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Frauen

Bildungssieger & Einkommensverlierer

Nach gut 100 Jahren müssen Frauen immer noch für gleiche Rechte kämpfen!

Seit der ersten Großdemonstration für Frauenrechte hat Österreichs Gleichstellungspolitik große Fortschritte aufzuweisen. Zahlreiche Forderungen der Gewerkschaftsbewegung wie zum Beispiel Arbeitsschutzgesetze, die 40-Stunden-Woche oder die Entgeltfortzahlung bei Krankheit und Urlaub konnten für die ArbeitnehmerInnen erkämpft werden. Wichtige Errungenschaften jüngster Zeit sind der Mehrarbeitszuschlag von 25%, die Reform des Kinderbetreuungsgeldes und aktuell die Novellierung des Gleichbehandlungsgesetzes, womit ein wesentlicher Schritt für mehr Einkommenstransparenz gesetzt werden konnte. Dennoch haben Forderungen wie "gleicher Lohn für gleiche Arbeit" die Zeit unerfüllt überdauert - zum Trotz gesetzlicher Bestimmungen. Chancengleichheit am Arbeitsmarkt suchen Frauen meist vergeblich. Gesellschaftliche Gleichstellung muss auch ökonomische Gleichberechtigung beinhalten - von Einkommensgerechtigkeit bis zu fairen Berufs- und Karrierechancen!

Trotz Bildungsvorsprung weniger Einkommen und Führungsverantwortung
In den letzten Jahrzehnten haben Frauen im Bildungsbereich massiv aufgeholt und sind heute allgemein qualifizierter als Männer. Über alle Studienzweige hinweg werden 56% der Studienabschlüsse von Frauen gemacht und sogar 58% der MaturantInnen sind weiblich (2008/09). Aus dem Aspekt des Bildungsvorsprungs erscheint die Tatsache, dass Frauen im Schnitt noch immer rund ein Viertel weniger verdienen als Männer und mit unter 10% die absolute Ausnahmeerscheinung in den Führungsebenen österreichischer Unternehmen sind, besonders widersprüchlich. Vielen gelingt es nicht, dass sich Qualifikationsvorteile in fairen Einkommenschancen widerspiegeln und nur die Wenigsten schaffen es, die gläserne Decke zum Top-Management zu durchbrechen. Diese Benachteilungen verhindern eine optimale Nutzung der getätigten Bildungsinvestitionen und Potentiale als Beitrag für Wachstum und wirtschaftliche Stabilität.

Billige Arbeitskräfte: Hilfstätigkeiten zu 70% von Frauen erbracht
Frauen sind häufig in Niedriglohnbranchen - vor allem im Dienstleistungsbereich - anzutreffen. Die letzte Arbeitskräfteerhebung bestätigt erneut, dass es mehrheitlich Frauen sind, die niedrigere berufliche Positionen besetzen, womit in der Regel ein geringerer Verdienst einhergeht. Männer sind mit über 90% nicht nur in den Top-Führungspositionen das dominante Geschlecht, sondern generell in höheren Positionen stärker vertreten. Im Gegensatz dazu sind mehr als zwei Drittel - 69% - der Hilfstätigkeiten verrichtenden Angestellten in der Privatwirtschaft Frauen, hingegen stellen sie nur 39% der Angestellten mit hoch qualifizierter Tätigkeit und lediglich 28% zählen zu den führenden Angestellten.

Verpflichtende Frauenquoten unerlässlich
Die jährlichen Statistiken und Best-Practice in EU-Ländern zeigen, dass eine pro-aktive Gesetzgebung und der Einsatz von Kontrollinstanzen weit effektiver sind als Empfehlungen oder freiwillige Selbstverpflichtung. Dass börsennotierte Unternehmen in Österreich den niedrigsten Frauenanteil haben, bestätigt die Wirkungslosigkeit des derzeitigen Corporate Covernance Kodex. Viele Punkte haben nur Empfehlungscharakter, zudem ist die Regelung zur Berücksichtigung der Diversität im Aufsichtsrat hinsichtlich Vertretung beider Geschlechter und Altersstruktur sehr wage formuliert. Ausgerechnet die Unternehmen des Prime Markets sind mit durchschnittlich nur 3% Frauenanteil in den Vorstandgremien absolutes Schlusslicht (Stand Februar 2011).

Die Verankerung von Frauenförderplänen als erzwingbare Betriebsvereinbarungen im Arbeitsverfassungsgesetz sowie eine nachweispflichtige Frauenförderung im Betrieb, um Wirtschaftsförderungen erhalten zu können, sind potentielle Maßnahmen, um mehr Geschlechtergerechtigkeit in den Führungsebenen herbei zu führen.

Dennoch sollte eine konkrete legistische Festschreibung der Quote im Aktien- und GmbH Gesetz erfolgen,  mit zügigen Übergangsfristen und der schrittweisen Einbeziehung bestimmter Rechtsformen: zuerst in Kapitalgesellschaften in mehrheitlich öffentlicher Hand und börsennotierten Gesellschaften, dann in allen großen Kapitalgesellschaften. Ob Sanktionslosigkeit der richtige Weg ist, sollte jedoch in Frage gestellt werden. Die Einrichtung einer Datenbank mit qualifizierten Frauen, die für die Tätigkeit im Topmanagement und relevanten Gremien zur Verfügung stehen, wäre eine sinnvolle Begleitmaßnahme, um Unternehmen eine Anlaufstelle für weibliche Führungskräfte zu bieten.

Erfolge für mehr Gleichstellung am Arbeitsmarkt
Wesentliche Erfolge, vor allem im Bereich Einkommenstransparenz, konnten mit der Sozialpartnereinigung zum Nationalen Aktionsplan erzielt werden. Fokussiert werden fünf zentrale Handlungsfelder, die bereits im Gleichstellungspapier der Sozialpartner von 2008 enthalten sind, das sich auf die ökonomische Gleichstellung von Frauen und Männern konzentriert.

In der Sozialpartnervereinbarung zum NAP wurden mit 16 Maßnahmen die Prioritäten definiert. Meilensteine wie die gesetzliche Verpflichtung für Unternehmen, Einkommensberichte zu erstellen oder bei Stellenausschreibungen den kollektivvertraglichen Mindestlohn sowie eine Bereitschaft zur Überbezahlung angeben zu müssen, wurden bereits mit der Novellierung des Gleichbehandlungsgesetzes umgesetzt, das mit 1. März 2011 in Kraft trat. Weitere maßgebliche Vereinbarungen betreffen u.a. die Erstellung eines online zugänglichen Lohn- und Gehaltsrechners, der aktuelle Informationen zur Entlohnung in diversen Berufen und Branchen bereitstellen soll, und einen gemeinsamen Leitfaden der Sozialpartner, um das Gleichstellungsziel auf Kollektivvertragsebene zu fördern.

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