Um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten, speichert diese Website Informationen über Ihren Besuch in sogenannten Cookies. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Weitere Informationen darüber finden Sie in der Datenschutzerklärung.
www.oegb.at

Diskussionsveranstaltung mit europäischen Gewerkschaften zum Thema „Digitale Arbeitswelt: Welche Rolle spielen die Interessenvertretungen?“

Neue Arbeitsformen in der Welt der Plattformökonomie


Am 7. März veranstalteten die Europäische Union der Unabhängigen Gewerkschaften (CESI) und das Sächsische Verbindungsbüro in Brüssel eine Veranstaltung zum Thema "Digitale Arbeitswelt: Welche Rolle spielt die Interessenvertretung?“ Moderiert wurde die Veranstaltung von der Referentin des ÖGB-Europabüros, Ariadne Mavronikola.        

Die Digitalisierung ist längst zu einem Schlagwort für eine der tiefgreifendsten sozialen und wirtschaftlichen Transformationen seit der industriellen Revolution geworden, die sich auch auf die Welt der Arbeit, der Beschäftigung und der sozialen Sicherheit erstreckt. Während etablierte Beschäftigungsformen in Frage gestellt werden und sich neue Formen der Arbeit entwickeln, haben Gewerkschaften und Organisationen der Zivilgesellschaft immer noch Schwierigkeiten, sich mit ihrer Rolle in diesem Prozess auseinanderzusetzen.

Staatliche Regulierung versus Gewerkschaftsvertretung

In seiner Begrüßungsrede verwies Dr. Hartmut Mangold, Staatssekretär im sächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, auf aktuelle Umfragen seines Bundeslandes: Rund 25% der Beschäftigten sind in Sachsen in Berufen tätig, deren Kernaufgaben durch die Technologie ersetzt werden könnten. „Es ist somit unsere Pflicht, die BürgerInnen auf diese Veränderungen in der Arbeitswelt vorzubereiten“, kommentierte der Staatssekretär abschließend.

Digitalisierung der Arbeitswelt = Digitalisierung des sozialen Dialogs

Mehtap Akgüç, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Brüsseler Denkfabrik „Centrum für Europäische Politik (CEPS)“, präsentierte die Ergebnisse ihrer neuesten Studie: „Arbeitsbeziehungen und sozialer Dialog im Zeitalter der kollaborativen Wirtschaft.“ In der Studie werden sieben Länderfallstudien erstellt, die Belgien, Frankreich, Dänemark, Deutschland, Ungarn, die Slowakei und Spanien abdecken. Die Berichte zeigen sowohl die Perspektiven der AkteurInnen des sozialen Dialogs auf nationaler Ebene als auch die Erfahrungen der PlattformarbeiterInnen.

Aktuelle Verhandlungen der EU-Institutionen im Sozialbereich

Die niederländische Europaabgeordnete und frühere Gewerkschaftsvorsitzende, Agnes Jongerius, ging auf die aktuellen Verhandlungen wichtiger Sozialdossiers auf EU- Ebene, zur Regulierung der digitalen Wirtschaft, ein. Schlechte Nachrichten kamen leider kürzlich erst wieder aus ihrem Heimatland. Dort hatte das Landgericht in Amsterdam ein Urteil in der Rechtssache gegen die Lieferplattform Deliveroo erlassen. Das Verfahren war von einem Studenten eingeleitet worden, der als Ein-Personen-Unternehmen für Deliveroo arbeitete. Der Student erklärte in dem Verfahren, dass er kein Selbständiger, sondern faktisch ein Arbeitnehmer sei und daher den Schutz erhalten müsse, der zur Position eines Arbeitnehmers gehöre. Das Gericht kam allerdings zu einem anderen Urteil und schlussfolgerte, dass der Student ein Selbständiger ohne Personal und kein Arbeitnehmer im Sinne des Gesetzes ist.

Lieferplattform mit Minimumstandards für Beschäftige in Italien

Filippo Chiricozzi, einer der Mitbegründer der italienischen Lieferplattform „Moovenda“, die für ihre Bemühungen um menschenwürdige Arbeit anerkannt wurden zeigte, dass es auch anders gehe. Seine MitarbeiterInnen, aktuell in 7 Städten Italiens, bekommen alle einen Arbeitsvertrag mit einem Mindestlohn und einer Sozialversicherung. Es ist nicht immer einfach, sich gegen die großen Lieferplattformen wie Deliveroo oder Uber Eats durchzusetzen, vor allem, wenn sie sich durch diverse (Steuer-)Tricks und der Ausbeutung von ArbeitnehmerInnen, wirtschaftliche Vorteile verschaffen.

EGB: Integrativer Übergang zu einer fairen digitalen Zukunft

Lorenzo Repetti, Referent im Europäischen Gewerkschaftsbundes (EGB), verwies auf die Prioritäten des EGB im Bereich der digitalen Arbeit und wie wichtig es sein werde, einen integrativen Übergang zu einer guten und fairen digitalen Arbeit zu gestalten, basierend auf guten Arbeitsbedingungen, einem sicheren Arbeitsumfeld sowie einem fairen Arbeitsverhältnis. Die europäischen Gewerkschaften müssen sicherstellen, dass die digitale Umwandlung, die Gesellschaft nicht weiter in ein paar Gewinner und viele Verlierer aufteilt und zu einer noch ungleicheren Verteilung des Reichtums führt. Vielmehr müssen sie den integrativen Übergang zu einer fairen digitalen Zukunft durch Minimieren der Risiken und Erschließen von Chancen mitgestalten.
 

Artikel weiterempfehlen

Newsletterauswahl

ÖGB Newsletter

Hier erhalten Sie wöchentlich die wichtigsten Informationen des ÖGB zu Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sowie Berichte, Veranstaltungstipps und vieles mehr.
Geschlecht
Geschlecht:
Name
© Österreichischer Gewerkschaftsbund | Impressum | Nutzungsbedingungen | Datenschutz | Inhalt