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Niederösterreich

„Alexa, überwache meine MitarbeiterInnen“

Wer beim Online-Versandhändler Amazon zu langsam arbeitet, muss seinen Platz räumen

Der Onlinehändler Amazon liefert nicht nur tausende Produkte, sondern einmal mehr menschenverachtende Praktiken, was den Umgang mit seinen MitarbeiterInnen angeht. War Amazon schon in der Vergangenheit nicht gerade zimperlich, was die Überwachung seiner Beschäftigten betrifft, so werden die miesen Methoden jetzt noch ausgefeilter und brutaler.  

Jeder Schritt wird überwacht

So werden MitarbeiterInnen in deutschen Lagern von Amazon laut Medienberichten etwa in Echtzeit kontrolliert. Die ständige Leistungskontrolle dient zur Überprüfung, ob die Menschen produktiv genug sind.

So funktioniert's: Die Beschäftigten müssen jeden ihrer Arbeitsschritte mitscannen. Vorgesetzte haben Zugriff auf diese Informationen und sollte jemand einige Minuten nichts scannen, wird umgehend überprüft, was der Grund dafür ist. Also, ob der oder die Betroffene etwa zu viel mit KollegInnen geplaudert hat oder zu oft am Klo war. 

Wer zu langsam ist, fliegt

Das Ziel dahinter: JedeR Beschäftigte muss eine bestimmte Durchschnittsgeschwindigkeit erreichen. Wird diese nicht geschafft, gibt Amazon, nach eigenen Angaben, "Hilfestellungen", damit die Beschäftigten schneller werden. Die MitarbeiterInnen sind so einem ständigen Wettbewerb ausgesetzt - wer zu wenig bzw. weniger als die KollegInnen leistet, muss mit einer Kündigung rechnen. Entschieden wird das durch eine Software.

High-Tech im Einsatz gegen Gewerkschaften 

Damit die ArbeiterInnen bei dem US-Unternehmen noch mehr Leistung erbringen, fährt Amazon auch andere Überwachungsmaßnahmen drastisch nach oben. Überwachungskameras, Kontrollarmbänder, Navigationsprogramme, Wärmebildkameras und Scanner spionieren aber nicht nur die Belegschaft in Geschäften und Lagerhäusern aus, diese technischen Mittel werden jetzt auch dafür eingesetzt, eine Organisation der ArbeitnehmerInnen – etwa in Form eines Betriebsrats – zu verhindern.

Mit Hilfe der Wärmebilder wird die Stimmung unter den Beschäftigten ausgelotet, um herauszufinden, wo es ein Risiko der Bildung einer Interessenvertretung gibt. Auf bisher nie gekannte Art und Weise wird so der Bildung von Gewerkschaftsgruppen ein Riegel vorgeschoben. „Das ist eine ganz neue Qualität von Spitzelmethoden. So etwas habe ich noch nie erlebt“, sagt ÖGB-Arbeitsrechtsexperte Martin Müller zu den Big-Brother-Methoden bei Amazon.  

Streng verboten in Österreich  

In Österreich hat der Online-Handelskonzern vor kurzem ein neues Verteilzentrum in Wien-Liesing eröffnet. Der Einsatz derartiger Überwachungstechnik wie in den USA ist bei uns nicht möglich, beruhigt Müller: „Diese Art von Überwachung ist bei uns untersagt. Hier wird die Menschenwürde eindeutig verletzt.“

Um zu verhindern, dass sich Beschäftigte organisieren, setzt Amazon aber nicht nur auf Technologie, sondern greift auch auf traditionelle Methoden: Beschäftigte werden kurzerhand versetzt, bevor sie sich zu einer Gruppe zusammenschließen und für bessere Arbeitsbedingungen einsetzen zu können. 

Kein Wort von Amazon   

Von Amazon gibt es zu den Vorwürfen übrigens keine Stellungnahme. Aufgedeckt hat die Pläne eine Gruppe von JournalistInnen, ForscherInnen und RechtsanwältInnen aus den USA, die gegen Kartelle und monopolartige Strukturen vorgeht. 

 

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