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Anruf vom Chef

Krankenstand: Was darf der Arbeitgeber verlangen?

Wenn ArbeitnehmerInnen krank zuhause sind, stellen sich meist zwei Fragen: Wann muss eine ärztliche Bestätigung gebracht werden und darf mich der Chef im Krankenstand kontaktieren? Wir haben diese Fragen beantwortet.

Ab wann muss man eine ärztliche Bestätigung bringen?

Vorab muss festgehalten werden, dass entgegen der weitverbreiteten Meinung erst nach spätestens drei Tagen Krankheit eine ärztliche Krankenstandsbestätigung vorzulegen, nicht stimmt. Laut Gesetz muss der oder die ArbeitnehmerIn ohne Verzug die Krankheit dem Arbeitgeber mitteilen. Daher sollte der Arbeitgeber spätestens vor Arbeitsbeginn informiert werden, dass man nicht zur Arbeit kommen kann, damit er die Möglichkeit hat, auf den Ausfall zu reagieren. Ob auch eine ärztliche Krankenstandsbestätigung vorzulegen ist, entscheidet der Arbeitgeber. Der oder die ArbeitnehmerIn ist nur dann verpflichtet eine Krankenstandsbestätigung vorzulegen, wenn der Arbeitgeber diese ausdrücklich verlangt. Das kann er auch schon bei eintägigen Erkrankungen machen. Der Arbeitgeber hat aber keinen Anspruch darauf, zu erfahren, welche Krankheit der/die ArbeitnehmerIn hat. Der Arbeitgeber muss aber für jede Erkrankung die ärztliche Krankenstandsbestätigung aufs Neue verlangen, eine generelle Verpflichtung des oder der ArbeitnehmerIn, bei jeder Erkrankung eine ärztliche Bestätigung zu erbringen, ist nicht möglich. Derartige pauschale Vereinbarungen können auch nicht im Arbeitsvertrag vereinbart werden.

Dürfen Vorgesetzte im Krankenstand anrufen?

Ein Arbeitgeber darf einen/eine ArbeitnehmerIn nur in wenigen Ausnahmefällen im Krankenstand kontaktieren, und auch dann nur unter gewissen Voraussetzungen wegen beruflicher Informationen.

In diesem Zusammenhang fand eine Entscheidung des Obersten Gerichtshof 2013 mediale Beachtung. In diesem Fall ging es um eine Sekretärin, die bei einer Rechtsanwaltskanzlei beschäftigt war und schriftlich aufgefordert wurde, aus dringlichen Gründen im Krankenstand zu einem persönlichen Gespräch in die Kanzlei zu kommen. Dabei handelte es sich unter anderem um Punkte wie interne Schulungsmaßnahmen, Fragen zu einem Mandanten bzw. Unterlagen, zu denen angeblich nur die Sekretärin Zugang habe. Die Sekretärin befand sich aufgrund von Belastungsstörungen, Burn-out und Depressionen, die auf massive Schwierigkeiten mit einem Vorgesetzten zurückzuführen waren, im Krankenstand. Die Sekretärin erwiderte schriftlich, dass sie sich nicht grundsätzlich weigere, mit dem Vorgesetzten zu sprechen, und sie einen Termin vereinbaren werde, wenn es ihr Gesundheitszustand zulasse. Sobald sie wieder arbeitsfähig sei, werde sie auch an Schulungen teilnehmen. Weiters wären alle Unterlagen an einer öffentlichen Stelle gespeichert, zu der alle Zugriff hätten. Daraufhin wurde ihr mitgeteilt, dass es nicht nur um Schulungsmaßnahmen gehe, sondern um koordinative Fragen, und sie mit ihrem Verhalten ihr als Dienstnehmerin obliegende Treuepflicht so erheblich verletze, dass arbeitsrechtliche Konsequenzen unausweichlich seien. Schlussendlich wurde die Sekretärin entlassen.

Der Oberste Gerichtshof hielt in diesem Fall fest, dass Angestellte mit einem Krankheitsbild, wie es die Sekretärin aufweist, auch während des Krankenstandes für die Bekanntgabe unbedingt erforderlicher Informationen – etwa telefonisch - zur Verfügung stehen müssen. Das trifft zu, wenn die Vorenthaltung der erforderlichen Informationen zu einem wirtschaftlichen Schaden des Arbeitgebers führen sowie der Genesungsprozess des/der ArbeitnehmerIn nicht beeinträchtigt wird. Zusätzlich hielt der Oberste Gerichtshof fest, dass der Arbeitgeber konkretisiert, um welche Informationen es sich handelt, warum diese nicht anders beschafft werden können und warum aus dem Fehlen der Information ein schwerer wirtschaftlicher Schaden entstehen würde. Im vorliegenden Fall war daher die Entlassung nicht gerechtfertigt.

 

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