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Oberösterreich

Psychische Krankmacher in der Arbeit

ÖGB diskutiert mit Univ. Prof. Dr. Jörg Flecker Lösungsansätze

Steigendes Arbeitstempo, Unsicherheit im Job oder zu wenig Anerkennung sind Belastungen, die ArbeitnehmerInnen psychisch krank machen. Unternehmen können vorbeugen indem sie auf die menschlichen Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter eingehen, meint Univ. Prof. Dr. Jörg Flecker bei einer Diskussionsveranstaltung des ÖGB zum Thema psychische Belastungen am Arbeitsplatz am 9.März im Kulturzentrum Lenzing.   

Zahl der psychischen Erkrankungen steigt dramatisch

Bei seinem Vortrag ging Flecker der Frage „Ist es besser, seine Arbeit zu lieben oder zu hassen?“ auf den Grund. „Stimmt die Balance zwischen Leistung und Belohnung nicht mehr, kann das schnell zu psychischen Erkrankungen führen“, stellt Flecker klar. Mit ihm diskutierten ÖGB Regionalvorsitzender Josef Ablinger, WKO-Obmann Stefan Preishuber und Gerhard Hannerer von der Stiwa Holding. „Das Thema ist wichtig, weil die Zahl der psychischen Erkrankungen dramatisch ansteigt“, sagt Ablinger. „Ein Drittel der Berufsunfähigkeitspensionen ist mittlerweile darauf zurückzuführen.“

Ablinger erklärt, dass der wirtschaftliche Schaden aufgrund psychischer Erkrankungen mittlerweile 3,3 Milliarden Euro jährlich betrage, ganz zu schweigen vom persönlichen Leid des Einzelnen. 

Sehr oft werden psychische Belastungen mit Bürojobs in Verbindung gebracht. „Untersuchungen zeigen aber, dass Bauarbeiter und Installateure am häufigsten über Belastungen klagen. Grund dafür ist der ständige Termindruck und die hohe Eigenverantwortung“, stellt Flecker klar.

Unternehmen können vorbeugen 

Die gute Nachricht: Unternehmen können viel tun, um ihre Beschäftigten vor psychischen Erkrankungen zu schützen. „Den Arbeitnehmer als Mensch wahrnehmen und auch sehen, dass es familiäre Probleme geben kann, ist ein wichtiger Faktor, um für Entlastung zu sorgen“, meint der Experte. Sicherheit sei ein wichtiger Punkt, so seien etwa Festangestellte weniger belastet als Leasingpersonal. Wesentlich sei die Anerkennung der Leistung der Mitarbeiter. Dabei ist laut Flecker der Leistungsbegriff weiter zu fassen. „Dass ich auf Freizeit verzichte, Arbeiten verrichte, die ich nicht machen müsste oder mich bei einer Tätigkeit besonders angestrengt habe, sollte ein guter Chef bemerken“, betont Flecker. Auch die soziale Anerkennung der Tätigkeit sei wichtig. In Skandinavien gebe es zum Beispiel Firmen, die die Reinigung untertags erledigen lassen, damit die Arbeit nicht ungesehen bleibt und ein „Danke“ von Angesicht zu Angesicht möglich ist.

 

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