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Frauenarbeitslosigkeit

Frauenarbeitslosigkeit um ein Drittel gestiegen

Plus 34 Prozent: Arbeitnehmerinnen werden von Corona-Pandemie besonders hart getroffen

In Österreich herrscht aufgrund der Corona-Pandemie Rekordarbeitslosigkeit. Der Beschäftigungsrückgang betrifft in erster Linie frauendominierte Branchen wie Tourismus, Gastronomie und persönliche Dienstleistungen. Es braucht daher jetzt wirksame arbeitspolitische Maßnahmen, damit sich die hohe Frauenarbeitslosigkeit nicht verfestigt.

Frauenarbeitslosigkeit stark angestiegen

Die Arbeitslosigkeit der Arbeitnehmerinnen ist mit einem Plus von 34 Prozent deutlich stärker angestiegen als die der Männer (plus 22 Prozent, jeweils inklusive SchulungsteilnehmerInnen).. Manuela Vollmann, Geschäftsführerin von ABZ*AUSTRIA, betont: Viele gut ausgebildete Frauen stehen dem Arbeitsmarkt gerade nicht zur Verfügung, weil sie zuhause bleiben müssen, um sich um Kinder und die Pflege von Angehörigen zu kümmern. Sie stecken beruflich zurück, um die Familie am Laufen zu halten. Frauen, die bereits davor nur geringfügig beschäftigt waren, fallen jetzt überhaupt durch alle Netze.

Die Corona-Krise darf die ohnehin begrenzten Fortschritte der Gleichberechtigung nicht wieder rückgängig machen.

Korinna Schumann, ÖGB-Vizepräsidentin

„Die Corona-Krise darf die ohnehin begrenzten Fortschritte der Gleichberechtigung nicht wieder rückgängig machen. Die Politik ist jetzt gefragt, Frauen bei den Maßnahmen zur Bewältigung der Krise stärker zu berücksichtigen und sie mit der Situation nicht alleine zu lassen“, fordert ÖGB-Vizepräsidentin und –Frauenvorsitzende Korinna Schumann.

Langfristige negative Folgen

Christine Mayrhuber, Ökonomin am WIFO, warnt vor den schlechten Wiedereingliederungschancen für Frauen am Arbeitsmarkt. Für sie sei eine Rückkehr zu Vollzeit noch schwieriger und die Folgen der Krise unter Umständen noch deutlich länger spürbar. Das hätte drastische langfristige Folgen für das Erwerbseinkommen und somit auch die Pensionshöhe von Frauen. Hier müsse mit gezielten Ausbildungs- und Beschäftigungsprogramme für Frauen gegengesteuert werden, unterstreicht auch Vollmann.

Stille Heldinnen des Alltags

Ohne den Einsatz der Frauen hätte die Versorgung der Menschen in Österreich während der Corona-Krise kaum aufrechterhalten werden können. Rund 70 Prozent der Beschäftigten in systemrelevanten Branchen wie dem Handel, dem Pflege- und Gesundheitsbereich und der Produktion sind weiblich. Die Bezahlung in diesen Branchen ist allerdings meist schlecht und die Beschäftigten erhalten nicht die Wertschätzung, die sie verdienen.

Grafik zum Frauenanteil in systemrelevanten Berufen wie Betreuung, Gesundheit und Lebensmittelhandel

Gleichzeitig steigt der Bedarf an Personal gerade in diesen Bereichen aufgrund der demografischen Entwicklung und aktuell auch der Corona-Pandemie massiv an. So gehen etwa immer mehr Pflegekräfte in Pension oder verlassen den Beruf aufgrund der fordernden Arbeitsbedingungen.

Jobs schaffen – Pflegebereich entlasten

WIFO-Ökonomin Mayrhuber empfiehlt, die Arbeitsbedingungen in Gesundheits- und Pflegeberufe dringend massiv aufzuwerten und Arbeitszeiten sowie Bezahlung zu verbessern, um den Beruf für arbeitssuchende wieder attraktiv zu machen – denn die Pflege ist ein Zukunftsberuf.

Bessere Rahmenbedingungen für den Pflegeberuf fordert der ÖGB schon lange. Dazu braucht es jetzt verstärkte Weiter- und Umqualifizierung für Frauen.Eine rasch umsetzbare Möglichkeit ist es, das bereits bewährte arbeitsmarktpolitische Instrument der Arbeitsstiftung zu nutzen, um Frauen wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Mit einer bundesweiten Pflegestiftung, wie vom ÖGB gefordert, könnten tausende Menschen für den Pflegebereich, finanziell abgesichert, ausgebildet werden.“

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