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Tirol

Jedes fünfte Kind von Armut betroffen

Wohlgemuth: „Kinderarmut raubt Zukunftschancen“

Ein Viertel (25 Prozent bzw. 372.000 Personen) aller Armuts- und Ausgrenzungsgefährdeten waren im Jahr 2018 Kinder und Jugendliche unter 20 Jahren. „Armut kann jeden treffen. Der Verlust des Arbeitsplatzes, eine Krankheit oder ein Unfall können schnell zu Einkommensverlust und Geldmangel führen. Besonders Kinder sind dann von Armut betroffen“, warnt Tirols ÖGB-Vorsitzender Philip Wohlgemuth.

Trotz steigender Beschäftigung und sinkender Arbeitslosigkeit ist Armut in Österreich weit verbreitet. Laut Armutsbericht (Statistik Austria, EU-SILC 2018) waren im Jahr 2018 rund 1,2 Millionen Menschen armutsgefährdet – das ist jede und jeder Siebente. Besonders häufig und am stärksten von Armut betroffen sind Kinder und Jugendliche in Haushalten mit mehr als drei Kindern, und Kinder, die bei Alleinerziehenden leben, Großteils bei Müttern. In vielen Regionen explodieren die Mieten, Löhne und Gehälter können mit dieser Entwicklung nicht Schritt halten.

Sparen bei Ernährung und Heizen
14 Prozent der 372.000 armutsgefährdeten Kinder und Jugendliche müssen regelmäßig bei der Ernährung sparen, fünf Prozent leben aus Kostengründen in unbeheizten Wohnungen und fast jeder dritte junge Mensch in einer überbelegten Wohnung. Für Kinder mit drohender Armutsgefahr ist es außerdem häufiger nicht leistbar, FreundInnen zum Spielen oder Essen einzuladen (7 gegenüber 1 Prozent in Haushalten ohne Ausgrenzungsgefährdung). Auch Freizeitaktivitäten wie Sport- oder Musikkurse, die mit Kosten verbunden sind, oder kostenpflichtige Schulausflüge können seltener genutzt werden.

Gesundheitliche Folgen
Eine Befragung von 500 Ärzten von Volkshilfe Österreich und der Ärztekammer Wien hatte die Einschätzung ergeben, dass Armutsbetroffenheit im Kindesalter zu deutlich höheren Gesundheitsrisiken führt physisch wie auch psychisch. „Ich hoffe sehr, dass diese Befragung die Politik zum Handeln anregt. Ich möchte in einem Land und einer Gesellschaft leben, wo jedes Kind die gleichen Chancen hat und gleich viel wert ist!“, so Wohlgemuth, der betont: „Wir leben in einem der reichsten Länder der Erde. Was haben wir davon, wenn wir nicht einmal allen Kindern eine gesunde Zukunft ermöglichen können?“

Neue Mindestsicherung verschärft Situation
„Statt eine ordentliche Absicherung für Menschen in Notsituationen zu schaffen, hat die abgewählte schwarz-blaue Regierung mit dem Sozialhilfe-Grundsatzgesetz wichtige Mindeststandards abgeschafft. Mehrkindfamilien, Menschen mit schlechteren Sprachkenntnissen und subsidiär Schutzberechtigte erhalten weniger Sozialhilfe. Es ist ein Gesetz, das Armut schafft und sich auf die Schwächsten der Gesellschafft einschießt“, so Wohlgemuth. Die Kürzung bei Kindern treibt Familien in krankmachende Lebensumstände, aus denen sie nur schwer herauskommen.

Chancenraub
„Kinderarmut ist besonders besorgniserregend, da sie Zukunftschancen raubt. Alle Kinder in Österreich müssen gleiche Chancen haben, unabhängig von der Herkunft und der Geldbörse der Eltern“, zeigt der Tiroler ÖGB-Vorsitzende auf. Er fordert eine Sozialpolitik, die den Menschen ein tragfähiges Netz bietet und verhindert, dass Menschen in Armut abgleiten, die Einführung einer gesetzlichen Unterhaltsgarantie, damit Kinder, die keinen oder einen sehr geringen Unterhalt beziehen, abgesichert sind sowie den Ausbau der flächendeckenden, kostenlosen Kindergärten, damit alle Kinder von klein an die gleichen Chancen bekommen.

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