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Oberösterreich

Mehr Hebammen braucht das Land

Mehr Ausbildungsplätze, um die benötigten Stellen besetzen zu können!

In den vergangenen zehn Jahren ist die Anzahl der Geburten in Oberösterreich von 13.297 (2007) auf 15.342 (2017) gestiegen. Das ist eine Steigerung von mehr als 15 Prozent. Durch diese Entwicklung ist selbstverständlich auch der Bedarf an Hebammen deutlich gestiegen. Leider aber gibt es in Oberösterreich, wie in ganz Österreich, einen akuten Mangel an Hebammen, der sich zuletzt deutlich verschärft hat. „Die Arbeit der Hebammen ist einzigartig und nicht ersetzbar. Deswegen muss der Personalschlüssel endlich an den Bedarf angepasst werden“, fordert Branko Novakovic, Vorsitzender der ARGE Fachgruppenvereinigung für Gesundheits- und Sozialberufe im ÖGB OÖ, das Schaffen von zusätzlichen Stellen für Hebammen.

Auch Bezahlung zu niedrig
Neben der zu geringen Anzahl an Stellen kämpfen die Hebammen in Oberösterreich auch mit einer finanziellen Schlechterstellung. Während in den Nachbarbundesländern Niederösterreich und Salzburg Hebammen ein Gehalt im dritten Jahr von 2754 bzw. 2935 Euro erhalten, sind es für die beim Land Oberösterreich angestellten Hebammen nur 2574 Euro für jene, die auf der Station und in den Ambulanzen eingesetzt sind, und 2712 Euro für Hebammen im Kreißzimmer. „Beschäftigte im medizinisch-technischen Bereich dagegen werden höher eingestuft, obwohl die Hebammen mehr eigenverantwortliche Tätigkeiten in teilweise sehr heiklen Situationen ausüben müssen. Man darf nicht vergessen, dass sie oft das Leben von Mutter und Kind in ihren Händen halten und sehr viele Geburten völlig ohne einen Arzt stattfinden. Das ist in anderen Berufsgruppen in dieser Gehaltsstufe nicht der Fall“, argumentiert Novakovic. Deshalb fordern die Hebammen, dass sie zumindest wie der medizinisch-technische Dienst mit einem Gehalt im dritten Jahr von derzeit 2712 Euro eingestuft werden. „Betrachtet man aber das Berufsbild, wäre es am gerechtesten, wenn man sie von Anfang an und nicht erst nach drei Jahren, wie es bei MTDs und BMAs der Fall ist, eine Stufe darüber einordnet“, so Novakovic. Dann würde das Gehalt von ca. 2850 Euro zwischen den Nachbarbundesländern NÖ und S liegen. (In der Steiermark ist das Gehalt nach drei Jahren mit 2613 Euro etwas niedriger als in OÖ/NÖ/Salzburg, steigt aber viel schneller an, so dass am Ende der Laufbahn ein Betrag von 4186 Euro erreicht wird, was um 600 Euro mehr ist als in OÖ) Das Gehalt im dritten Jahr wurde für den Vergleichszweck deswegen ausgewählt, weil manche Bundesländer im ersten Jahr nicht das volle Gehalt auszahlen. (OÖ 95% und NÖ 90%)

Situation am Kepler Uniklinikum
Plastisch wird der Hebammenmangel am Beispiel des Kepler Universitätsklinikums (KUK) in Linz. So ist dort die Zahl der Geburten von 2007 bis 2017 von 2748 auf 3957 gestiegen – der mit Abstand höchste Wert aller oberösterreichischen Krankenhäuser. Die Zahl der Betreuungsfälle ambulanter Patientinnen hat sich alleine von 2012 bis 2016 von 1631 auf 3025 fast verdoppelt. Im krassen Gegensatz dazu ist die Zahl der Hebammen (derzeit 85) seit 2007 praktisch nicht mehr gestiegen. „Man muss dabei auch beachten, dass wir in dieser Zeit auch Kündigungen und Pensionierungen hatten“, sagt Betriebsratsvorsitzender Helmut Freudenthaler. In einem Krankenhaus wie dem KUK bräuchte man aktuell sowohl im Kreißzimmer als auch in den Ambulanzen je eine zusätzliche Hebamme pro Tag- und Nachtdienst. Das KUK hat bereits sechs neue Hebammenstellen für das Kreißzimmer ausgeschrieben. Diese können allerdings im Moment gar nicht besetzt werden, weil es zu wenige ausgebildete Hebammen gibt. Die Idee, die Lücke zumindest vorübergehend mit Hilfskräften zu füllen, die etwa Reinigungsarbeiten abnehmen könnten, wurde bisher nicht umgesetzt. „Hier im KUK kennen wir die genauen Zahlen – das Problem der fehlenden Hebammen ist aber nicht auf unser Krankenhaus beschränkt, sondern ein Problem, das es in ganz Österreich gibt“, sagt Freudenthaler.

Ausbildung: Zu spät reagiert
Dass es einen Mangel an Hebammen gibt, hat auch damit zu tun, dass es in der Vergangenheit viel zu wenige Ausbildungsplätze für Hebammen gegeben hat. Seit 2005 gab es die Ausbildung an der Fachhochschule in Linz jeweils im 1. Jahr (18 Studierende), im 2. Jahr (24 Studierende), während im dritten Jahr Pause gemacht wurde, ehe dieser Ablauf wieder von neuem startete. Erst ab Herbst 2018 soll die Hebammenausbildung nun jährlich beginnen. „Das ist zwar grundsätzlich positiv, allerdings kommt dieser Vorstoß aus unserer Sicht viel zu spät“, sagt Ulrike Spinka, Hebamme am KUK. Sie weist auch darauf hin, dass nicht nur in den Krankenhäusern die Hebammen fehlen würden. „Auch Kassenverträge sind kaum noch zu besetzen.
Frauen bekommen oft keine Hebamme mehr, wenn sie zu spät eine Nachbetreuung organisieren“, unterstreicht Spinka den Bedarf an zusätzlichen Ausbildungsplätzen.


Kundgebung am Martin-Luther-Platz
Um auf ihre Probleme auch im öffentlichen Raum aufmerksam zu machen, fand am 8. Mai, von 15.00 bis 17.00 am Martin-Luther-Platz im Zentrum von Linz eine Kundgebung der Hebammen unter dem Motto „Das Leben braucht einen guten Anfang!“ statt. Dort haben die Hebammen auf ihre zentralen Forderungen aufmerksam gemacht:

- Wir brauchen mehr Hebammen! Es müssen neue Stellen geschaffen werden, damit eine qualitativ hochwertige Versorgung von Müttern und Kindern weiter gewährleistet werden kann.
- Mehr Ausbildungsplätze, um die benötigten Stellen besetzen zu können!
- Hebammen verdienen mehr! Für eine Anhebung der Gehälter durch eine fairere Einstufung!

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