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Burgenland

Tourismus

MitarbeiterInnen im Tourismus unzufrieden

„Während der Aufwärtstrend im heimischen Tourismus weiter anhält und immer mehr Gäste zu uns kommen wollen, laufen der Branche die Beschäftigten davon. Die Jobzufriedenheit sinkt drastisch. Das belegen die Daten einer durchgeführten Sonderauswertung des Arbeitsklima Index, die vom IFES im Auftrag der vida durchgeführt wurde“, erklärt vida-Landesvorsitzender Erich Mauersics.

Laut AMS finden im burgenländischen Gastronomie- und Beherbergungsbereich mehr als 8.000 Menschen einen Arbeitsplatz. Mehr als die Hälfte dieser Arbeitskräfte kommt mittlerweile aus dem benachbarten Ausland. Der Anteil an ausländischen Beschäftigten ist nur mehr in der Landwirtschaft höher. „Im Grunde heißt das, dass der Tourismus im Burgenland ohne die Beschäftigten aus Ungarn, Slowakei usw. gar nicht mehr funktionieren könnte“, betont Silvia Windisch, vida-Landesfachgruppensprecherin im Bereich Tourismus und Betriebsratsvorsitzender der Sonnentherme Lutzmannsburg

Zufriedenheit sinkt dramatisch

Verglichen mit anderen Branchen sind die Beschäftigten in der Gastronomie und Hotellerie mit ihrem beruflichen Umfeld deutlich unzufriedener. Der ohnehin schon niedrige Zufriedenheitswert des vergangenen Jahres ist heuer noch einmal dramatisch gesunken. Die Beschäftigten sind stärker als je zuvor mit dem Führungsstil unzufrieden. Erneut gesunken sind auch die Zufriedenheit mit der Dienstplangestaltung und dem Einkommen Zunehmend skeptischer beurteilen viele ArbeitnehmerInnen zudem ihre Aufstiegschancen und Entwicklungsmöglichkeiten innerhalb ihres Betriebes.

Verglichen mit anderen Branchen setzen den Beschäftigten im Tourismus vor allem hohe körperliche Belastungen und Stress zu. Das lasten die Beschäftigten oft ihrer Führungskraft an. „Es zeigt sich, wie wichtig eine gute Zeiteinteilung durch die Führungskraft für ein gutes Arbeitsklima ist. Es ist sogar einer der Grundpfeiler“, so Mauersics. Die ArbeitnehmerInnen wünschen sich mehr Handlungsspielraum bei Entscheidungen. Sie wollen sich einbringen und wünschen sich ein gutes Arbeitsklima. Passende Arbeitszeitregelungen und attraktive Sozialleistungen haben zudem positive Effekte auf die Führungszufriedenheit. Auffällig ist, dass das Einkommen keinen Effekt darauf hat, ob ich mit meinem Chef oder meiner Chefin zufrieden bin. 

Wenn schlechte Führung krank macht

Schlechte Führung hat auch gesundheitliche Folgen. Beschäftigte, die mit ihren direkten Vorgesetzten unzufrieden sind, sind deutlich öfter von körperlichen Schmerzen und gesundheitlichen Beeinträchtigungen betroffen als Zufriedene. Gute Führung dagegen ebnet den Weg dafür, dass die ArbeitnehmerInnen länger in der Branche bleiben. „Die Branche muss es schaffen, die Menschen mit sozialer Kompetenz an sich zu binden“, betont Mauersics.

Forderungen an die kommende Bundesregierung

„Wer mit besten Arbeitsbedingungen Leidenschaft und Enthusiasmus bei seinen Beschäftigten fördert, erntet top-motivierte Fachkräfte und beste Gastgeber. Das muss auch der kommenden Regierung klar sein“, ist Silvia Windisch überzeugt. Um die Arbeitswelt der Beschäftigten im Tourismus zu verbessern, richtet die vida-Gewerkschafterin schon jetzt sechs Forderungen an die künftigen Regierungsmitglieder:

- Qualitativ hochwertige Personal-Unterkünfte: Hierzu können wir uns vorstellen, dass dafür etwa bestehende und wirtschaftlich nicht erfolgreiche Beherbergungsbetriebe umgewandelt werden. 

- Ausreichende Erholungsphasen: Die Ruhezeitverkürzung von elf auf acht Stunden muss zurückgenommen werden. Die Beschäftigten brauchen ausreichend Erholung, um die hohen betriebsbedingten Stressfaktoren besser aushalten und abfedern zu können.

- Bewertungskriterien für gute Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber: Als vida sind wir bereit, an der Erstellung eines derartigen Kriterienkatalogs mitzuarbeiten. Die Beschäftigten sollen so eine Entscheidungshilfe bei der Auswahl ihres touristischen Arbeitsplatzes mit auf den Weg bekommen.

- Einrichtung einer Tourismuskasse nach dem seit Jahrzehnten bewährten Modell der Urlaubs- und Abfertigungskasse der Baubranche. Eine solche Kasse würde durch regelmäßige Einzahlungen ermöglichen, dass beispielsweise bei einem Jobwechsel zwischen Saisonspitzen Urlaubsansprüche nicht verfallen würden, sondern mitgenommen werden könnten.

- Gute Führung ist auch wichtig in Zusammenhang mit der betrieblichen Lehrausbildung. Neben der längeren Bindung der Beschäftigten müssen Führungskräfte aktiv in die Qualitätssicherung der innerbetrieblichen Lehrausbildung eingebunden werden und einen aktiven Beitrag leisten.

- Die Erweiterung der Mangelberufsliste hat das Ziel 2019 klar verfehlt. Die Branche muss gemeinsam mit ihren Führungskräften ihre Hausaufgaben erledigen, anstatt zu fordern, dass Arbeitskräften, die aus dem Nicht-EU-Raum kommen, Tür und Tor geöffnet werden.

Die gesamte Auswertung des AI Tourismus ist auch auf www.vida.at/tourismus abrufbar.

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