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Oberösterreich

"Spieler sollen mitreden können"

Eishockey-Legende Philipp Lukas erzählt von erfolgreicher Gewerkschaftsgründung

Viele Menschen meinen, Sportprofis hätten ein sorgenfreies Leben. Warum habt ihr die Eishockeygewerkschaft gegründet? 

PL: Patrick Harand hat mich angesprochen. Ich war vor 20 Jahren schon bei so einem Versuch dabei, der aber gescheitert ist. Wir wollen mit der Gründung dem Eishockey in Österreich zu einem weiteren Schritt der Professionalisierung verhelfen und die Strukturen für die Spieler verbessern.

Was sind eure wichtigsten Ziele und Anliegen?

Ganz oben auf unserer Liste ist die Erstellung eines Mustervertrags und in weiterer Folge eines Kollektivvertrags. Wir orientieren uns an den Fußballern, die schon seit 30 Jahren eine Gewerkschaft haben und schon viel geschafft haben. Man stellt sich immer vor, Profi zu sein wäre das Schönste auf der ganzen Welt und man verdient einen Haufen Kohle. Es ist auch das Schönste, wenn man das Hobby zum Beruf macht. Aber den Aufwand und die Arbeitsleistung darf man auch nicht unterschätzen. Es gilt, in dieser Zeitspanne mit dem Sport Geld zu verdienen, weil man ja keinem normalen Erwerbsleben nachgehen kann. 

Was bietet ihr Mitgliedern der EishockeyspielerInnen Union (EU)?

Beratung ist wichtig. Wir wollen die Athleten während ihrer aktiven Karriere dabei unterstützen, sich im Bezug aufs weitere Erwerbsleben fitzuhalten, sich Perspektiven zu suchen und Weiterbildungsmöglichkeiten zu nützen. Wir stellen jetzt den Spielern ein erstes Webinar von der Gewerkschaft zur Verfügung. Es ist uns ein Anliegen, Möglichkeiten zu schaffen, dass sie sich weiterbilden können, dass sie nicht nur daheimsitzen und Playstation spielen und auf einmal ist der Traum zerplatzt. Der Übergang ist dann kein einfacher. 

Die Zahl der arbeitslosen Fußballer ist durch Covid massiv gestiegen. Spürt ihr auch, dass sich die Lage für die Spitzensportler durch Corona verschlechtert hat?

Den Vereinen fehlen jetzt Einnahmen, weil es keine Zuschauer gibt, da kann es sein, dass die Vereine zurückschrauben müssen und dann der eine oder die andere auf der Strecke bleibt. Auf solche Dinge im Leben kann man nicht immer vorbereitet sein. Mir geht es nicht anders, ich bin 40 Jahre alt und gehe wieder in die Schule. Das ist nicht immer einfach, aber als Sportler haben wir es in uns, dass wir uns auch aus nicht so günstigen Situationen wieder herauskämpfen. Da liegt es auch an uns als Gewerkschaft, den Jungen Optionen aufzuzeigen. Damit ist schon sehr viel geholfen. 

Wie ist die Gründung der Gewerkschaft gelaufen? 

Natürlich wurde viel Vorarbeit geleistet. Patrick hat viele Spieler kontaktiert und eruiert, ob Interesse besteht, um zu wissen, ob wir überhaupt eine Chance haben, denn diese Initiative steht und fällt mit den Spielern. Es geht darum, dass wir den Spielern ein Mitspracherecht geben. Wir wollen mit der Liga und dem Verband an einem Tisch sitzen. Die Spieler sollen mitreden können, welche Entscheidungen getroffen werden. 

Wie war der Zuspruch der Spieler?

Wir haben im September ein Spielermeeting organisiert und es ist tatsächlich aus jeder österreichischen Mannschaft ein Repräsentant gekommen. Dort haben wir unsere Idee präsentiert. Schon innerhalb einer Woche haben wir viele Mitglieder gewinnen können und sind dann an die Öffentlichkeit gegangen.

Was sind eure nächsten Vorhaben?

Wir wollen nun einen Fragebogen an die Spieler ausschicken, um zu erfahren, was sie von uns brauchen und darauf bauen wir unsere Arbeit auf. 

Gibt es auch schon erste Effekte?

Der Verband hat uns zu einem Meeting eingeladen, die Reaktion auf die Gewerkschaftsgründung war sehr positiv. Leider musste es wegen Corona abgesagt werden. Wir wollen mit dem Verband Regelungen für die Einberufung ins Nationalteam schaffen, wie die Spieler in dieser Zeit angemeldet sind, welche Entschädigungen es gibt. Mit der Liga sind wir durch die Covid-Maßnahmen in Kontakt gekommen. Natürlich hoffen wir auch dort auf Kooperation. Wir sind nicht hier, um Streit zu suchen. Wir sind hier, um die Spieler zu vertreten und das österreichische Eishockey auf ein nächstes Level zu bringen.

Worüber wollt ihr mit der Liga verhandeln?

Es geht vor allem um die Dienstverhältnisse. Wir sind nicht da, um jemandem ein Bein zu stellen. Es geht einfach darum, Sachen, die nicht korrekt ablaufen, zu erörtern und die Arbeitsverhältnisse für die Spieler zu verbessern. Unsere Vorstellung ist eben ein Mustervertrag, der für beide Seiten Klarheit schafft. Den Status als Verhandlungspartner müssen wir uns erst verdienen. Denn wie in vielen anderen Unternehmen gibt es gegenüber der Gewerkschaft Skepsis, weil wir eben die Rechte der Arbeitnehmer vertreten.

Wo siehst du die EU in ein paar Jahren?

Wir wollen wachsen und unsere Aktivitäten in das zweite Spielniveau ausweiten. Auch dort gilt es, Richtlinien und gute Arbeitsbedingungen zu schaffen. Das wäre ein positiver Schritt für die Entwicklung junger Athleten. Ein großes Ziel ist ein Berufssportgesetz, das wir als starke Sportgewerkschaft mit der Solidarität aller SportlerInnen erreichen wollen.

 

Infokasten:

Philipp Lukas (*1979) ist eine Linzer Eishockeylegende. Er stand zwischen 2000 und 2018 ununterbrochen bei den Black Wings Linz unter Vertrag und ist mehrfacher Teilnehmer an Weltmeisterschaften. Gemeinsam mit Patrick Harand und Alexander Tomanek steht er an der Spitze der EishockeyspielerInnen Union (EU), die sie gemeinsam mit Spielervertretern aller Vereine im Oktober unter dem Dach der younion _ Die Daseinsgewerkschaft gegründet haben. 

 

 

 

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