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Oberösterreich

„Dass man Frauen an den Herd drängt, ist unverständlich!“

Interview mit ÖGB-Frauenvorsitzender Elfriede Schober über Frauenpolitik in Oberösterreich

Solidarität: Was sind die drei dringendsten Anliegen von Arbeitnehmerinnen in OÖ:

Elfriede Schober: Das wichtigste gerechte Einkommen. In OÖ verdienen Frauen bei Vollzeit noch immer mehr als ein Viertel weniger als ihre männlichen Kollegen. Wir liegen da im Ländervergleich an vorletzter Stelle. Der zweite wichtige Punkt ist die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Denn nur wenn die nötigen Kinderbetreuungseinrichtungen vorhanden sind, haben Frauen auch die Möglichkeit, Vollzeit zu arbeiten. Häufig sind junge Eltern verzweifelt, wenn nach der Karenz der Wiedereinstieg ansteht und kein Betreuungsplatz vorhanden ist. Der dritte Punkt, der Arbeitnehmerinnen in OÖ beschäftigt, ist die Digitalisierung. Durch die technologischen Fortschritte beschleunigt sich nicht nur das Tempo am Arbeitsplatz, es werden in manchen Bereichen auch Arbeitsplätze wegfallen, neue Arbeitsplätze werden entstehen. Wir brauchen dringend gezielte Qualifizierungsmaßnahmen für Frauen.

Wie beurteilst du die Frauenpolitik der oö. Landesregierung?

Dass es im Jahr 2018 noch immer Tendenzen gibt, die Frau zurück an den Herd zu drängen oder dass Alleinerzieherinnen diejenigen sind, die von so genannten Sparmaßnahmen am härtesten getroffen werden, ist für mich einfach unverständlich. Das passiert durch Kürzungen bei der Wohnbeihilfe und der Mindestsicherung. Außerdem müssen Eltern jetzt für Kinderbetreuung zahlen, dafür gibt es eine Herdprämie von 700 Euro, wenn kein Betreuungsplatz in Anspruch genommen wird. Das alles erschwert  es Frauen, einer Erwerbsarbeit nachzugehen, die sie finanziell unabhängig macht und vor Altersarmut schützt.

Wie stehst du zur eingeführten Kindergartengebühr?

Die Situation in OÖ wird dadurch noch einmal verschärft, anstatt sie zu verbessern. Wir wissen von den Gemeinden, dass viele Eltern die Kinder abgemeldet haben. Dadurch besteht die Gefahr, dass zu wenige Kinder in den Gruppen wären und die Nachmittagsbetreuung eingestellt wird. Das nimmt auch den Eltern, die sich die Kosten für die Nachmittagsbetreuung zwar leisten könnten, die Möglichkeit, ihren Job so weiter zu machen wie bisher. Wenn Gruppen geschlossen werden,  bzw. wenn weniger Kinder in den Gruppen sind, heißt das leider auch Personalkürzungen.

Was müsste geschehen, damit Eltern Beruf und Familie besser vereinbaren können?
Es braucht dringend den weiteren Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen. Hier haben wir als OÖ die rote Laterne im Ländervergleich. Es nützt einer Arbeitnehmerin nichts, wenn die Betreuungseinrichtung nur vormittags geöffnet hat oder während der gesamten Ferien geschlossen ist. Es braucht Einrichtungen, die Vollzeitarbeit ermöglichen. Wichtig ist das Aufbrechen der traditionellen Rollenverteilung. Nach wie vor leisten Frauen den Löwenanteil an unbezahlter Arbeit. Nicht nur bei den Kindern sind es die Frauen, die da die Aufgabe übernehmen. Auch wenn es um die Pflege von erkrankten Angehörigen geht, sind es meist die Frauen die beruflich zurück stecken und sich um die Pflege kümmern. Ein Rechtsanspruch auf Papamonat, Familienhospizkarenz oder Pflegeteilzeit, aber auch der Ausbau von Tagesbetreuungsstrukturen für ältere Menschen oder Pflegefreistellung unabhängig vom Wohnsitz, würden aus unserer Sicht endlich mehr Schwung in die familiäre Arbeitsaufteilung bringen. Wir brauchen dazu aber auch die Unternehmen, die ihre gesellschaftliche Verantwortung übernehmen und den Männern keine Steine in den Weg legen, wenn diese in Karenz gehen wollen. Außerdem müssen wir daran arbeiten, Arbeitszeitmodelle weiter zu entwickeln, die Vereinbarung von Beruf und Privatleben ermöglichen.

Was sind notwendige Schritte gegen die massiven Einkommensunterschiede?

Wir brauchen schnellstens kollektivvertragliche Mindestlöhne von 1.500 Euro, der nächste Schritt ist sind dann 1.700 Euro. Besonderes Augenmerk müssen wir bei den Kollektivvertragsverhandlungen auf die typischen Frauenbranchen wie Gesundheit, Pflege oder Soziales legen. Wir brauchen 100prozentige KV Abdeckung, damit wir auch jene Menschen erreichen, die bisher ohne Regelungen sind. Wichtig sind eine Weiterentwicklung der Einkommensberichte und Sanktionen für Betriebe, die entweder keinen Einkommensbericht erstellen oder aber nichts verbessern, wenn es Benachteiligung gibt.
Außerdem müssen wir alles daran setzen, dass es eine gesetzliche Anrechnung von Karenzzeiten auf alle dienstzeitenabhängigen Ansprüche gibt.


 

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