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Vorarlberg

Verschärfung bei Krankenständen?

ÖGB-Landesvorsitzender Reinhard Stemmer spricht bei der geplanten Verschärfung bei Krankenkständen von „skandalösen Plänen“.
ÖGB-Landesvorsitzender Reinhard Stemmer kritisiert eine Verschärfung bei Krankenkständen.

Die Wirtschaft will Verschärfungen bei den Kontrollen von Krankenständen. Nächste Woche Dienstag könnte dies schon im Überleitungsausschuss der ÖGK beschlossen und in die Wege geleitet werden. „Die ArbeitgeberInnenseite stellt damit pauschal alle ArbeitnehmerInnen unter Missbrauchsverdacht“, kritisiert ÖGB-Landesvorsitzender Reinhard Stemmer. Damit würden die ArbeitnehmerInnen nur zusätzlich unter Druck gesetzt. „Es gehen jetzt bereits zu viele Beschäftigte krank zur Arbeit. Durch diese unsinnigen Pläne werden es noch mehr“, befürchtet Stemmer. Zudem kritisiert er einmal mehr die Zerschlagung der Selbstverwaltung der Krankenkassen und den Einfluss der Wirtschaft in der ÖGK.

Den Medien wurde ein Forderungspapier der Wirtschaft zugespielt, die sich für eine neue "Krankenordnung" ausspricht. Bei Verdacht auf Missbrauch des Krankenstandes soll es künftig "einen Anspruch des Dienstgebers auf eine Prüfung des Gesundheitszustandes" geben. Derzeit kann der Dienstgeber bei der Kasse nur eine Prüfung anregen. „Die ArbeitgeberInnen stellen damit ihre MitarbeiterInnen unter einen generellen Missbrauchsverdacht und wollen Zugriff auf sämtliche Informationen zum Gesundheitszustand“, kritisiert Stemmer und äußert auch rechtliche Bedenken: „Das bedeutet ein Bruch mit PatientInnenrechten und dem Arztgeheimnis.“ Für Stemmer beweist sich einmal mehr: „Der gewachsene Einfluss der Wirtschaft bringt nichts Gutes. Es zeigt sich, wie dramatisch sich die Machtverschiebung in den Gremien weg von den ArbeitnehmervertreterInnen hin zu den ArbeitgeberInnen darstellt.“

Für Stemmer liegt das Problem zudem ganz wo anders. „Laut Studien gehen bereits jetzt rund 35 Prozent der ArbeitnehmerInnen zur Arbeit, obwohl sie so krank sind, dass sie eigentlich zu Hause bleiben müssten. Die Gründe dafür sind Pflichtgefühl gegenüber den KollegenInnen, wegen Angst vor Benachteiligung oder gar Jobverlust.“ Stemmer warnt vor dramatischen Folgen: „Wer krank zur Arbeit geht, braucht länger, um gesund zu werden, verschleppt Erkrankungen und wird öfter chronisch krank. Zudem steigt die Unfallgefahr.“ Außerdem habe der psychische Druck bereits jetzt enorm zugenommen. So ist die Zahl der Fehltage von VGKK-Versicherten aufgrund psychischer Erkrankungen seit 2012 von 147.795 auf 198.026 angestiegen (+ 34 Prozent).

Stemmer fordert: „Wer die Interessen der ArbeitnehmerInnen vertritt und ein Interesse an gesunden MitarbeiterInnen hat, muss diesen Plänen eine Absage erteilen.“ Noch ist unklar, wie sich der ÖAAB-Vertreter verhalten wird. Zwischen Arbeitnehmer- und ArbeitgebervertreterInnen herrscht Parität im zuständigen Gremium. „Ich habe die Befürchtung, dass wenn die Wirtschaft etwas will, sie es auch von der ÖVP bekommt“, warnt der ÖGB-Landesvorsitzende mit Bezug auf das neue Arbeitszeitgesetz.

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