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Oberösterreich

„Frauen dürfen auch auf den Tisch hauen!“

Yvonne Gili erzählt, wie sich Frauen in Männerbranchen durchsetzen

Solidarität: Gratuliere, Du bist die erste Frau im Präsidium in der Geschichte der Gewerkschaft Bau-Holz. Warum hast Du Ja gesagt?

Gili: Wenn ich etwas verändern will, muss ich auch etwas tun. Natürlich habe ich mich mit meinem Mann abgesprochen und es ist wichtig, dass er zu hundert Prozent hinter mir steht. Aber ich hatte auch Zweifel, ob ich das kann. Deshalb habe ich mit einer erfahrenen Betriebsrätin gesprochen und die hat gesagt: Bitte mach das, wenn du die Chance hast. Du schaffst das! Und diese Zuversicht war eigentlich der Hauptgrund, warum ich mich dafür entschieden habe. Auch das Unternehmen steht dahinter. Die Firma ewe ist sogar stolz darauf, dass eine ihrer Mitarbeiterinnen im Gewerkschaftspräsidium vertreten ist.

Warum wurdest ausgerechnet Du ausgewählt?

Ich bin nicht auf den Mund gefallen und traue mich, Dinge anzusprechen, die mich stören.

Was sind die Anliegen von Frauen in der Bau-Holz-Branche?

Gleichberechtigung am Arbeitsplatz ist ein Riesenthema. Der Umgangston in unseren Branchen ist manchmal rau, da musst du was aushalten. Viele Frauen trauen sich auch Jobs als Vorarbeiterin gar nicht zu, weil sie unter lauter Männern sind. Dazu kommt das Problem, das auch Frauen in anderen Branchen haben. Von 50:50 bei Haushalt und Kindererziehung sind wir noch weit weg und deshalb stecken viele Frauen beruflich zurück.

Mit welchen Fragen kommen bei euch im Betrieb Frauen zu dir?

Meistens geht es um kleinere rechtliche Auskünfte oder um das Ersuchen, dass ein Arbeitsplatz überprüft wird. Eines ist auffällig: die Frauen kommen selten wegen sich selbst, meistens wollen sie jemand anderem helfen.

Was möchtest du für Frauen erreichen?

Ich habe nie verstanden, warum in so vielen Unternehmen Frauen und Männer nicht gleich bezahlt werden. Bei ewe gibt es das nicht, es ist der Arbeitsplatz bewertet. Das sollte doch überall möglich sein, dafür setze ich mich ein. Wir müssen es schaffen, dass Gleichberechtigung normal wird.

Warum hast du dich überhaupt für einen Beruf in einer Männerdomäne entschieden?

Ich komme aus einer Tischlerfamilie und habe schon in der Volksschule entschieden, dass ich das auch machen möchte, obwohl mir viele Menschen gesagt haben, das geht nicht, das ist nichts für ein Mädchen. Zum Glück komme ich aus einem weltoffenen Elternhaus. Ich glaube, dieses Klischeedenken ist der Hauptgrund, warum viele Frauen eher klassische Berufe wählen. Mädchen brauchen Vorbilder, denen sie nacheifern können und Unterstützung von der Familie.

Hast du in deinem Berufsleben schon Nachteile gehabt, weil du eine Frau bist?

Ja, in der Lehre. Ich habe Haus- und Innentürentischlerin gelernt und die Türen sind natürlich sehr schwer. Da bekam ich es schon manchmal zu spüren, dass mich Kollegen nicht für eine vollwertige Unterstützung gehalten haben. Richtig diskriminiert habe ich mich nie gefühlt.

Welche Tipps würdest du anderen Frauen geben, die in einer männlich dominierten Branche arbeiten?

Frau darf sich auf keinen Fall alles gefallen lassen. Wir dürfen auch einmal mit der Faust auf den Tisch hauen. Ganz oft muss man Dinge, die einen stören, nur ansprechen, denn sonst weiß ja das Gegenüber nicht, dass er etwas falsch gemacht hat. Und wenn es Probleme gibt, sollte man sich Hilfe suchen, etwa beim Betriebsrat oder der Gewerkschaft. Dort bin ich noch nie enttäuscht worden.

Yvonne Gili (30) aus Waizenkirchen (OÖ) ist Bundesfrauenvorsitzende der Gewerkschaft Bau-Holz und Betriebsrätin für etwa 150 ArbeiterInnen (davon 20 Frauen) bei ewe Küchen in Wels, wo sie als Schichtleiterin in der Sondermaßabteilung arbeitet.

 

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