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Arbeiten zuhause

Homeoffice: Diese Regeln gelten ab 1. April für ArbeitnehmerInnen

PLUS: So füllst du deine Steuererklärung fürs Homeoffice richtig aus

Ab 1. April 2021 treten die neuen, gesetzlichen Regelungen fürs Arbeiten im Homeoffice in Kraft.

Im Vorfeld haben sich die Sozialpartner auf die neuen Rahmenbedingungen für Homeoffice geeinigt, die Politik setzt sie jetzt um.

Es ist wichtig, dass nach langwierigen Verhandlungen jetzt endlich klare Rahmenbedingungen für die Arbeit im Home-Office vereinbart wurden.

ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian

Wie wichtig, eindeutige Rahmenbedingungen sind, zeigt ein Blick auf die aktuelle Situation: Vier von zehn Beschäftigten in Österreich haben seit Ausbruch der Corona-Pandemie immer wieder mobil gearbeitet, die überwiegende Mehrheit davon im Homeoffice.

Galt Homeoffice vor der Krise oft als Ausnahme, ist jetzt klar, dass viele Unternehmen auch in Zukunft auf das „Büro zu Hause“ setzen und die Beschäftigten im Homeoffice arbeiten werden.

Homeoffice muss weiter freiwillig bleiben  

Homeoffice bleibt weiterhin Vereinbarungssache. Das heißt: Der Arbeitgeber kann es genauso nicht einseitig verordnen wie der/die ArbeitnehmerIn es ohne Rücksprache mit dem Chef nicht in Anspruch nehmen kann. Die Arbeit im Homeoffice muss in beidseitigem Einvernehmen geklärt werden.

Wichtig:
Beide Seiten, also Arbeitgeber und ArbeitnehmerInnen, haben in Zukunft die Möglichkeit, von dieser Vereinbarung wieder zurückzutreten.

Liegt ein wichtiger Grund vor, kann die Homeoffice-Vereinbarung mit einer einmonatigen Frist gekündigt werden. Dafür werden die gesetzlichen Weichen gestellt. 

Wichtige Gründe für einen Rücktritt von der Homeoffice-Vereinbarung liegen beispielsweise bei einem Wohnungswechsel oder einer Veränderung der Familiensituation vor.

Eine Mustervereinbarung für die vertragliche Gestaltung der Homeoffice-Vereinbarung stellen die Sozialpartner zur Verfügung.  (siehe Download unten)

Betriebsvereinbarung regelt Homeoffice 

In Unternehmen mit einem Betriebsrat soll es eine Betriebsvereinbarung für die Einführung und Regelung von Homeoffice geben. Dazu wurde ein neuer gesetzlicher Anknüpfungspunkt im Arbeitsverfassungsgesetz verankert. Hintergrund ist, dass es in Betrieben mit Betriebsrat bessere und transparentere Lösungen für alle gibt - das hat sich in der Corona-Pandemie klar gezeigt.

Was steht in diesen Homeoffice-Betriebsvereinbarungen? Sinn und Zweck ist es, wichtige Spielregeln wie „Wer kann Homeoffice machen?“, „In welchem Stundenausmaß?“, „Welche Arbeitsmittel werden gestellt?“ oder auch „Welcher Aufwandesrsatz wird gezahlt?“ konkret zu vereinbaren. 

 

 

Arbeitsort

Arbeit im Homeoffice liegt nach der gesetzlichen Neuregelung dann vor, wenn „in der Wohnung“ gearbeitet wird. Gemeint ist grundsätzlich die (eigene) Wohnung des/der ArbeitnehmerIn.

Der Begriff der Wohnung ist allerdings weit auszulegen und es fallen auch etwaige Nebenwohnsitze oder die Wohnung eines/einer nahen Angehörigen oder der Lebensgefährtin oder des Lebensgefährten darunter.

Wichtig: Ein Arbeitsplatz in einem öffentlichen Coworking-Space oder im Kaffeehaus gilt nicht als Homeoffice.

Arbeitsmittel und Büromaterialien   

Der Arbeitgeber muss auch weiterhin die nötigen Arbeitsmittel zur Verfügung stellen. Wenn ArbeitnehmerInnen im Homeoffice zustimmen, ihre eigenen Arbeitsmittel (also den eigenen Laptop oder das private Handy) einzusetzen, dann haben sie Anspruch auf einen Aufwandsersatz. Diese Regelung konnte bisher in der Vereinbarung ausgesetzt werden – auch zum Nachteil der ArbeitnehmerInnen.

Das neue Homeoffice-Paket bietet hier eine wichtige Verbesserung: Wer in Zukunft eigene digitale Arbeitsmittel (inklusive der Internet-Verbindung) verwendet, der muss dafür vom Arbeitgeber eine angemessene Abgeltung erhalten.

Wie bisher sollen und können Arbeitgeber aber auch weitere anfallende Kosten übernehmen (Strom, Heizung, Arbeitsmöbel). Diese Kosten können auch in Form einer Pauschale (z.B. durch Betriebsvereinbarung) ersetzt werden. 

Neue Steuerregelungen und Pauschalen   

Pauschale Zahlungen des Arbeitgebers für Kosten im Homeoffice sind bis zu 300 Euro pro Jahr steuerfrei, wobei ein Homeoffice-Tag mit 3 Euro bewertet wird. Wenn man betrieblich, z.B. über eine Betriebsvereinbarung, für jede/n ArbeitnehmerIn im Home-Office eine Pauschalzahlung von z.B. 25 Euro vereinbart, ist sie unter diesen Bedingungen künftig steuerfrei. Höhere Beträge werden wie bisher besteuert.

Für die Beschäftigten bedeutet das, dass ihnen von den vereinbarten Pauschalen künftig netto mehr übrigbleibt und, dass alle Beschäftigten denselben Nettobetrag erhalten. Die Steuerfreiheit sollte auch ein Anreiz sein, künftig vermehrt pauschale Aufwandsersätze in Betrieben zu vereinbaren. 

ArbeitnehmerInnen, die sich zu Hause einen eigenen Arbeitsplatz für das Arbeiten im Homeoffice einrichten, können künftig (nach einem entsprechenden Nachweis) zusätzlich bis zu 300 Euro als Werbungskosten steuerlich absetzen. Damit die Kosten für 2020 angeschafftes Mobiliar nicht verfallen, können Teile des 300-Euro-Rahmens für 2021 ins Jahr 2020 vorgezogen werden.

Achtung: Diese steuerlichen Regelungen sind bis 2023 befristet. 

Arbeitsrecht, ArbeitnehmerInnenschutz, Haftung   

Alle Bestimmungen des Arbeitszeitgesetzes, Arbeitsruhegesetzes und die anwendbaren Bestimmungen des ArbeitnehmerInnenschutzgesetzes gelten auch im Homeoffice.  Das heißt: Auch wenn ich zu Hause arbeite, gelten – sofern nichts anderes vereinbart wird – die gleichen Arbeitszeiten wie im Büro. Im Homeoffice gelten aber auch vereinbarte Mehr- oder Überstunden. 

Der Arbeitgeber ist verpflichtet, darauf zu achten, dass der Arbeitsplatz zu Hause ergonomisch gestaltet wird bzw. dass Fragen der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes beantwortet und geklärt werden.

Dazu wollen die Sozialpartner mit dem Arbeitsinspektorat Informationsmaterialien, die auch online zur Verfügung gestellt werden, entwickeln. Für die verpflichtende Arbeitsplatzevaluierung soll es für das Homeoffice eine Musterevaluierung geben. 

Neu ist, dass bei Schäden an den Arbeitsmitteln im Homeoffice die ArbeitnehmerInnen und ihre Angehörigen nun umfassender geschützt sind. Im Dienstnehmerhaftpflichtgesetz (DHG) werden jetzt auch Angehörige der/des ArbeitnehmerIn berücksichtigt. Das bedeutet, dass das Ausmaß des Schadenersatzes bei Beschädigungen an den Arbeitsmitteln des Arbeitgebers herabgesetzt wird oder ganz entfallen kann

Der Vorteil ist, dass die Haftungsbeschränkungen aus dem DHG auch dann gelten, wenn z.B. ein Kind oder der/die LebenspartnerIn aus Versehen sein/ihr Getränk über den verwendeten Laptop schüttet und das Gerät nicht mehr funktioniert. Dann muss man dem Arbeitgeber nur in geringerem Ausmaß Ersatz leisten. 

Oft entfällt die Pflicht zum Schadenersatz auch ganz

Dauerrecht Unfallversicherungsschutz  

ArbeitnehmerInnen sind im Homeoffice weiterhin bei Unfällen versichert. Der Unfallversicherungsschutz im Home-Office, der bis Ende März 2021 befristet war, geht nun ins Dauerrecht über. 

Das betrifft auch Unfälle, die auf dem Weg vom Homeoffice in die Arbeitsstätte, zu einem Arzttermin, zu einer Interessenvertretung oder wenn man beispielsweise die Kinder in den Kindergarten bringt und ins Homeoffice zurückgeht, passieren.

Außerdem ist man versichert, wenn man sich im Supermarkt eine Jause kauft oder wenn man zu Mittag in eine Gaststätte essen geht und auf dem Weg dorthin passiert etwas. Nicht gedeckt ist aber, wenn ich meinen Wochenendeinkauf während meiner Homeoffice-Zeit erledige. 

Homeoffice-Mustervereinbarung
Jetzt herunterladen!

Podcast: "Fit und gesund im Homeoffice"

Wie du fit und gesund im Homeoffice bleibst, hörst du in unserem Podcast "Nachgehört / Vorgedacht" mit der ÖGB-Expertin für gesund Arbeit, Ingrid Reifinger.

Homeoffice von der Steuer absetzen: So geht's!

Wie du zu deinem Geld kommst, haben wir hier für dich zusammengefasst.

Grundsätzlich können Ausgaben für ergonomisches Mobiliar (z. B. Drehsessel) im Ausmaß von bis zu 300 Euro pro Jahr als Werbungskosten abgesetzt werden. 

Zahlt dir dein Arbeitgeber für deine Aufwendungen im Homeoffice einen Kostenersatz, so ist dieser bis zu drei Euro pro Tag steuer- und sozialversicherungsfrei. Zahlt er jedoch nichts oder weniger, können die sogennanten „Differenzwerbungskosten“ geltend gemacht werden.  

Darüber hinaus können berufsbedingte Ausgaben wie bisher steuerlich berücksichtigt werden, wobei Kostenersätze des Arbeitgebers und allfällige Differenzwerbungskosten gegengerechnet werden müssen.  

Ein Beispiel: Wenn du 100 Tage im Homeoffice arbeitest und ein Homeoffice-Tag mit drei Euro bewertet wird, wären das 300 Euro. Zahlt dir dein Arbeitgeber aber nur 200 Euro, kannst du die Differenz von 100 Euro als Werbungskosten absetzen.  

„Wo trage ich Homeoffice in der Steuererklärung ein?“ 

Ab Anfang April 2021 soll es möglich sein, ergonomisches Mobiliar in einem eigenen Betragsfeld (Kennzahl 158) online eintragen zu können.  

Wird die Steuererklärung in Papierform abgegeben, muss die Beilage L 1 HO-2020 hinzugefügt werden, die ab April 2021 für derartige Ausgaben verfügbar sein wird. 

"Wie viel kann ich steuerlich absetzen?" 

Das hängt zu einem großen Teil von den eigenen Ausgaben ab. Grundsätzlich können Ausgaben für ergonomisches Mobiliar (z. B. Drehsessel) im Ausmaß von bis zu 300 Euro pro Jahr als Werbungskosten abgesetzt werden. Außerdem ist in manchen Fällen die Berücksichtigung von Differenzwerbungskosten möglich. 

"Wie setzt man Homeoffice von der Steuer ab?" 

Eine Berücksichtigung der erwähnten Ausgaben für ergonomisches Mobiliar (bis zu 300 Euro/Jahr) sowie der Differenzwerbungskosten (siehe oben Punkt 1) ist im Rahmen der jährlichen ArbeitnehmerInnenveranlagung („Steuererklärung“) möglich. 

„Was kann ich fürs Jahr 2020 in meiner Steuererklärung absetzen?“

Hast du bereits im Jahr 2020 ergonomisches Mobiliar fürs Homeoffice gekauft, kannst du bis zu 150 Euro davon für das Jahr 2020 absetzen.

Allfällige Differenzwerbungskosten können erst ab der Veranlagung für 2021, also mit der „Steuererklärung” 2022, abgesetzt werden.    

"Muss ich die Anzahl meiner Homeoffice-Tage selbst dokumentieren?"

Nein. Das muss dein Arbeitgeber machen, und die Zahl der geleisteten Homeoffice-Tage muss auch auf dem Jahreslohnzettel ausgewiesen werden.