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Salzburg

Arbeitszeit: Entwicklung geht in die falsche Richtung

Nichtbezahlung von Überstunden ist Lohnraub an den Beschäftigten

Vor 55 Jahren trat am 1. Februar 1959 der Generalkollektivvertrag zur Einführung der 45-Stunden-Woche in Kraft – ÖGB und Wirtschaftskammer hatten diesen ausverhandelt. In weiterer Folge erfolgte von 1969 bis 1975 die schrittweise Verkürzung der Normalarbeitszeit auf 40 Stunden pro Woche. Ab  1985 wurde die Arbeitszeit in einzelnen Branchen auf 38,5 Stunden pro Woche weiter verkürzt.

 

„Beim Blick in die Betriebe fällt auf, dass vielerorts die 45-Stunden-Woche noch immer Realität ist. Daten der Eurostat, dem statistischen Amt der Europäischen Union belegen, dass Unselbstständige mit Vollzeitjobs durchschnittlich 41,8 Wochenstunden arbeiten. Wir liegen damit im europäischen Spitzenfeld. Nur die Briten arbeiten mit 42,2 Stunden pro Woche noch länger“, sagt ÖGB-Landesvorsitzender und AK-Präsident Siegfried Pichler. „Ausschlaggebend für diese Diskrepanz zwischen kollektivvertraglich geregelter 38,5-Stunden-Woche und der tatsächlich geleistete Arbeitszeit sind die vielfach verlangten Überstunden.“

Zwar seien Überstunden an sich nichts Verwerfliches, sollten jedoch zur Abdeckung von Spitzen dienen und nicht der Normalfall sein. Hinzu komme, dass im Jahr 2012 69 Millionen der insgesamt 300 Millionen geleisteten Überstunden nicht bezahlt worden seien. „Das ist Lohn- und Gehaltsdiebstahl an den Beschäftigten“, stellt Pichler klar. „Wenn die ArbeitnehmerInnen dazu bereit sind über die Normalarbeitszeit hinaus zu arbeiten, dann sollen sie gefälligst dafür bezahlt werden.“ Um diese Praxis einzudämmen fordert Pichler gesetzliche Änderungen im Klagsfall. „Derzeit bekommen ArbeitnehmerInnen ihre berechtigten Forderungen im Klagsfall ohne Strafzuschlag ausbezahlt. Das ist zu wenig. Nur wenn es die Arbeitgeber im Börsel spüren, dass sie was falsch gemacht haben, wird sich auch was ändern. Die Ansprüche bei Nichtbezahlung sollten sich daher verdoppeln.“

ÖGB-Landesgeschäftsführerin Heidi Hirschbichler weist zusätzlich auf den gesundheitsschädlichen Aspekt regelmäßiger überlanger Arbeitszeiten hin. „Die langen Arbeitszeiten machen nachweislich krank. Während die Allgemeinheit durch hohe Krankenversicherungsausgaben und Pensionskosten aufgrund von Frühpensionierungen zur Kasse gebeten wird, streifen die Betriebe die Gewinne ein. Diese Praxis gehört abgestellt“, sagt Hirschbichler.

Um Überstunden für Unternehmen unattraktiver zu machen, müssten sich diese verteuern. „Arbeitgeber sollen eine Abgabe von einem Euro pro Überstunde leisten. Die zusätzlichen Einnahmen sollen je zur Hälfte an AMS und Krankenversicherung fließen und somit für aktive Arbeitsmarktpolitik bzw. für die Behebung gesundheitlicher Schäden eingesetzt werden“, erklärt Hirschbichler. Wahrscheinlich scheint auch eine Entlastung des aktuell sehr angespannten Arbeitsmarkts. „In Salzburg sind derzeit so viele Menschen wie noch nie arbeitslos. Wenn Überstunden unattraktiv gemacht werden, müssten zusätzliche ArbeitnehmerInnen für die Bewältigung der anstehenden Arbeit eingestellt werden. Dies wäre somit eine wirkungsvolle Maßnahme im Kampf gegen steigende Arbeitslosigkeit“, schließt Hirschbichler.

 

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