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ÖGB - Österreichischer Gewerkschaftsbund

Die Flexi-Finnen - Home Office als Standard

Ab 2020 können ArbeitnehmerInnen in Finnland die Hälfte ihrer Arbeit daheim erledigen

Arbeitsbesuch am 25. November - Jarkko Tapani Eloranta, finnischer Spitzengewerkschafter, diskutierte mit ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian über Arbeitszeitflexibilisierung.

Finnland zählt bereits jetzt zu den Ländern mit der höchsten Arbeitszeitflexibilität. Mit ihrem Gleitzeitmodell sind die Finnen seit 1996 Vorreiter: Beginn und Ende eines Arbeitstages dürfen innerhalb eines Zeitfensters von drei Stunden selbst gewählt werden. Neun von zehn finnischen Unternehmen bieten mittlerweile diese Möglichkeit der flexiblen Zeitgestaltung an.

Finnland als Vorzeigeland

Die aktuelle finnische Arbeitszeitreform, mit der auf die technologische Entwicklung der Arbeitsplätze, Computer und mobilen Endgeräte reagiert wird, hat wieder Vorzeigecharakter: Ab Jahresbeginn 2020 gibt es die Möglichkeit einer Vereinbarung zwischen Arbeitgeber und ArbeitnehmerIn, die vorsieht, dass die ArbeitnehmerInnen bei der Hälfte ihrer Arbeitszeit selbst bestimmen können, wo sie arbeiten. Theoretisch gilt dieses Arbeitszeitmodell für alle, in der Praxis werden eher Beschäftigte mit Büro- bzw. Verwaltungsjobs von dem neuen Modell profitieren.

Mehrheit der Unternehmen wird Modell anwenden

Trotzdem ist zu erwarten, dass die Mehrheit der Unternehmen davon Gebrauch machen wird. Denn ähnliche flexible Arbeitszeitmodelle sind in vielen Kollektivverträgen vorgesehen und stark in der finnischen Arbeitskultur verankert. Die neuen Regelungen stehen über den kollektivvertraglich festgelegten Arbeitszeitbestimmungen in Finnland.

Andere Formen als halbe-halbe auch möglich

Theoretisch sind auch andere Formen der Arbeitszeitteilung zwischen Büro und daheim möglich als halbe-halbe. Das Mustermodell sieht zwar eine Aufteilung der Arbeit von 20 Arbeitsstunden im Büro und 20 Stunden daheim vor, die tatsächliche Ausgestaltung kann aber auf kollektivvertraglicher, betrieblicher oder individueller Ebene abweichend vereinbart werden. Auch 30 Stunden im Büro und zehn Stunden daheim oder umgekehrt wären also möglich. Allerdings gehen Experten davon aus, dass 20/20 zum generellen Standard in Finnland wird. Diese neue Arbeitszeit-Regelung geht nämlich auch auf das Bestreben der Wirtschaft zurück, ArbeitnehmerInnen aus dem dünn besiedelten Norden des Landes besser in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

Wertvoller Nebeneffekt: Umweltschutz

Erklärtes Ziel neben der besseren Integration von ArbeitnehmerInnen in ländlichen Regionen ist nämlich auch die Reduktion des Pendlerverkehrs. Weniger Fahrten in die Arbeit bedeutet natürlich auch weniger CO2-Ausstoß. Weiterer Effekt dieser neuen Form der Arbeitszeitflexibilisierung ist außerdem eine bessere Work-Life-Balance. Darüber hinaus belegen Studien, dass flexible Arbeitszeiten und -orte die Produktivität erhöhen.

Sozialpartner verhandelten mit

Die finnischen Sozialpartner waren in die Entstehung des Gesetzes stark eingebunden. Der Präsident des finnischen Gewerkschaftsbunds SAK, Jarkko Tapani Eloranta, sieht neben den vielen Vorteilen durch die flexiblere Arbeitsgestaltung aber auch eine Gefahr, denn ArbeitnehmerInnen könnte mit dem neuen Modell auch mehr Arbeit zugemutet werden: ArbeitnehmerInnen könnten sich verpflichtet fühlen, außerhalb der vereinbarten Arbeitszeit E-Mails zu lesen und Anrufe zu beantworten.

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