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Tirol

Jede/r sechste ist „Working poor“

zwischen explodierenden Lebenserhaltungskosten und niedrigen Einkommen

Anlässlich der heute in Innsbruck stattfindenden Fachtagung zum Thema „Working poor“ schlägt Tirols ÖGB-Vorsitzender Philip Wohlgemuth Alarm. „Laut Armutsbericht des Landes Tirol leben 27.590 TirolerInnen trotz Vollzeitjob an der Armutsgrenze. Wir brauchen gerade in Tirol höhere Einkommen und Qualifizierungsmaßnahmen“. Jede/r sechste Tiroler/in ist arm trotz Arbeit.

Das Schwelleneinkommen beträgt 14.353 Euro netto. „In Tirol ist der Anteil an Niedriglohnbranchen besonders hoch, vor allem Frauen fallen in die Kategorie ‚Working Poor‘“, warnt Wohlgemuth. Auf der anderen Seite stehen die überdurchschnittlich hohen Lebenserhaltungskosten, allen voran die explodierenden Miet- und Immobilienpreise. „Wenn Menschen trotz Arbeit armutsgefährdet sind, müssen bei der Politik alle Alarmglocken schrillen!“

„Wir benötigen umgehend Investitionen in Aus- und Weiterbildung!“, verweist Wohlgemuth zudem auf den Zusammenhang zwischen Armut und Bildung. Bei Personen mit einem Pflichtschulabschluss beträgt das Armutsrisiko 27 Prozent. Generell könne nur ein breites Maßnahmenbündel Schritt für Schritt zur Besserung der Situation beitragen.

An kräftigen Lohn- und Gehaltserhöhungen führe daher kein Weg vorbei, der ÖGB-Vorsitzende will eine schrittweise Anhebung des kollektivvertraglichen Mindesteinkommens auf 1.700 Euro brutto. Auch die heurigen Forderungen der Gewerkschaften bei den KV-Verhandlungen seien absolut gerechtfertigt. „Ein höherer Mindestlohn, der Anstieg der Kaufkraft und die Stärkung der heimischen Wirtschaft stehen in direktem Zusammenhang, nur so kann die Konjunktur belebt werden. Ich bin davon überzeugt, dass sich ein höherer KV-Mindestlohn gerade in Tirol positiv auf die Kaufkraft auswirkt!“, so Wohlgemuth. Im vom Tourismus und Handel dominierten Bundesland sieht er aber auch eine Änderung der Branchenstruktur als wichtige Maßnahme: „Die Politik muss handeln und mehr qualifizierte High-Tech-Jobs nach Tirol bringen sowie vermehrt in soziale Infrastruktur wie Pflege und Bildung investieren. Die Investition wirkt dreifach: Arbeitsplätze entstehen erst bei der tatsächlichen Umsetzung von Investitionen, dann direkt im Betrieb von Schulen, Kindergärten usw., und zusätzlich erleichtern sie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und ermöglichen es mehr Frauen, Vollzeit zu arbeiten.“

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