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Tirol

ÖGB Tirol: Psychische Erkrankungen mit verheerenden Folgen

Überlange Arbeitszeiten als entscheidender Faktor
Anlässlich des heutigen Welt-Suizid-Präventionstags warnt Tirols ÖGB-Vorsitzender Philip Wohlgemuth vor steigenden psychischen Belastungen am Arbeitsplatz. Experten verweisen zudem auf einen Zusammenhang zwischen langen Arbeitszeiten und psychischen Beeinträchtigungen. Die Zahlen sind alarmierend.
 

Jeder 4. Krankenstandstag aufgrund psychischer Belastung

Im Oktober des vergangenen Jahres hat die Österreichische Gesellschaft für Arbeitsmedizin (ÖGA) ihren Leitfaden zur Beurteilung langer Arbeitszeiten veröffentlicht. Daraus geht klar ein Zusammenhang zwischen längeren Arbeitszeiten und psychischen Belastungen hervor. „Psychische Erkrankungen steigen enorm an und sind bereits an vierter Stelle bei der Anzahl der Krankenstandstage. Neben dem menschlichen Leid, das selbstredend bereits genug Handlungsauftrag wäre, geht es dabei auch um die volkswirtschaftlichen Kosten“, verweist Wohlgemuth auf die Tragweite. Er geht davon aus, dass die Corona-Krise und die daraus resultierenden Folgen wie Einkommenseinbußen und Arbeitsplatz die Situation weiter verschärft hat. Wohlgemuth vermutet einen weiteren Anstieg an psychischen Erkrankungen. 

 

Kosten von 3,3 Milliarden jährlich

Krankenstände aufgrund arbeitsbedingter psychischer Belastungen dauern länger und die gesamtwirtschaftlichen Kosten belaufen sich auf rund 3,3 Milliarden Euro jährlich. “Da muss man schon von einer wahren Kostenlawine sprechen!“, so Wohlgemuth. Er bezieht sich auf die von der Arbeiterkammer Wien beim Wirtschaftsforschungsinstitut und der Donauuniversität Krems in Auftrag gegebene Studie „Psychische Belastungen der Arbeit und ihre Folgen“. Wohlgemuth betont: „Das WIFO errechnete schon 2008, dass die direkten Kosten physischer und psychisch-sozialer arbeitsbedingter Belastungsfaktoren bis zu 50 Prozent der Krankenstandskosten von Menschen im erwerbsfähigen Alter ausmachen!“

 

Präventivmaßnahmen und Arbeitszeitverkürzung

Der ÖGB fordert daher seit langem eine gerechtere Verteilung von Arbeit sowie eine leichtere Erreichbarkeit der 6. Urlaubswoche. „Es braucht auch dringend Rahmenbedingungen für alternsgerechtes Arbeiten sowie entsprechende Präventivmaßnahmen wie OrganisationspsychologInnen verpflichtend als dritte Präventivfachkraft und verpflichtende betriebliche Gesundheitsförderung. Wir müssen die Kostenlawine, die arbeitsbedingte Erkrankungen verursachen, unbedingt aufhalten! Anstatt uns bei der Arbeitszeit am vorigen Jahrtausend zu orientieren, müssen wir endlich im 21. Jahrhundert ankommen. Eine wirklich moderne Arbeitswelt steht für gesundes Arbeiten bis in die Pension“, so der ÖGB-Vorsitzende. Die Gewerkschaft bietet in allen Tiroler Bezirken kostenlose und anonyme Erstberatung bei Mobbing und Burn-Out an.

 

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