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Kärnten

Gewerkschaft vida kritisiert die aktuelle Situation der Pflege in Kärnten

Neues Pflegemodell gefordert: Für Betroffene leistbar und für Bedienstete attraktiv

Die Gewerkschaft vida bezeichnet das österreichische familienbasierte Pflegesystem als ineffizient, intransparent und ungerecht und fordert vom Bund ein Aufstocken der finanziellen Mittel. Rund 280 Interventionen und Verfahren gegen Heimbetreiber gab es in den letzten fünf Jahren in Kärnten. Die Gewerkschaft schlägt einen möglichen Stufenplan für ein neues Pflegemodell vor. „Wir brauchen eine professionell ausgebaute Pflegeinfrastruktur, die Pflege für Betroffene leistbar und für Bedienstete attraktiver macht“, so vida Landesgeschäftsführer Thomas Finsterwalder.

In der Pflege in Kärnten herrscht chronischer Personalmangel. „Die Beschäftigten - und das sind vorwiegend Frauen – sind zum Teil schweren gesundheitlichen und seelischen Belastungen am Arbeitsplatz ausgesetzt. Wie hoch die Unzufriedenheit in den Einrichtungen ist, belegen uns auch die Zahlen“, berichtet Bundesarbeiterkammer-Vizepräsidentin Ursula Heitzer. So gab es in einem Zeitraum von fünf Jahren rund 230 Interventionen und Verfahren gegen private und über 50 Interventionen und Verfahren gegen gemeinnützige Betreiber in Kärnten.

Über 50 Prozent der Pflege ist in Kärnten privat organisiert, wobei zwei Unternehmen mehr als ein Drittel der Heime betreiben. Immer wieder wird seitens privater Betreiber versucht, Betriebsräte aktiv zu behindern oder überhaupt zu verhindern. Vom Datenschutz profitieren laut Heitzer vor allem die „schwarzen Schafe“ unter den Betreibern. Die Gewerkschaft vida fordert in diesem Zusammenhang die Transparentmachung von Verwaltungsstrafen gegen Pflegeheimbetreiber.

Skandinavische Länder als Vorbild

„Das System der Pflege, wie es in Österreich verbreitet ist, ist für den Staat nur auf den ersten Blick kostengünstig, denn es entzieht dem Arbeitsmarkt gut ausgebildete Fachkräfte und führt zu zusätzlichen Kosten für das Gesundheits- und Sozialsystem“, meint auch Dr. Cornelia Heintze, Gesundheits- und Sozialexpertin aus Deutschland. Sie verweist dabei auf die mit der Pflege von Angehörigen verbundenen Belastungen. Sie plädiert für mehr Investitionen in ein gutes öffentliches Pflege- und Betreuungssystem, wie es zum Beispiel in den skandinavischen Ländern passiert. Das würde nicht nur die Sozialkassen entlasten, sondern auch das Potenzial an gut qualifizierten Arbeitskräften steigern. „Pflege wird dort als öffentliche Aufgabe und öffentliches Gut wahrgenommen. Dadurch sind im Pflegesektor gut bezahlte, qualifizierte Arbeitsplätze entstanden, die für Wachstum sorgen“, so Heintze. Damit weniger Langzeitpflege finanziert werden muss, legt man in diesen Ländern außerdem sehr viel Wert auf die Prävention von kostspieligen Krankheiten wie beispielsweise Demenz.

Gewerkschaft vida fordert nachhaltiges Pflegesystem 

„Im Pflegebereich herrscht jedenfalls dringender Handlungsbedarf“, meint auch Walter Becker, vida Fachgruppensprecher für Gesundheit und Soziales. „Wir müssen weg vom Papierpflegeschlüssel und hin zu einem Anwesenheitspflegeschüssel in Kärnten. Wir brauchen dringend mehr Ausbildungsplätze für Pflegekräfte und eine Förderung für überprüfbare Qualitätsstandards – wie zum Beispiel durch Gütesiegel“, so Becker. Die Gewerkschaft fordert eine Erhöhung der öffentlichen Investitionen in eine professionell ausgebaute Pflegeinfrastruktur. „Derzeit gibt Österreich lediglich 1,4 Prozent des BIP für die Pflege aus. Das macht sich in unserer gewinnorientieren Pflege durch private Einrichtungen auf allen Ebenen – im negativen Sinne - bemerkbar“, so Becker weiter. Die Skandinavier hingegen investieren 3 bis 4 Prozent des BIP in die Pflege. Ein Wert, an dem sich auch Österreich orientieren sollte. Die Gewerkschaft vida plädiert weiters für Österreichweit einheitliche Pflegestandards und der Überprüfbarkeit der 24h-Betreuung.

„Zusammengefasst brauchen wir eine professionell ausgebaute Pflegeinfrastruktur, die Pflege für Betroffene leistbar und für Bedienstete attraktiver macht. Dabei sollte nie vergessen werden, dass die Betroffenen eines ineffizienten Gesundheitssystems nicht nur die Beschäftigten sind, sondern letzenden Endes immer auch die Patienten und Patientinnen sowie die pflegenden Angehörigen darunter leiden“, so vida Landesgeschäftsführer Thomas Finsterwalder abschließend.

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