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Brasilianische Gäste zu Besuch in Wien

Bilaterale Gespräche und Diskussion über die Schattenseiten der Fußball-WM

Am 10. Juni 2014 durfte das internationale Referat drei Gäste aus Brasilien begrüßen. Marcus Strohmeier, internationaler Sekretär des ÖGB, empfing sie im Catamaran zu bilateralen Gesprächen: Nilson Duarte Costa, Präsident der Bau-Holz-Gewerkschaft (Sindicato dos Trabalhadores nas Indústrias da Construção Pesada) von Rio de Janeiro, Leila Regina da Silva, eine Anthropologin, die MüllsammlerInnen, Zwangsvertriebene und Prostituierte in Belo Horizonte bei ihrem politischen Organisationsprozess begleitet und Gustavo Francisco Curihuinca Garcia, Mitarbeiter im internationalen Sekretariat des 2007 gegründeten Gewerkschaftsverbandes UGT (União Geral dos Trabalhadores).
Gemeinsam tauschte man sich über die Situation der Gewerkschaften in beiden Ländern aus und die brasilianischen Gäste zeigten großes Interesse an der österreichischen Gewerkschaftsbewegung. Duarte Costa schilderte die Gründung des erst 2007 entstandenen Gewerkschaftsbundes UGT und erläuterten Hintergründe zu Protesten rund um die bevorstehende WM.

Spannende Diskussion am Abend

Anschließend durften wir uns über einen spannenden Diskussionsabend mit unseren brasilianischen Gästen freuen, den das internationale Referat des ÖGB gemeinsam mit Südwind und der Kampagne „Nosso Jogo“ veranstaltete. Unter dem Motto „Die Schattenseiten der Fußball-WM“ wurde dieses sportliche Großereignis zusammen mit rund 50 Gästen unter einem kritischen Blickwinkel betrachtet.

Auswirkungen auf Brasiliens Bevölkerung

Die Gäste aus Brasilien legten dar, wie sich die Weltmeisterschaft und hier vor allem die Auflagen der FIFA auf verschiedenen Ebenen auf die brasilianische Bevölkerung auswirken.
Duarte Costa, der den 20-tägigen Streik im berühmten Maracanã-Stadion in Rio anführte, schilderte die Situation auf den Baustellen und wie es durch Überstunden und die Verwendung schlechter und unsicherer Baumaterialien zu zahlreichen Arbeitsunfällen kam, gegen die sich die ArbeiterInnen erfolgreich wehrten.
Da Silva beleuchtete den zivilgesellschaftlichen Aspekt der Geschehnisse rund um die WM: Bis zu 250 000 Menschen wurden im Zuge der Umbau- und Infrastrukturprojekte zwangsumgesiedelt. Die besonders starken Auswirkungen auf Frauen, die oft als Straßenhändlerinnen arbeiten, aber auch der bereits bemerkbare Anstieg des Sex-Tourismus und der sexuellen Ausbeutung junger Mädchen waren hier Schwerpunkt.

Fair Play auch für ArbeitnehmerInnen!

Strohmeier unterstrich, dass bei Sportgroßereignissen der Profit und nicht die Begeisterung am Sport im Zentrum steht. Die FIFA und Sponsoren und machen durch derartige Events Milliarden-Umsätze, während die Bevölkerung den Bauprojekten weichen muss. Dieses Phänomen gibt es aber nicht erst seit 2014: Die Vorfälle in Sotschi sind uns noch in lebendiger Erinnerung und auch die kommende WM in Russland, ebenso wie die katastrophalen Bedingungen auf Baustellen in Katar zeigen, dass hier langfristige Forderungen aufgestellt werden müssen. Wer Fair Play will, muss auch bindende Arbeitsrechtsstandards für ArbeitnehmerInnen implementieren – hierfür setzt sich der ÖGB auf allen Ebenen ein.
Wer einen Beitrag zu diesen Bemühungen leisten möchte, kann die Petition von „Nosso Jogo“: „Für bindende Menschenrechtsstandards bei Sportgroßevents!“ unterschreiben, die Stefan Grasgruber-Kerl von Südwind vorstellte. Auch die Kampagne „Nosso Jogo“ möchte seine Arbeit auf zukünftige sportliche Großereignisse ausdehnen und widmet sich hier v.a. Arbeits-, Frauen- und Kinderrechten und dem Verhältnis von Sport und Entwicklung.

 

 

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