Im August protestierten BetriebsrätInnen und Gewerkschafter vor dem Boxmark-Werk in Feldbach für eine Anhebung des Mindestlohns auf 1.500 Euro. PRO-GE
Mindestlohn

Schandfleck Lederindustrie: Unternehmer verweigern Mindestlohn

Hunderte Beschäftigte in der Lederindustrie müssen noch immer für weniger als 1.500 Euro brutto im Monat arbeiten – Gewerkschaften fordern WKÖ-Spitzen auf einzugreifen

Vor vier Jahren haben sich die österreichischen Sozialpartner geeinigt, in allen Kollektivverträgen einen Einstiegslohn von mindestens 1.500 Euro umzusetzen. Arbeitgeber aus allen Branchen halten sich an diese Vereinbarung – nur nicht jene in der Lederindustrie. Trotz einer vorherigen Zusage wollen die dortigen Arbeitgeber davon nichts wissen. Der Mindestlohn in dieser Branche liegt im Jahr 2021 immer noch bei 1.305 Euro brutto pro Monat. „Das ist eine Schande für die heimische Industrie und für die Wirtschaftskammer und fügt der österreichischen Sozialpartnerschaft großen Schaden zu“, sagen die beiden gewerkschaftlichen KV-Verhandler Gerald Kreuzer (PRO-GE) und Albert Steinhauser (GPA). 

Skandalöse Zustände in der Lederindustrie 

In der Lederindustrie arbeiten 1.500 Beschäftigte. Die Arbeit in der Ledererzeugung ist dabei durchwegs schwer, schmutzig und stark geruchsbelastet. Trotz dieser harten Arbeit erhalten rund 450 Vollzeit-Beschäftigte weniger als 1.500 Euro brutto im Monat. „Die Verweigerung von sozialpartnerschaftlichen Gesprächen über eine Erhöhung des Mindestlohnes auf 1.500 Euro ist ein Skandal. Es gibt keinen Grund, warum die harte Arbeit in der Ledererzeugung weniger wert sein sollte als die Arbeit in anderen Branchen“, betonen die beiden Gewerkschafter. 

Arbeitgeber wollen nicht verhandeln 

Aber nicht nur die Anhebung des Mindestlohns bzw. des Mindestgrundgehalts wird verschleppt, auch die jährlichen Kollektivvertragsverhandlungen werden von den Arbeitgebern ständig torpediert. So konnte im Jahr 2020 kein Lohn- und Gehaltsabschluss erzielt werden. In diesem Jahr fanden in den Sommermonaten bereits drei Verhandlungsrunden statt, für weitere Verhandlungen wurde von den Arbeitgebern noch immer kein Termin angeboten. 

„Lohn- und Gehaltserhöhungen überfällig” 

„Lohn- und Gehaltserhöhungen sowie die Umsetzung von 1.500 Euro als niedrigsten Einstiegslohn sind überfällig“, sagen die Gewerkschafter. Die Umsetzung eines Mindestlohns bzw. Grundgehaltes von 1.500 Euro und eine nachträgliche Abgeltung für das Jahr 2020 müsse jetzt endlich kommen.