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Salzburg

Arbeitsklima-Index: Tiefster Wert seit 2004

Salzburger Arbeitnehmer sind unzufrieden wie noch nie!

So unzufrieden mit ihrer Situation wie jetzt, waren die Salzburger Arbeitnehmer noch nie! Das deckt der Arbeitsklimaindex der Arbeiterkammer auf: Der aktuelle Index-Wert von 102 ist für Salzburg nicht nur der schlechteste seit Erhebungsbeginn, sondern auch der tiefste Wert Österreichweit. „Unser System ist nicht fair, es muss sich viel ändern. Vor allem bei den Einkommen“, fordert deshalb ÖGB-Landesvorsitzender und AK-Präsident Siegfried Pichler.

Mit Einkommen massiv unzufrieden
Laut Arbeitsklimaindex sind die Salzburger mit ihrem Einkommen massiv unzufrieden. Pichler: „Der reale Lohnzuwachs findet kaum statt, hohe Steuerbelastungen und die Teuerung, speziell bei den Lebenshaltungskosten, haben die Einkommenszuwächse nicht nur komplett aufgefressen, sondern hinterlassen ungebremst ein reales Minus in den Geldbörsen der Salzburgerinnen und Salzburger. Die Sparpakete der kommenden Jahre werden kaum zur Trendumkehr führen. Alles auf Kosten der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, ohne positive Aussichten – das macht Druck und unzufrieden!“

Für Verteilungsgerechtigkeit – gegen Teuerung
Vor allem müsse, so der ÖGB-Landesvorsitzende, das trotz einiger Verbesserungen ungerechte Steuersystem endlich beseitigt werden. Pichler: „Nach wie vor werden in diesem Land Arbeitseinkommen höher besteuert als Einkommen aus Vermögen und Besitz – auch die kleineren gesetzlichen Änderungen im Zuge der aktuellen Sparmaßnahmen haben daran im Grunde nichts geändert. Für mehr Verteilungsgerechtigkeit und gegen die Teuerung zu kämpfen, bleiben nach wie vor das Ziel von Gewerkschaft und Arbeiterkammer.“

Weniger Geld, mehr Belastung - Selbstwertgefühl sinkt
„Der zunehmende Druck“, so Studienautorin Ines Grössenberger vom ZfZ der Fachhochschule Salzburg, „macht sich auch auf innerbetrieblicher Ebene bemerkbar. So werden betriebliche Sozialleistungen oder der Führungsstil immer schlechter bewertet und wird der Wunsch nach beruflicher Veränderung immer lauter.“ Zudem seien die Salzburger Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer angesichts der angespannten wirtschaftlichen Lage auch immer pessimistischer hinsichtlich einer positiven Entwicklung der österreichischen Wirtschaft. Die Arbeitsplatzsicherheit der österreichischen Jobs wird generell niedriger bewertet. „Angesichts dieser Entwicklung ist es kaum verwunderlich, dass auch die Zufriedenheit der Beschäftigten mit ihrer Rolle als Arbeitnehmer in der Gesellschaft weiter sinkt“, sagt Ines Grössenberger.
 
Historischer Tiefstand
Die Salzburger Arbeiterkammer erhebt, in Zusammenarbeit mit IFES, seit 2004 die Stimmung unter den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern mit dem Arbeitsklimaindex. War das Ergebnis schon 2011 ernüchternd, so befinden wir uns 2012 mit lediglich 102 Indexpunkten (107 im Jahr 2011) auf einem erneuten Tiefstand – und: 2012 weitet sich die Kluft zwischen der Arbeitszufriedenheit der Salzburger Arbeitnehmer und dem Durchschnitt der österreichischen Beschäftigten noch weiter aus (6 Indexpunkte Differenz).
 
Am stärksten steigt im Arbeitsklimaindex 2012 die Unzufriedenheit mit dem Einkommen, dem gesellschaftlichen Status sowie dem Führungsstil. Aber auch die Zufriedenheit mit den betrieblichen Sozialleistungen, der Zeiteinteilung und den Karrieremöglichkeiten sinkt weiter. Frauen sind nach wie vor zwar insgesamt zufriedener mit ihrer Arbeit, allerdings schließt sich die Kluft allmählich (Frauen: 103 Indexpunkt, Männer: 101). Hauptursache ist die steigende Unzufriedenheit der weiblichen Beschäftigten mit ihrem Einkommen beziehungsweise dem Auskommen damit, also der Bedürfnisdeckung.

Maßgeblich ist auch die berufliche Stellung der Frauen, die großteils als einfache Angestellte beschäftigt sind. Diese Beschäftigungsgruppe verliert in der aktuellen Erhebung generell an Zufriedenheit. Betrachtet man die Arbeitszufriedenheit nach beruflicher Stellung, so zeigte sich in den vergangenen Jahren eine immer größer werdende Kluft zwischen Arbeitern und Angestellten. Vor allem die Arbeitszufriedenheit von Hilfsarbeitern sank sukzessive nach unten, während jene der Facharbeiter relativ stabil blieb, wenn auch auf einem unterdurchschnittlichen Niveau.

Der Arbeitsklimaindex von Hilfsarbeitern liegt auch 2012 unverändert bei unterdurchschnittlichen 91 Indexpunkten. Am stärksten wirken sich die wenig optimistischen persönlichen Zukunftserwartungen dieser Berufsgruppe auf das tätigkeitsbezogene Wohlbefinden aus. Hilfsarbeiter haben weniger Aufstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten, schlechtere Aussichten hinsichtlich Jobsicherheit, sind aber gleichzeitig in höherem Maße physischen Belastungen am Arbeitsplatz ausgesetzt. Facharbeiter hingegen liegen hinsichtlich der meisten Aspekte am Durchschnitt, für ihren leicht steigenden Arbeitsklimaindex (+1) sind vor allem die positiven Einschätzungen hinsichtlich ihrer Arbeitsmarktchancen ausschlaggebend.
 
Einfache Angestellte zeigen in den meisten Bereichen eine unterdurchschnittliche Zufriedenheit, ähnlich der Hilfsarbeiter. 2012 verstärkt sich die Unzufriedenheit von einfachen Angestellten noch weiter und erreicht mit 91 Indexpunkten dasselbe Niveau wie jenes der Hilfsarbeiter. Die Ursache liegt vor allem in der steigenden Unzufriedenheit mit den Karrieremöglichkeiten, also mit Weiterbildung, Aufstiegs- und Entwicklungschancen sowie der wenig optimistischen Einschätzungen der Arbeitsmarktchancen. Gleichzeitig geben auch einfache Angestellte an, stark durch psychischen Stress in der Arbeit belastet zu sein.
 
Sowohl bei Hilfsarbeitern als auch bei einfachen Angestellten fällt die sehr niedrige und weit unterdurchschnittliche Zufriedenheit mit dem Einkommen auf: Immer mehr Beschäftigte dieser Berufsgruppen können nicht mehr von ihrem Einkommen leben.
 
P.S.: Was ist der Arbeitsklima-Index?
Der Arbeitsklimaindex ist ein Stimmungsbarometer, mit dem man das gegenwärtige Arbeitsklima und das Wohlbefinden der Arbeitnehmer messen und Trends in der Arbeitswelt erkennen kann. Er wurde im Auftrag der Arbeiterkammer Oberösterreich von IFES (Institut für empirische Sozialforschung) und SORA (institute for social research and analysis) entwickelt und ist in Salzburg seit 2004 das Instrument zur Beobachtung und Überprüfung der Arbeitsqualität und des Wohlbefindens der Beschäftigten. Aber nicht nur die Stimmung unter den Salzburger Beschäftigten wird jährlich von der Arbeiterkammer erfasst, jährlich werden auch einzelne Branchen genau unter die Lupe genommen.

Die Erhebung und Eingabe der Daten sowie die Berechnung der Indexwerte erfolgt durch IFES, die Auswertung und Analyse der Ergebnisse durch das Zentrum für Zukunftsstudien (ZfZ) der Fachhochschule Salzburg in Kooperation mit der Salzburger Arbeiterkammer.

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