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Niederösterreich

Keine Verbesserung bei Lehrausbildung

Nur 35 Prozent aller Lehrlinge sind mit ihrer Ausbildung sehr zufrieden

v.l.n.r. Norbert Lachmyr (öibf), Susanne Hofer (ÖGJ-Vorsitzende), Renate Anderl (AK-Präsidentin), Wolgang Katzian (ÖGB-Präsident)
v.l.n.r. Norbert Lachmyr (öibf), Susanne Hofer (ÖGJ-Vorsitzende), Renate Anderl (AK-Präsidentin), Wolgang Katzian (ÖGB-Präsident)

Zum dritten Mal hat haben ÖGB, AK und Gewerkschaftsjugend (ÖGJ) den Lehrlingsmonitor  - die größte Lehrlingsbefragung Österreichs - präsentiert. 5.253 Lehrlinge im letzten Lehrjahr aus ganz Österreich wurden zu ihrer Ausbildung befragt. „Die Ergebnisse zeigen klar, dass es für die Verbesserung der Lehre mehr braucht als Namensänderungen und Imagekampagnen“, sagte ÖGJ-Vorsitzende Susanne Hofer bei der Präsentation am 19. Februar.

Jeder dritte Lehrling muss Tätigkeiten erledigen, die nicht Teil der Ausbildung sind.

Für zwei von drei Befragten passt die Ausbildung, für ein Drittel muss es aber deutliche Verbesserungen geben. Im Vergleich zu 2017 sagt auch fast ein Drittel der befragten Lehrlinge weiterhin, es müsse immer oder häufig ausbildungsfremde Tätigkeiten leisten.

"Wenn mir Lehrlinge erzählen, dass sie den ganzen Tag nur Regale einschlichten oder den Boden zusammenkehren, dann wundert mich die Unzufriedenheit mit der Lehrausbildung nicht."
Susanne Hofer

„Wenn mir Lehrlinge erzählen, dass sie den ganzen Tag nur Regale einschlichten, den Boden zusammenkehren oder Material von A nach B tragen, dann wundert mich die Unzufriedenheit mit der Lehrausbildung nicht“, erzählt Hofer. „Da nützt die beste Imagekampagne nichts.“ 

Lehrlinge besser auf Lehrabschlussprüfung vorbereiten

Im Gegenteil zur Matura findet die Lehrabschlussprüfung nicht in der Berufsschule statt, sondern an einem fremden Ort. Lehrlinge haben auch nicht die Möglichkeit vor der eigenen Prüfung einmal bei einer andern zuzuhören. „Dadurch wissen sie nicht einmal, wie die Prüfung ablaufen wird. Das sagen 45 Prozet der Befragten. Und das fördert die ohnehin schon bei vielen vorhandene Prüfungsangst. Das müssen wir ändern“, fordert Hofer.

v.l.n.r. Norbert Lachmyr (öibf), Susanne Hofer (ÖGJ-Vorsitzende), Renate Anderl (AK-Präsidentin)

„Wir müssen es schaffen, dass alle Lehrlinge auch zur Abschlussprüfung hingehen und sie bestehen, denn sie ist zu diesem Zeitpunkt der wichtigste Schritt in ihrer Ausbildung", so Hofer.

Zufriedenheit mit Ausbildung und Betrieb

Der Lehrlingsmonitor zeigt, nur 35 Prozent der Lehrlinge sind mit ihrer Ausbildung sehr zufrieden. Trotzdem würden 71 Prozent sich wieder für den gleichen Lehrberuf entscheiden. 28 Prozent sagen, sie würden nicht mehr denselben Betrieb wählen. Diese Werte haben sich auch zu den Vorjahren nicht maßgeblich verändert.

"Zwischen dem, was die Betriebe wollen und dem, was sie bereit sind zu investieren, herrscht noch ein großer Gap."
Susanne Hofer

„Sie zeigen aber einmal mehr, dass bei der Qualität der betrieblichen Ausbildung angesetzt werden muss. Denn zwischen dem, was die Betriebe wollen und dem, was sie bereit sind zu investieren, herrscht noch ein großer Gap.“ Es braucht eine automatische Anmeldung zur LAP durch den Betrieb, verpflichtende Kompetenzchecks zur Mitte der Lehrzeit, um den Ausbildungsstand festzustellen und die regelmäßige Überprüfung der Ausbildungsqualität.

Fachkräftemilliarde: Betriebe fördern, die qualitativ ausbilden

Die Bundesregierung hat angekündigt die Lehrausbildung besser zu fördern und hat in diesem Sinn angekündigt, das Vorarlberg-Modell dazu prüfen zu wollen. „Das ist ein guter Ansatz. Die Betriebe zu belohnen, die ausbilden und dafür jene Unternehmen zahlen zu lassen, die es eben nicht tun. Aber nicht nach dem Gießkannenprinzip“, warnt Katzian.

Wir fordern einen Ausbildungsfonds – eine Fachkräftemilliarde – in den Firmen einzahlen, die nicht ausbilden, obwohl sie es könnten. Betriebe, die qualitativ hochwertig ausbilden, sollen aus diesem Topf Förderungen erhalten.

Finanziert werden soll der Fonds durch ein Prozent der Jahresbruttolohnsumme durch die Unternehmen. „Wir setzen uns dafür ein, dass Lehrlinge ein gutes Leben haben, dafür brauchen sie auch eine gute Ausbildung“, sagt Katzian abschließend.

3. Österreichischer Lehrlingsmonitor – weitere Ergebnisse

  • 29 Prozent der Lehrlinge geben an, dass ihr Lehrberuf bei der Berufswahl ihr Wunschberuf war.

  • 20 Prozent der Lehrlinge in Tourismus und Freizeitwirtschaft machen unfreiwillig Überstunden.

  • 73 Prozent waren schon einmal krank arbeiten.

  • 23 Prozent haben keine Arbeitszeitaufzeichnungen.

  • 21 Prozent haben schon daran gedacht ihre Ausbildung abzubrechen. Überproportional betroffen davon sind Lehrlinge in den Branchen Tourismus/Freizeitwirtschaft und Handel.

  • 28 Prozent geben an, nach einem Arbeitstag körperlich am Ende zu sein. Deutlich über dem Durchschnitt liegen die Antworten von Lehrlingen in den Branchen Tourismus/Freizeitwirtschaft und Handel.

  • 35 Prozent sind mit ihrer Ausbildung sehr zufrieden.

  • 71 Prozent würden sich wieder für den gleichen Beruf entscheiden.

  • 28 Prozent würden sich nicht nochmals für den Betrieb entscheiden.

 

Zum Lehrlingsmonitor

Bereits zum dritten Mal hat das Österreichische Institut für Berufsbildungsforschung (öibf) im Auftrag von ÖGB und AK 5.253 Lehrlinge aus ganz Österreich zu ihrer Ausbildung befragt. 2015 wurde der Lehrlingsmonitor zum ersten Mal durchgeführt.

Alle Ergebnisse sind unter www.lehrlingsmonitor.at abrufbar.

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