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Gewerkschaft entsetzt über ÖHV-Forderung nach 13-Stunden-Tag

Beschäftigte sollen noch länger arbeiten!

Als „entlarvend“ bezeichnet Berend Tusch, Vorsitzender des Fachbereichs Tourismus in der Gewerkschaft vida, die Aussagen von ÖHV-Präsidentin Michaela Reitterer: „Bei dem lauschigen Treffen auf Burg Golling hat die Wirtschaft jetzt endlich auf den Tisch gelegt, was sie eigentlich wirklich von den Beschäftigten im heimischen Tourismus will und erwartet. Und zwar einen 13-Stunden-Arbeitstag!“

Wann ist es endlich genug?
„Schon jetzt stöhnt der Tourismus unter Personalmangel und dann macht man die Rahmenbedingungen noch unattraktiver“, ergänzt Thomas Berger, Landesgeschäftsführer der vida Salzburg. Er zeigt sich entsetzt, dass es offenbar nicht mehr um einen 12-Stunden-Tag geht, sondern die Forderung nach einer Arbeitsverdichtung noch einmal verschärft wurde: „Die oberste Hotellerie-Chefin des Landes spricht sich in einem ORF-Interview für einen 13-Stunden-Tag und das bei einer 3-Tage-Woche aus. Wo soll uns das noch hinführen?“ Die Marschrichtung muss in die entgegengesetzte Richtung gehen, fordert der vida-Gewerkschafter: „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Tourismus stimmen ja jetzt schon mit ihren Füßen ab und verlassen die Branchen bei erstbester Gelegenheit! Wenn in einer großen vida-Umfrage jeder zweite Arbeitnehmer im Tourismus sagt, er hängt nicht an seinem Job und würde ihn nicht mehr ergreifen, dann ist die Antwort der Wirtschaft offenbar folgende: Wir gehen nicht auf den Hilfeschrei ein, sondern verschärfen die Bedingungen noch einmal!“ Spannend wird, so Berger, „welche Zwangsmaßnahmen man sich überlegt, um Menschen künftig in den Tourismus zu zwingen, weil Freiwillige werden sich so immer weniger finden.“

Familienfeindliches Image abstoßen
Schon jetzt entsprechen die Arbeitszeiten und -bedingungen längst nicht mehr dem, was sich die Beschäftigten vorstellen, so Tusch: „Wo es massiv hapert, sind planbare Arbeitszeiten. Beruf und Familie müssen auch in dieser Branche endlich vereinbar sein. Es ist überhaupt keine Frage, dass die Beschäftigten im Tourismus oft dann arbeiten müssen, wenn andere frei haben. Das wissen auch die ArbeitnehmerInnen. Das Problem ist vielmehr, dass die Zeiten und die Dienstpläne, die ihnen mitgeteilt werden, oft nur unverbindliche Vorschläge und keine verbindlichen Aussagen sind!“ Laut den TeilnehmerInnen der vida-Umfrage werden acht von zehn Dienstplänen nach der Bekanntgabe verändert. Für fast die Hälfte aller Beschäftigten bedeuten diese Änderungen Mehrarbeit: Sie müssen zwei oder mehr Dienste zusätzlich leisten. „Zeigen sie mir auch bitte die Kinderbetreuungseinrichtung, die 13 Stunden plus Anfahrtszeit offen hat. So kann man kein Leben organisieren“, ärgert sich Tusch. 

Attraktivität der Branche steigern, nicht verschlechtern 
In diesem Zusammenhang pocht Berger darauf, dass es im Hotel- und Gastgewerbe endlich deutlich fairere Personalplanung braucht: „Das kann nur heißen, dass mehr Beschäftigte aufgenommen werden. Die oberste Hotellerie-Chefin will jedoch, Arbeitszeiten deutlich verlängern und so die Belastungen ihrer MitarbeiterInnen deutlich nach oben schrauben. Ein 13-Stunden-Tag ist und wird auch nie ein Beitrag zu mehr Qualität bei den Arbeitsbedingungen sein!“ Abschließend betonen beide Gewerkschafter: „Es muss uns gemeinsam gelingen, den Tourismus als attraktiven Arbeitgeber wiederzubeleben. Das wird aber sicherlich nicht durch höhere Tagesarbeitszeiten passieren. Wir brauchen dringend einen Turbo bei den Arbeitsbedingungen und den Löhnen und Gehältern! Dann werden die Menschen auch wieder im Tourismus arbeiten wollen.“
 

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