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Tirol

16 Punkte zur Aufwertung der Lehre

ÖGB Tirol präsentiert breit gefächertes Maßnahmenpaket

Fachkräftemangel, hunderte offene Lehrstellen und ein alarmierend hoher Anteil an nicht bestandenen Lehrabschlussprüfungen prägen derzeit das Thema Lehre in Tirol. Der ÖGB hat ein 16 Punkte umfassendes Programm zur Aufwertung der Lehre ausgearbeitet, das politischen EntscheidungsträgerInnen zur Umsetzung übermittelt wird. Darunter finden sich Forderungen wie eine Mindestlehrlingsentschädigung von 700 Euro ab dem ersten Lehrjahr, die Schaffung von 50 zusätzlichen Lehrstellen in landesnahen und -eigenen Einrichtungen, leistbare Mobilität sowie die Einrichtung eines eigenen Jugend- und Lehrlingsinspektorats.

Aktuell befinden sich weniger als 11.000 jugendliche TirolerInnen in einer Lehrausbildung – 3.000 weniger als noch vor zehn Jahren. „Die Gründe für die sinkenden Lehrlingszahlen sind vielfältig. Aus diesem Grund ist es besonders wichtig, dem Problem mit einem breit gefächerten Maßnahmenkatalog zu begegnen“, ist Tirols ÖGB-Vorsitzender Philip Wohlgemuth überzeugt. Der finanzielle Aspekt ist einer von vielen. „Wir fordern eine monatliche KV-Mindestlehrlingsentschädigung von 700 Euro brutto im ersten Lehrjahr, um dem Trend, die Tätigkeit einer Hilfsarbeit der Lehrausbildung vorzuziehen, entgegen zu wirken. Im zweiten Lehrjahr sollen Lehrlinge 900 Euro bekommen, im dritten 1.100 Euro und im vierten 1.300 Euro. Weiters soll ein Gratis-Führerschein und die kostenlose Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel ein weiterer Anreiz sein, eine Lehre zu ergreifen“, so Wohlgemuth. Berufs- und Bildungsorientierung ab der ersten Bildungsstufe sieht er als Basis, damit Jugendliche überhaupt über ihre Möglichkeiten informiert werden.

Zusätzliche Lehrstellen und eigenes Lehrlingsinspektorat

ÖGB-Landessekretär Benjamin Praxmarer richtet einen Appell an das Land Tirol: „Bis zum Jahr 2019 fordern wir 50 zusätzliche Lehrstellen in landesnahen und -eigenen Einrichtungen, außerdem sollte im öffentlichen Dienst in Zeiten hoher Jugendarbeitslosigkeit bewusst ‚über Plan‘ ausgebildet werden. Es benötigt außerdem die Schaffung eines eigenen Jugend- und Lehrlingsinspektorats, das eigenständig arbeitet und nicht in Verbindung mit der Lehrlingsstelle der Wirtschaftskammer steht. Obwohl es erst ab dem 18. Lebensjahr erlaubt ist, leisten viele Lehrlinge regelmäßig Überstunden – die Einhaltung der Schutzbestimmungen muss unbedingt kontrolliert werden!“ Zudem soll die Lehrlingsstelle aus den Räumlichkeiten der Tiroler Wirtschaftskammer ausgesiedelt und unabhängig und paritätisch besetzt werden. „Das Berufsschulwesen des Landes ist aktuell in mehreren Abteilungen verteilt. Es wäre wünschenswert, diese wichtigen Stellen zu vereinen und auf neutralen Boden zu verlegen“, so Praxmarer.

Probezeitverkürzung und Verlagerung der Lehrabschlussprüfung

„Derzeit beträgt die Probezeit drei Monate, während der das Lehrverhältnis beidseitig jederzeit aufgelöst werden kann. Leider wird die Probezeit häufig dazu missbraucht, um Lehrlinge als billige Arbeitskräfte zu nutzen – speziell in Saisonbetrieben. Daher ist die umgehende Verkürzung der Probezeit auf nur einen Monat besonders wichtig“, weiß Wohlgemuth. Alarmierend ist der Anstieg der Quote der nicht bestandenen Lehrabschlussprüfungen: waren es im Jahr 2006 noch ca. 18 Prozent, sind es mittlerweile fast ein Viertel aller Lehrlinge, die die Prüfung nicht schaffen. „Wir fordern die Verlagerung der Lehrabschlussprüfungen in die Berufsschule. Wenn die Auszubildenden mit der Umgebung und den Maschinen, Küchengeräten, EDV-Programmen etc. vertraut sind, treten sie gelassener zur Prüfung an“, ist Wohlgemuth überzeugt. In Form von freiwilligen Zwischenprüfungen soll zudem das angeeignete Wissen regelmäßig überprüft werden können.

Berufsschulinternat muss gratis bleiben

„Das kostenlose Berufsschulinternat ist ein Meilenstein gegen Lehrlingsarmut und eine Win-Win-Situation für alle, denn auch die Unternehmen profitieren.“ Bisher mussten einige Firmen die Kosten für die Internate übernehmen, damit ist jetzt voraussichtlich Schluss. „Somit ist mehr Geld da, um weitere junge Menschen auszubilden!“, sind sich Wohlgemuth und Praxmarer abschließend einig.

Die Forderungen des ÖGB Tirol im Überblick:

1.        Berufs- und Bildungsorientierung bereits ab der ersten Bildungsstufe

2.        Kollektivvertragliche Mindestlehrlingsentschädigungen pro Monat im ersten Lehrjahr von 700 Euro brutto, im zweiten Lehrjahr von 900 Euro brutto, im dritten Lehrjahr von 1.100 Euro brutto und im vierten Lehrjahr von 1.300 Euro brutto

3.        Übernahme der Kosten für den B-Führerschein, sobald ein Jugendlicher eine Lehre beginnt und das für den Führerschein vorgesehene Mindestalter erreicht hat. Die Finanzierung soll durch die öffentliche Hand erfolgen.


4.        Übernahme der Kosten für öffentliche Verkehrsmittel

5.        Aufhebung des Höchstalters von 24 Jahren als Voraussetzung für einen Anspruch auf ein Lehrlingsticket beim VVT

6.        Leistbares Parken für Tiroler Lehrlinge während des Berufsschulbesuches (Bsp.: Park & Ride-Anlagen mit Zubringmöglichkeiten)


7.        50 zusätzliche Lehrstellen in landeseigenen und landesnahen Einrichtungen bis 2019

8.        Im öffentlichen Dienst sowie dem Gemeindedienst und gemeindenahen Unternehmen soll in Zeiten hoher Jugendarbeitslosigkeit bewusst „über Plan“ ausgebildet werden.

9.        Schaffung eines eigenen Jugend- und Lehrlingsinspektorats im Land Tirol

10.        Umgehende Verkürzung der Probezeit für Lehrlinge auf einen Monat


11.        Einrichtung einer Lehrlingsstelle als eine unabhängige und paritätisch besetzte Institution

12.        Aussiedelung der Lehrlingsstelle aus den Räumlichkeiten der Tiroler Wirtschaftskammer


13.        Errichtung eines eigenen, zusätzlichen Referats für Lehrlinge und Berufsschulwesen in der zukünftigen Bildungsdirektion.

14.        Verlagerung der Lehrabschlussprüfungen in die Fachberufsschulen

15.        Freiwillige Zwischenprüfungen während der Lehrausbildung


16.        Die Aufnahme des ÖGB Tirol in die Plattform www.bildungsberatung-tirol.at, der aktuell 20 Tiroler Netzwerkpartner angehören, um auch die Expertisen der größten freiwilligen Interessensvertretung einfließen zu lassen

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