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Salzburg

Kosten für Sozialversicherung weiterhin gerecht teilen

Stefan Stögermair, Samed Aksu, Jasmin Ntwanya, Julia Matousch, Oliver Görze, Stojan Dobras und Osman Günes (v. l.).

„Es ist schon in Ordnung wenn der Präsident der Wirtschaftskammer auf seine ,Schützlinge‘ schaut, dabei sollte er aber bei den Fakten bleiben und zumindest versuchen beide Seiten der Medaille zu betrachten“, entgegnet Andreas Huss, GKK-Obmann und Landesgeschäftsführer der Gewerkschaft Bau-Holz (GBH). Huss bezieht sich auf Aussagen des Salzburger WK-Präsidenten Steindl, der zum wiederholten Mal die hohen Kosten der Sozialversicherungsbeiträge kritisiert und im Wesentlichen eine Abwälzung der Kosten auf die ArbeitnehmerInnen gefordert hat.

„Die Krankenstände sinken erfreulicherweise. Ein Grund dafür ist, dass sich immer mehr Betriebe in Salzburg um die Gesundheit ihrer MitarbeiterInnen bemühen. Kein Wunder: Schließlich profitieren sie wirtschaftlich davon, wenn ihre MitarbeiterInnen gesund sind. Rund 45.000 MitarbeiterInnen werden derzeit in Salzburg von den Gesundheitsförderungsmaßnamen der SGKK erreicht. Damit unterstützt die SGKK mit den Krankenversicherungsbeiträgen die engagierten Betriebe maßgeblich", so Huss.

Fakt ist aber auch, dass sich viele ArbeitnehmerInnen aus Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes krank in die Arbeit schleppen. Dieses Phänomen korreliert seit vielen Jahren mit der Arbeitslosigkeit. Je höher die Arbeitslosigkeit ist, umso stärker gehen die Krankenstandstage zurück. Allein zwischen 2013 und 2014 konnte ein Rückgang von 10,75 auf 10,17 Tage pro Erwerbstätigen verzeichnet werden.

„Bei dieser österreichweit geringsten Krankenstandsdauer von 10,17 Tagen ist es befremdend, dass WK-Präsident Steindl den Salzburger ArbeitnehmerInnen pauschal unterstellt regelmäßig ,krankzufeiern‘. Diese Behauptung entbehrt jeglicher Grundlage“, so Huss.

Betriebe zahlen Entgeltfortzahlung nicht allein
Unverständlich ist für Huss auch Steindl’s Kritik an der Entgeltfortzahlung bei Freizeitunfällen. „Es stimmt einfach nicht, dass Betriebe immer die vollen Kosten der Entgeltfortzahlung alleine tragen. Im Rahmen der Haftplichtablöse der AUVA bekommen Unternehmen bis 50 MitarbeiterInnen 50 Prozent der Entgeltfortzahlungskosten im Krankheitsfall – also auch bei Freizeitunfällen und anderen Krankenständen – rückerstattet. Begründet ist dies in der Tatsache, dass die AUVA, die Allgemeine Unfallversicherungsanstalt, geschaffen wurde, um den Unternehmen das hohe Risiko der Haftpflicht abzulösen. Ohne diese Unternehmerhaftpflichtablöse würden Unternehmer grundsätzlich für jeden Arbeitsunfall und jede Berufskrankheit, die in deren Unternehmen anfällt, persönlich haften und müssten für alle Kosten der Heilbehandlung und der Rehabilitation persönlich aufkommen“, erklärt Huss. „Vom solidarischen Versicherungssystem profitieren daher auch die Unternehmen!“

Der GKK-Obmann erinnert auch an den Vorschlag der Arbeitnehmerinteressenvertretung, dass die hervorragende Präventionsarbeit der AUVA nicht nur für Arbeitsunfälle genutzt werden soll, sondern auch für Freizeitunfälle. „Warum darf sich die AUVA nur um die Verhinderung von Schnittverletzungen von Köchen in Betrieben kümmern, nicht aber um eventuelle Schnittverletzungen in unseren privaten Küchen? Oder Maßnahmen zum Schutz von Unfällen mit
Arbeitsgeräten in Betrieben, nicht aber zum Schutz vor unseren privaten Geräten in Gärten und Haushalten. Leider will die WKO davon seit Jahren nichts hören“, sagt Huss.

Überstunden lassen Arbeitsunfallrisiko steigen
„Wir wissen, dass Zeitdruck und Überstundenarbeit gerade bei manuellen Berufen das Unfallrisiko schlechthin darstellt. Ab der zehnten Arbeitsstunde verdoppelt sich das Unfallrisiko, ab der zwölften Stunde ist es drei Mal so hoch wie in der Normalarbeitszeit. Der von der Wirtschaftskammer wiederholt geforderte 12-Stunden-Tag stellt daher ein enormes Unfallrisiko dar“, erklärt Huss.

Positiv denken statt immer nur jammern
„Herr Präsident Steindl verkennt wider besseren Wissens, dass das österreichische Sozialsystem im Wesentlichen von den ArbeitnehmerInnen selbst getragen wird und dieses System zu einer der weltweit höchsten Produktivitätsraten beiträgt. Von Unternehmensbefragungen wissen wir, dass der soziale Frieden in unserem Land, die Ausbildung und die Produktivität unserer ArbeitnehmerInnen als wesentliche Standortfaktoren geschätzt werden. Ich würde mich freuen wenn die Interessenvertretung der Arbeitgeber das Gejammere beenden und sich stattdessen von Optimismus und positivem Denken leiten lassen würden“, so Huss.

Abschließend wünscht sich Othmar Danninger, Landesvorsitzender der GBH, dass jene Unternehmer, die täglich erklären, dass die ArbeitnehmerInnen länger arbeiten müssen, um das Sozialsystem zu finanzieren auch tatsächlich ältere ArbeitnehmerInnen beschäftigen. „Aus meiner Beobachtung weiß ich, dass diejenigen, die am lautesten sind, meist bei der Beschäftigung von älteren ArbeitnehmerInnen die Letzten sind."


Ein Gedankenspiel zu den Sozialversicherungsbeiträgen:
Ein Bauunternehmer kalkuliert pro Arbeitsstunde eines Maurers 36 Euro als Personalkosten. Diese 36 Euro verrechnet er dem Auftraggeber weiter.
In diesen Personalkosten ist der Lohn sowie Steuern und Sozialversicherungsbeiträge, die der Unternehmer auf Grund der Beschäftigung an den Maurer, an das Finanzamt und die Sozialversicherung (AG- und AN-Beiträge) abführen muss, kalkuliert.
Es sind aber auch mögliche Krankenstände, Urlaube und andere, nicht produktive Zeiten  in dieser Kalkulation enthalten. Sollten diese Posten nicht enthalten sein, würde der Unternehmer betriebswirtschaftlich fahrlässig handeln.
Mit seiner Arbeitsleistung erwirtschaftet der Maurer in weiterer Erfolge für den Unternehmer pro geleisteter Arbeitsstunde 36 Euro.
In Wahrheit bezahlt (erwirtschaftet) demnach nicht der Unternehmer die Steuer und Sozialversicherungsabgaben (inkl. der Haftpflichtablöse bei der AUVA, für die der Unternehmer zuständig wäre), sondern der Arbeitnehmer.

 

 

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