und wie diese vor allem aus Sicht der Beschäftigten und BetriebsrätInnen erlebt werden. Diese Lücke hat das Projekt „Digitaler Wandel 2019“ geschlossen. Es wurden insgesamt 35 qualitative Interviews in 9 burgenländischen Leitbetrieben (Finanzwesen, Produktion, Tourismus, Handel und Gesundheit/Pflege) geführt und eine online-Erhebung umgesetzt, an der 247 Personen teilnahmen.

Insgesamt wurden bereits 24 Digitalisierungsprojekte im AK-Vorstand genehmigt. Das sind Projekte in der gesamten Bandbreite der Herausforderung. Ziel ist es, solide Daten und Fakten zu haben, um weitere Projekte aufsetzen zu können.

„Die Arbeitswelt hat sich durch die Digitalisierung verändert und wir wollen, dass die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Burgenland zu Digitalisierungsgewinnern werden. Dafür nimmt die AK Burgenland in fünf Jahren 3,4 Millionen Euro im Rahmen unserer Digitalisierungsoffensive in die Hand. Dieses Projekt ist für uns eine ganz wichtige Grundlagenarbeit. Durch die Partnerschaft mit ÖGB und BFI ist es dann gleich möglich, die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen und ein gezieltes Schulungsprogramm aufzusetzen", erklärt AK-Präsident Gerhard Michalitsch.

Die Ergebnisse

Die Erhebung wurde in den vergangenen Monaten von L&R Sozialforschung – Lechner, Reiter und Riesenfelder Sozialforschung OEG aus Wien durchgeführt.

„Digitalisierung“ – als ein zentrales Ergebnis der Studie – ist bei den befragten Personen und in den burgenländischen Betrieben angekommen: die Relevanz des Themas wird für den jeweiligen Betrieb von (87% der Befragten) als sehr oder eher hoch eingestuft. Weiters gaben 70% der Befragten an, dass in ihrem Unternehmen bereits Digitalisierungsvorhaben umgesetzt wurden, bei 57% sind in den nächsten zwei Jahren weitere geplant. Zentrale Chancen werden in der Arbeitserleichterung, Verbesserung der Qualität und Effizienzsteigerung gesehen. Als Gefahren werden Datensicherheit, Arbeitsplatzverluste, Kontrollmöglichkeiten, das Verschwinden der Grenzen zwischen Arbeits- und Freizeit sowie auch die Zunahme des Stresses beobachtet.

Mehr als die Hälfte der befragten Beschäftigten (53,1%) berichtet über konkrete Veränderungen am Arbeitsplatz in den letzten beiden Jahren, etwa die Einführung neuer EDV-Programme oder Online-Aktivitäten, welche Veränderungen im Arbeitsablauf, andere Arbeitsbereiche und teilweise den Wegfall einzelner Arbeitsbereiche mit sich führten. Zumeist wird dabei bislang nur eine geringe Gefahr der Reduktion der Arbeitsplätze insgesamt gesehen, aber eine Verlagerung dieser von niedrig qualifizierten zu mittleren und hochqualifizierten. Dies führt insbesondere für angelernte Kräfte dazu, dass – ohne entsprechende Maßnahmen – gerade in diesem Bereich Arbeitsplätze verloren gehen können.

Die Verwendung digitaler Tools und Systeme sind für die befragten MitarbeiterInnen gängige Praxis – am häufigsten werden hierbei Computer, Smartphones und Laptops verwendet, entweder mit den gängigen Office-Programmen oder firmeneigener Software. Die digitalen Kompetenzen der Beschäftigten werden aus Sicht der (verantwortlichen) Führungskräfte differenziert eingeschätzt: Während sie für sich selbst sowie für Fachkräfte davon ausgehen, dass vollumfängliche oder gute Qualifikationen vorhanden sind (80% bzw. 70%), attestieren sie lediglich 23% der angelernten und Hilfskräfte das entsprechende Know-How. Die BetriebsrätInnen schätzen die Lage für diese Gruppe ebenfalls am kritischsten ein, sehen da aber auch die Unternehmen gefordert: knapp die Hälfte meint, dass gewisse MitarbeiterInnen-Gruppen von der Aus- und Weiterbildung ausgeschlossen sind.

Trotz der vielfältigen Änderungen, die seitens der Beschäftigten rund um Digitalisierung wahrgenommen werden, haben in den letzten beiden Jahren nach eigener Angabe 56% an keiner Weiterbildung oder Qualifizierung zum Thema Digitalisierung teilgenommen. Von jenen, die eine Weiterbildung absolvierten, wurden in erster Linie firmeninterne Produkteinschulungen genannt (34% der Befragten). 11% eigneten sich im Selbststudium neue Qualifikationen an und nur 10% der Beschäftigten haben an Weiterbildungen und Qualifizierungen eines externen Anbieters teilgenommen, der von dem Betrieb aus organisiert wurde. Für die nahe Zukunft planen laut Befragung rund drei Viertel der Betriebe entsprechende Weiterbildungen oder sind dabei diese umzusetzen.

Die Maßnahmen

„Eine Frage der Studie lautete welche Inhalte und Kompetenzen notwendig sind und daher einer Weiterbildung bedürfen. Es hat sich herausgestellt, dass das Feld extrem breit ist", so die beiden Wissenschafterinnen Nadja Bergmann und Barbara Willsberger von L&R Sozialforschung.

Angefangen von Basisqualifizierungen in den Office-Programmen – insbesondere Excel wird hier auch in Zusammenhang mit Datenanalyse als ein Schlüsselprogramm betrachtet – über spezifische firmeninterne Programme und Tools bis hin zur Programmierung und Wartung automatisierter Prozesse und entsprechender Maschinen. Datensicherheit im weitesten Sinn sowie Social Media Kompetenzen sind ebenfalls in vielen Bereichen Kernkompetenzen.
Neben SpezialistInnen sind bei nahezu allen Beschäftigten ein breites Verständnis, digitale Grundkompetenzen und spezifische fachliche digitale Kernkompetenzen (jeweils von der Branche abhängig) gefragt.      

Darüber hinaus wird aber auch angesprochen, dass es zunehmend Bedarf zu den Themen Entgrenzung von Arbeits- und Freizeit, steigenden Stress und Vermeidung von Burnout gibt.

„Die Studie hat uns einen tiefen Einblick in die Weiterentwicklungs- und Schulungswünsche der burgenländischen ArbeitnehmerInnen und Arbeitnehmer gegeben. Gemeinsam mit unserem Bildungsmanagement werden die Einzelheiten der Studie ausgearbeitet und das Schulungsprogramm entwickelt. Die Erste Maßnahme aus der Studie wird eine Seminarreihe zum Thema "Burn-out Prophylaxe in Zeiten des digitalen Wandels" sein", sagt der Stv. BFI-Geschäftsführer René Höfer.

Außerdem hat das BFI bereits Schulungen im E-learning und Blended learning Bereich entwickelt (vorrangig im Bereich Marketing und "neue Medien" bzw. Sozial Media).

Die Zukunft

Das Projekt „Digitaler Wandel 2019“ liefert gute Grundlagen zum Thema „Digitalisierung. Dabei geht es um Arbeitsprozesse, die digitalisiert ablaufen. Diese Arbeitsprozesse wirken auf die Betriebskultur und die Formen der Zusammenarbeit. 

„Hier wollen wir als ArbeitnehmerInnenvertreter einen Schritt weitergehen und die Veränderungen, die Digitalisierung mit sich bringt, auch in Hinblick auf die Mitarbeiterbeteiligung und Mitbestimmung seitens der ArbeitnehmerInnen genauer zu betrachten. Das Nachfolgeprojekt trägt den Titel „Digitalisierung – Mitbestimmung Plus“ und wurde bereits gestartet", schaut ÖGB-Landessekretär Andreas Rotpuller, bereits in die Zukunft.

In einem ersten Schritt wird evaluiert, was es auf Betriebsebene bereits gibt. In einem weiteren Schritt wird mithilfe eines Pilotprojektes in einem größeren burgenländischen Betrieb mit vorhandener Betriebsratsstruktur ein Experimentierraum geschaffen, in dem Formen der digitalisierten Mitbestimmung ausprobiert und entwickelt werden können.

Erfolgreiche Instrumente werden dann in Betriebsratsschulungen für weitere Betriebsratsorganisationen angeboten. Ziel ist es, die Mitbestimmungskultur auf Betriebsebene im Zuge der Digitalisierung aktiv zu gestalten und dadurch betriebliche Mitbestimmung insgesamt zu stärken.

Das Ziel ist, einerseits eine Kluft zwischen Gewinnern und Verliererinnen der Digitalisierung zu verhindern. Andererseits soll die Digitalisierung für mehr Mitbestimmung zu nutzen.

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