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Oberösterreich

MAN-Warnstreik: „Das hat Steyr nicht verdient“

5000 Menschen unterstützten öffentlichen Protest gegen geplante Werksschließung in Oberösterreich

"Die Eigentümer treibt nur die Gier, deswegen sind wir heute hier“, so die Botschaft auf einer der vielen Tafeln bei der Kundgebung: Aus Protest gegen die geplante Schließung des MAN-Werks in Steyr, die das Aus für 2300 Arbeitsplätze bedeuten würde, organisierten die Betroffenen am 15. Oktober einen Warnstreik samt öffentlicher Betriebsversammlung.

Die Belegschaft startete zu Mittag vom Werksgelände auf den Stadtplatz von Steyr, wo ihnen viele BewohnerInnen der oberösterreichischen Bezirkshauptstadt und KollegInnen anderer Industriebetriebe einen lautstarken Empfang bereiteten.

Zahlreiche Bürgermeister der Region sowie VertreterInnen der Landes- und Bundespolitik unterstützten den Protest mit rund 5000 TeilnehmerInnen, den der ÖGB Oberösterreich und die Gewerkschaften mitorganisiert hatten.

Profitables Werk soll geschlossen werden

Das Management von MAN, das zum VW-Konzern gehört, hat die Standort- und Beschäftigtengarantie im September aufgekündigt, Ende 2023 droht dem profitablen Werk somit die Schließung. Ein Szenario, das nicht nur für die Belegschaft, sondern auch für die Region eine Katastrophe wäre, weil das Werk viele Zulieferer hat, wie Bürgermeister Gerald Hackl betonte. Die ganze Region habe sich solidarisiert, verdeutlichte der Kommunalpolitiker, was auch auf Demo-Schildern zu lesen war: „Das hat Steyr nicht verdient“.

"Die Schließung des profitablen MAN-Werks wäre ein Schlag ins Gesicht aller Betroffenen", Johann Kalliauer

„Ziel muss sein, dass hier weiter LKW gebaut werden“

Die Eigentümerfamilie des VW-Konzerns solle ihre Verantwortung wahrnehmen, appellierte Johann Kalliauer, Vorsitzender des ÖGB Oberösterreich. Die Schließung des Werks, das Jahr für Jahr Umsatzsteigerungen verzeichne, wäre ein Schlag ins Gesicht aller Betroffenen, so Kalliauer: „Das Ziel muss sein, dass hier weiter mit MAN LKW gebaut werden. Die Betriebsräte führen die Verhandlungen, Gewerkschaft und die Politik müssen sie dabei unterstützen.“

„Die gesamte Gewerkschaftsbewegung steht an der Seite der MAN-Beschäftigten“ ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian

Dieser Warnstreik war der erste Schritt eines Maßnahmenplans, den der MAN-Betriebsrat Anfang Oktober mit den Vorsitzenden der zuständigen Gewerkschaften PRO-GE und GPA-djp, sowie mit der ÖGB-Führung ausgearbeitet hatte: „Die gesamte Gewerkschaftsbewegung steht an der Seite der MAN-Beschäftigten“, machte ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian im Anschluss dieses Treffens klar – weitere Kampfmaßnahmen werden folgen.

Protest gegen Werksschließung auch bei Mayr-Melnhof

Einen Erfolg verzeichnen die Gewerkschaften unterdessen in einem Arbeitskampf an einer anderen Front: Der Kartonhersteller Mayr-Melnhof will den Standort in Hirschwang schließen, obwohl das Werk in den vergangenen Jahren Rekordergebnisse lieferte. 2018 und 2019 wurden jeweils Dividenden in der Höhe von 10 Millionen Euro ausgeschüttet. 150 ArbeitnehmerInnen sind betroffen, aus Protest gegen diese Standortschließung in Niederösterreich organisierten die Gewerkschaften PRO-GE und GPA-djp eine öffentliche Betriebsversammlung in Wien, wo der Aufsichtsrat des Konzerns am 15. Oktober tagte.

Betriebsrat und Gewerkschaften erreichen guten Sozialplan

Ein Druckmittel, das Erfolg brachte: Am Vorabend des Protests einigten sich Betriebsrat und Gewerkschaft mit dem Vorstand in der fünften Verhandlungsrunde überraschend auf einen Sozialplan, „mit dem man vor die Belegschaft gehen kann“, wie es Betriebsratsvorsitzender Wolfgang Reiter formulierte. Der Sozialplan umfasst neben einer Arbeitsstiftung ein Vorruhezeitmodell, einen Härtefonds und eine freiwillige Einmalzahlung.

Der Sozialplan sei, so Reiter, nur durch den Zusammenhalt der Belegschaft und mit der Unterstützung der Gewerkschaft möglich geworden – beides ist auch im Arbeitskampf für MAN ausreichend vorhanden.

 

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