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Korinna Schumann kämpft für ErntearbeiterInnen

ÖGB-Vizepräsidentin mit dringlicher Anfrage: Was wusste Ministerin Aschbacher?

Kurz waren sie die HeldInnen der Corona-Krise. Versprochen wurde ihnen viel, gehalten wurde davon wenig. Kurz rückten dann die ErntehelferInnen in den Fokus der Öffentlichkeit, als bekannt wurde, dass sie fast wie Sklaven gehalten unter grausamen Bedingungen arbeiten mussten. Am Ende gab es im besten Fall etwas Anerkennung - für die meisten Kurzzeit-HeldInnen aber nicht einmal das. Einkommen, die sich an der Bedeutung ihrer Jobs für die Bevölkerung messen, bleiben weiter ein ferner Traum, die Systemrelevanz ist schnell nicht mehr gar so relevant.  

ÖGB gibt den Kampf nicht auf

Nicht vergessen hat das aber der Österreichische Gewerkschaftsbund und kämpft deshalb weiter. ÖGB-Vizepräsidentin und Bundesrätin Korinna Schumann sorgt jetzt auch auf der politischen Bühne des österreichischen Parlaments dafür, dass die ErntehelferInnen nicht vergessen werden und in Zukunft unter menschenwürdigen Bedingungen arbeiten können. Deshalb hat sie im Bundesrat eine dringliche Anfrage eingebracht. „Wenn wir in Österreich solche unwürdigen Zustände zulassen, ist das ein Skandal. Wir erwarten uns von der zuständigen Ministerin, diese Missstände sofort zu unterbinden”, betont Schumann die Dringlichkeit der Thematik.  

Dort ist von „schlechten Bedingungen”, „unglaublich geringer Bezahlung” und „arbeitsrechtlich schwer bedenklichen bzw. illegalen, ausbeuterischen Praktiken” die Rede. Es sei surreal, so etwas in einem der reichsten Länder der Erde sehen zu müssen.  

Drei schockierende Fälle als Beispiel

Konkret ist stellvertretend für die gewaltigen Missstände von drei Fällen die Rede. In Mannsdorf in Niederösterreich mussten die ErntehelferInnen etwa für schockierende vier Euro Stundenlohn an sechs bis sieben Tagen in der Woche bis zu 14 Stunden arbeiten und zu acht in einem schimmligen Zimmer schlafen und dafür auch noch bezahlen. Die Unterkunft musste sogar behördlich gesperrt werden – aber erst nachdem die katastrophalen Zustände von einer mutigen Saisonarbeiterin am 16. Juni in der „Zeit im Bild” öffentlich gemacht wurden.

Dass es noch schlimmer und menschenverachtender geht, beweist der zweite beschriebene Fall: Ein oberösterreichischer Landwirt soll ErntearbeiterInnen, die bis zu 72 Stunden pro Woche arbeiten mussten, über Nacht eingesperrt haben – offenbar aus Angst vor Coronavirus-Infektionen.   

Das dritte Beispiel stammt aus Tirol – der Beleg dafür, dass es sich nicht um ein regionales Problem handelt: Das Unternehmen „Immoservice24” bietet von dort aus seit Jahren Saisonkräfte für Hotels und Gastronomie an. Da dieses Geschäftsmodell in der Corona-Krise brach lag, sattelte man kurzerhand auf ErntehelferInnen um. Die Konsequenz: Der Österreichische Gewerkschaftsbund musste eine Sachverhaltsdarstellung wegen Verdachts auf Lohn- und Sozialdumping einbringen.  

Jetzt ist die Politik gefordert

Was diese Fälle gemeinsam haben: Sie seien „exemplarisch” für die „strukturellen Probleme” in dieser Branche und die „mehr als nachlässige Kontrolle”. Missstände würden erst durch mutige ErntearbeiterInnen überhaupt bekannt. Der Bundesregierung dürfte das aber „kein besonderes Anliegen” sein, befürchtet ÖGB-Vizepräsidentin Korinna Schumann in ihrer dringlichen Anfrage. Es brauche „politische Initiativen und Maßnahmen”, statt die katastrophalen Zustände „stillschweigend zur Kenntnis zu nehmen”.  

Die dringliche Anfrage

Insgesamt 24 Fragen sollen im Bundesrat jetzt Licht ins Dunkel bringen – und einen Beitrag dazu leisten, in Zukunft für menschenwürdige Zustände für Österreichs ErntearbeiterInnen sorgen.  

Im Kern lässt sich die dringliche Anfrage, die ÖGB-Vizepräsidentin Korinna Schumann zusammen mit dem ehemaligen Vorsitzenden der Gewerkschaft vida und Präsident der Wiener Arbeiterkammer Rudi Kaske und Sandra Gerdenitsch im Bundesrat eingebracht hat, in vier Themengebiete zusammenfassen:  

  • Was wusste Bundesministerin Christine Aschbacher und das Bundesministerium für Arbeit, Familie und Jugend von den Missständen und was hat man dagegen unternommen?
  • Vorgänge rund um die Vermittlungsplattform www.dielebensmittelhelfer.at. Zum Beispiel: Wie viele Menschen wurden an wen vermittelt und wie wurde vorgesorgt?
  • Kontrollen durch die Land- und Forstwirtschaftsinspektionen. Zum Beispiel: Wie oft wird kontrolliert und gestraft oder wie viele Personen stehen für die Kontrollen überhaupt bereit?
  • Wie soll die Situation in der Zukunft verbessert werden?


Eines ist für ÖGB-Vizepräsidentin Korinna Schumann jetzt und in Zukunft  klar: "Wir werden solche Missstände nicht stillschweigend zur Kenntnis nehmen, sondern mit aller Deutlichkeit darauf drängen, dass die Regierung aktiv wird und diese Praktiken abstellt", hält sie fest und verweist auch auf die wichtige Rolle der Produktionsgewerkschaft PRO-GE, die die Vertretung der ErntearbeiterInnen in den letzten Wochen übernommen hat.

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